Naturschutz

Rinder und Pferde sollen auf Spreiberg grasen

Der ehemalige Truppenübungsplatz auf dem Spreiberg bei Müschede aus der Luft. Inzwischen ist das auch als Wicheler Heide bekannte Gelände Naturschutzgebiet und in Besitz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in NRW.Foto:Luftbildkontor  Fischer

Der ehemalige Truppenübungsplatz auf dem Spreiberg bei Müschede aus der Luft. Inzwischen ist das auch als Wicheler Heide bekannte Gelände Naturschutzgebiet und in Besitz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in NRW.Foto:Luftbildkontor Fischer

Müschede.  Nachhaltige Beweidung des Naturschutzgebietes Spreiberg geplant. Schafe bleiben vor Ort. Entscheidung ist aber noch offen.

Eigentlich wollte Schäfermeister Peter Kuhlmann Ende 2020 in den Ruhestand gehen – doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Gemeinsam mit seinem Sohn Martin könnte der Wanderschäfer aus Unna-Hemmerde einem Naturschutzprojekt neue, bundesweit einmalige ­Impulse geben – und zwar auf den Hügeln oberhalb von Müschede.

Lange Zeit Truppenübungsplatz

Dort befindet sich das Naturschutzgebiet Spreiberg, im Volksmund auch als Wicheler Heide bekannt. Lange Jahre wurde das Gelände als Truppenübungsplatz genutzt, seit Oktober 2016 ist die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in Nordrhein-Westfalen „Hausherr“ (wir berichteten).

Die Stiftung hat insgesamt 111 Hektar Flächen bei Arnsberg vom Bund übernommen: Die 88 Hektar des Naturschutzgebietes Spreiberg und ein Teil der Naturschutzflächen im „Waldreservat Obereimer“ wurden so dauerhaft für den Naturschutz gesichert.

Um die wertvollen Magerrasen in dem Gebiet zu erhalten, lässt die NABU-Stiftung das Grünland seitdem weiterhin extensiv beweiden – von Peter Kuhlmanns Schafen.

Inventur des Gebietes

Doch eine Beweidung allein durch Schafe sei auf Dauer nicht ausreichend, um Tritt und Verbiss auf den Flächen zu optimieren, sagt Dr. Axel M. Schulte, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station – Hochsauerlandkreis e.V. . Dieses Naturschutzzentrum hat im Jahr 2017 im Auftrag des NABU eine Inventur des Gebietes vorgenommen. Anhand der gewonnen Daten und Erkenntnisse wurde inzwischen ein Konzept zur Entwicklung und Pflege für den Spreiberg erstellt – dabei sollen Kuhlmann ­senior und junior nun eine wichtige Aufgabe übernehmen:

Im Zentrum des Naturschutz­gebietes ist eine Beweidung mit Großvieh – Rinder und Pferde – angedacht, während in den Randbereichen weiterhin Schafe als „Rasenmäher“ eingesetzt werden. Für diese kombinierte Form von Vertragsnaturschutz sollen die „Kuhlmänner“ zuständig sein. Als „absoluten Glücksfall“ bezeichnet Dr. Schulte diese Konstellation, wenn sie denn zustande kommt. Eine nachhaltige Beweidung mit drei verschiedenen Tier­rassen in Händen eines Betriebes wäre nicht nur äußerst praktikabel, sondern wohl auch bundesweit ein­malig. Doch die Erweiterung des vorhandenen Schäfereibetriebes mit Sitz in Westhemmerde um Rinder und Pferde wäre mit erheblichen Veränderungen und großem Aufwand verknüpft – darum prüfen die Kuhlmanns derzeit die Machbarkeit.

Geballtes Know-How

Geballtes Know-How können Vater und Sohn in die Waagschale werfen – Peter ist seit rund 45 Jahren als Wanderschäfer unterwegs, außerdem schon über zehn Jahre auf der „Wicheler Heide“ für Landschaftspflege zuständig – und Martin ist studierter Landwirt.

Doch worauf müssen sich Erholungsuchende, Wanderer, Hundehalter und Anwohner einstellen, sollte es tatsächlich so kommen wie angedacht? Das gesamte Gelände bleibe – wie bisher – für die Öffentlichkeit zum Naturerleben zugänglich, legen sich NABU-Stiftung und Biologische Station fest. Natürlich stehe die Natur dort an erster Stelle, sagt Axel Schulte, doch weil es sich um eine Kulturlandschaft handelt, die seit Langem unter anderem landwirtschaftlich genutzt wird, sei ein Naturerleben für alle möglich.

„Man muss sich nur ein wenig zurücknehmen“, appelliert der ­Wissenschaftler an die Vernunft.

Dass sich Beweidung und Natur­erleben gut ergänzen und einen Mehrwert für alle schaffen können, lässt sich unter anderem auf dem Kleiberg in Soest feststellen. Dort, auf einem ehemaligen Militärgelände der belgischen Armee, weiden Rinder und Pferde auf einem umzäunten Areal im Zentrum – Spaziergänger können dieses auf mehreren Wegen umrunden – und dabei das Vieh sowie diverse weitere Tierarten ­beobachten.

Zeitnahe Info

Neben Rundwegen wird es auf dem Spreiberg auch weiterhin die Möglichkeit geben, das Areal direkt zu durchqueren, sagt Dr. Schulte mit Blick auf die künftige Beweidung. Über diese werden NABU-Stiftung, Biologische Station sowie der Hochsauerlandkreis als Untere Landschaftsbehörde die Bevölkerung informieren, sobald es Veränderungen und eine – wünschenswert positive – Entscheidung der ­Familie Kuhlmann gibt.

Wie gesagt: Es wäre ein absoluter Glücksfall – für alle...

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