Ambulant Betreutes Wohnen

„Ohl-Ranch“ zeigt Wirkung: Tierpflege lindert seelische Not

Peter Zimmer aus dem Leitungsteam von Ambulant Betreutes Wohnen kommt öfters zur Neheimer „Ohl-Ranch“ des Förderkreises Psychische Gesundheit, wo er eine Wohngruppe mit psychisch Kranken bei der Tierbetreuung auf dem großen Außengelände begleitet. 

Peter Zimmer aus dem Leitungsteam von Ambulant Betreutes Wohnen kommt öfters zur Neheimer „Ohl-Ranch“ des Förderkreises Psychische Gesundheit, wo er eine Wohngruppe mit psychisch Kranken bei der Tierbetreuung auf dem großen Außengelände begleitet. 

Foto: Martin Schwarz

Neheim.  Ambulant Betreutes Wohnen für psychisch Kranke hat die Neheimer „Ohl-Ranch“ erweitert. Jetzt gibt’s 2 Esel, 4 Schafe, 5 Ziegen und 60 Hühner

Die Erfahrung, verantwortungsvoll für Tiere zu sorgen und gleichzeitig auch Zuneigung von diesen Tieren zu erhalten, lindert seelische Not. Dieser Grundgedanke prägt das Tierkonzept, mit dem der Förderkreis Psychische Gesundheit (FPG) bereits seit 14 Jahren psychisch kranken Menschen auf dem Weg in ein neues eigenständiges Leben hilft.

Außenanlage wurde deutlich erweitert

Initiiert wurde es damals von Peter Zimmer, der im Rahmen des FPG-Angebots „Ambulant Betreutes Wohnen (ABW)“ eine Wohngruppe für psychisch Kranke in einem Haus im Neheimer Ohl betreute. Als Ergotherapeut, Tierwirt für Bienenhaltung und Katzenfreund war Peter Zimmer die besondere Wirkung von Tieren auf die Menschen bewusst. So startete das Tiermodell vor 14 Jahren mit etwa sechs bis acht Schafen und drei Ziegen im umzäunten Garten des Wohnhauses. Heute ist daraus eine „Ohl-Ranch“ geworden, zu der zwei Esel, vier Schafe, fünf Ziegen, zwei Gänse, 60 Hühner und über 20 Bienenvölker gehören. Zusätzliche Flächen wurden gepachtet bzw. erworben. Versorgt werden die Tiere von einer Wohngruppe mit fünf Männern, die in dem angrenzenden Haus lebt.

Tier als Brücke zum Menschen

„Unser Konzept zur Linderung der seelischen Not durch Tierpflege ist aufgegangen. Wir haben hier schon oft erlebt, wie psychisch kranke, introvertierte Menschen über den Kontakt mit Tieren auch den Kontakt zu Menschen wiederfinden“, betont Peter Zimmer. Besonders wichtig sei es, dass den psychisch Kranken wieder eine Tagesstruktur gegeben wird.

Denn täglich morgens und nachmittags sind Tiere zu füttern und zu pflegen. Dazu gehört auch das Saubermachen der Ställe, das Entsorgen des Mistes, das Einsammeln der Hühnereiern, das Striegeln der Esel und auch die Kontrolle, ob Tiere eventuell erkrankt sind. So wird auch die Eigenverantwortung der psychisch Kranken gestärkt. Wenn psychisch Kranke aus anderen Wohngemeinschaften oder Single-Wohnungen, die ebenfalls vom ABW betreut werden, die „Ohl-Ranch“ besuchen, übernehmen Mitglieder der vor Ort befindlichen ABW-Wohngruppe die Führung. Auch das stärkt das Selbstwertgefühl der Kranken. Vor Corona waren auch schon Gruppen aus Kindergärten oder Schulen auf der „Ohl-Ranch“ zu Gast.

FPG erhält Spenden, um Kosten für Tierhaltung zu decken

Da das ABW die Kosten für die Tierhaltung bei weitem nicht über die Betreuungspauschale decken kann, ist der FPG dankbar, dass das Tiermodell bereits durch die Postcode-Lotterie, Aktion Mensch und Glücksspirale gefördert wurde. „Aber auch unsere Klienten wollen zur Kostendeckung bei der Tierhaltung beitragen. So werden Eier und Honig am Wohnhaus verkauft“, berichtet Zimmer.

Demnächst - nach Corona - soll auch selbst gebackenes Brot verkauft werden. Der Ofen dafür steht bereits im Garten, in ihm wurde auch schon Brot für den Eigenbedarf gebacken. Nach der Corona-Pandemie soll es in einer Hütte im Garten einen Verkaufsstand mit Café geben. Zu den weiteren Planungen gehört eine Bogenschießanlage für ABW-Klienten.

Peter Zimmer betont, dass das Tiermodell für die psychisch Kranken ein Baustein sei auf dem Weg in eine neue Eigenständigkeit. Andere Bausteine wie zum Beispiel Psychotherapie könnten dazukommen.

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