Gericht

Opfer biss Angreifer in die Lippe

Foto: Oliver Müller

Sundern/Arnsberg.   Einige neue Erkenntnisse für das Gericht brachte der 7. Verhandlungstag in Sachen einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Sunderner Asylheim.

Der Prozess, der sich um mutmaßliche Vergewaltigung in einem Sundern Asylheim dreht, konnte - nach einigen Unterbrechungen fortgesetzt werden. Nach zweimaligem Fehlen (unsere Zeitung berichtete) erscheint das vermeintliche Opfer der Vergewaltigung vor dem Landgericht Arnsberg und nimmt im Zeugenstand Platz. Aufatmen beim Gericht, Staatsanwaltschaft und auch dem Verteidiger des Angeklagten.

Die heute 19-jährige junge Frau aus Sundern - ohne ein Zuhause - bedarf

der Betreuung. Wahrscheinlich war sie dem Prozess aus Angst vor dem Angeklagten, einem über 40-jährigen Libanesen, der vor seiner Untersuchungshaft in einer Flüchtlingsunterkunft in Sundern lebte, ferngeblieben. Ihre Anwältin der Nebenklage nimmt neben ihr Platz und versteht es, die nervös und fahrig wirkende Zeugin zu beruhigen. Ihre Erklärungen sind oft abschweifend und unpräzise, bedürfen der Nachfragen der beteiligten Parteien.

Klarheit in der Sache

Hat der Angeklagte, mit dem sie über etwa drei Jahre auch ein sexuelles Verhältnis hatte, die Vergewaltigung tatsächlich vollzogen oder hat er eine solche „nur“ versucht. So richtig ist dieser Punkt nicht deutlich geworden, versucht das Gericht Klarheit in diesem wesentlichen Punkt zur bringen. Sie habe damals, im April 2018, keinen Sex haben wollen. Das habe sie ihm unmissverständlich klar gemacht und ihn sogar in die Lippen gebissen, um sein Vorhaben zu verhindern. Doch er habe sie entkleidet, geschlagen und missbraucht.

„Es ist gegen meinen Willen geschehen, aber er hat so schöne Augen“, macht sie dem Gericht deutlich. Sie habe damals laut um Hilfe geschrien, was einen anderen Heimbewohner bewog, die Polizei zu rufen. „Ich sah ihn als Vater und Freund, der mir nach meinem Zerwürfnis mit meinem Elternhaus eine Unterkunft gegeben hat“, so das mutmaßliche Opfer zu dem mehrjährigen Verhältnis zum mutmaßlichen Täter. Sie habe in den drei Jahren ihres Zusammenlebens zwar nie Sex mit dem deutlich älteren Mann haben wollen, doch sie habe es über sich ergehen lassen, schildert die junge Frau dem Gericht. Ein weiterer Grund für das Bleiben in dem Sunderner Asylheim: Der Angeklagte habe sie in dieser Zeit mit Drogen versorgt. Dafür wollte er eine Gegenleistung. Und die Frau versicherte, dass sie aus dem Drogensumpf herauskommen wollte, deshalb hatte sie Pläne geschmiedet, ihn zu verlassen.

Schilderung war eindeutig

Ein anderes Bild ergibt sich bei einer weiteren Zeugin: „Bei ihrer polizeilichen Vernehmung hat die 19-Jährige eine eindeutige Vergewaltigung geschildert. Ich glaube, dass es so war, wie sie es bei mir berichtet hat. Auch, wenn ich sie himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt erlebt habe“, sagt eine erfahrene Vernehmungsbeamtin als Zeugin vor Gericht aus.

Nach dem nun siebten Verhandlungstag wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Die Plädoyers und das Urteil sollen am nächsten Prozesstag, am Freitag, 14. Dezember, erfolgen. Dabei werden auch eine Schlägerei und einige Diebstähle einbezogen.

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