Garten

Schrebergärten sind bei jungen Menschen und Familien beliebt

Josef Schroller vom „Kleingärtnerverein Lüsenberg" ist seit vielen Jahren passionierter Selbstversorger in Sachen Kartoffeln und Gemüse. Die Blumen ringsum der Parzelle werden regelmäßig mit gesammeltem Regenwasser gegossen.

Josef Schroller vom „Kleingärtnerverein Lüsenberg" ist seit vielen Jahren passionierter Selbstversorger in Sachen Kartoffeln und Gemüse. Die Blumen ringsum der Parzelle werden regelmäßig mit gesammeltem Regenwasser gegossen.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Die Schrebergartenvereine sind gut aufgestellt. Immer mehr junge Menschen schätzen die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung.

Schrebergärten sind Rückzugsinseln, Ruheoasen und Treffpunkt - oder einfach nur ein Stück heile Welt. Ist der traditionelle Kleingarten außerhalb der Stadt ein Überbleibsel der Nachkriegszeit, wo der Anbau von Obst und Gemüse nicht nur Hobby, sondern lebenswichtig war?

Wir gingen der Frage nach und stellten fest, dass der Schrebergarten gerade bei Familien immer beliebter wird, um dem Stress der Zeit zu entfliehen oder einfach nur mit dem Nachbarn über den Zaun ein Schwätzchen zu halten.

Ruhrtaler: Von den 42 Parzellen nur zwei leer

Aber auch der eigene Anbau von Kartoffeln, Möhren oder Salat ist gerade für Jüngere ein wesentlicher Grund, einen Kleingarten zu mieten.

Der Kleingartenverein Ruhrtal erstreckt sich vom Vereinshaus in der Twiete bis zur Pferdekoppel unterhalb der Bürgergärten. Erfreulicherweise stehen von den 42 Parzellen nur zwei leer.

„Bei uns wird Integration groß geschrieben“, erklärt Vereinsvorsitzender Alfred Holz, „ein Viertel unserer Mitglieder, darunter viele Familien mit Kindern, haben ausländische Wurzeln“.

Nur mit Ausruhen und Grillen ist es nicht getan

Mit Nachwuchs sei es jedoch nicht so rosig bestellt. Bei Meldung freier Parzellen kämen oft nur ältere Menschen, die in ein paar Jahren Probleme mit der Bewirtschaftung hätten.

Jüngere Interessenten hätten dagegen oft falsche Vorstellungen von der Arbeit, die ein Kleingarten mit sich bringt, denn mit nur Ausruhen und Grillen sei es nicht getan.

Am Lüsenberg sind alle Parzellen belegt

Tagsüber ist die Gartenanlage in der Twiete übrigens für Jedermann geöffnet, da es rechtlich eine offene Grünanlage ist, die eigentlichen Gärten dürfen natürlich nicht betreten werden.

Die Kleingartenanlage Lüsenberg wurde 1942 erschlossen, 1968 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. „Unsere 43 Parzellen sind alle belegt, denn wir haben vor ein paar Jahren einen Generationswechsel erlebt“, freut sich Kassierer Martin Niedermeier.

Ein modernes Erscheinungsbild soll her

Einige Mieter hätten aus Altersgründen ihre Parzellen aufgegeben, aber spontan hätten Ehepaare - teilweise mit Kindern und sogar Enkelkindern - in den Startlöchern gestanden. Trotzdem machen sich auch die „Lüsenberger“ Gedanken über die Zukunft. Fakt sei, dass ein modernes Erscheinungsbild her müsse.

„Geplant ist eine Parzelle als Projektgarten anzulegen, hier sollen dann Schulen und Kindergärten angesprochen werden, um praxisnah das Pflanzen von Blumen oder den Anbau von Gemüsesorten zu erleben“, blickt Vorsitzende Birgit Baader zuversichtlich nach vorn.

Kindertagesstätte Marienhospital ist oft zum Besuch

Vorreiter sei jetzt schon die städtische Kindertagesstätte am Marienhospital, die oft zu Besuch in die Kleingärten am Lüsenberg kommt. Denn die Anlage habe, so Kassierer Martin Niedermeier, einen großen Vorteil:

„Aufgrund der Höhenlage sind wir weitestgehend „stechmückenfrei‘“. Und es gäbe viele Wildtiere wie Dachse, Waschbären und auch Rehe, die die Gärten gerne mal auf Nahrungssuche durchstreifen würden. Eine Fotofalle hat dies eindrucksvoll dokumentiert.

Auch in Gierskämpen ist alles „dicht“

Seit 1961 gibt es im Süden der Stadt die Kleingartenanlage Gierskämpen. Die ersten Lauben wurden aus dem Holz der abgerissenen Baracken des ehemaligen „Waldlagers“ gebaut. Denn Holz war zu dieser Zeit begehrt, aber teuer.

Das Areal wurde dann ständig erweitert. Heute umfasst die Anlage 30 Parzellen, die alle vergeben sind, sowie ein schmuckes Vereinsheim.

„Wir haben genug Anwärter für einen Garten!

Nachwuchssorgen ist für die Kleingärtner aus Gierskämpen ein Fremdwort, denn die Warteliste mit Bewerbern ist lang: „Wir haben genug Anwärter, die sofort einen Garten pachten würden“, sagt Vereins-Chef Jürgen Klose. Fast alle Mieter wohnen auch in Gierskämpen:

„Hier ist eine gute Gemeinschaft und alle sind wie eine große Familie“. Da könne man auch mal in Ruhe grillen und feiern, ohne dass ein genervter Nachbar meckere.

Nachhaltigkeit und Naturerlebnis sind gefragt

Fazit: Das in der Bevölkerung oft vorherrschende Meinungsbild, Kleingärtnervereine seien antiquiert, ist falsch. Nachwuchsprobleme gibt es kaum, das Durchschnittsalter hat sich bundesweit in den vergangenen Jahren deutlich verjüngt.

Der moderne „Laubenpieper“ setzt dabei auf Nachhaltigkeit, persönliches Erleben von Säen, Wachsen und Ernten sowie den direkten Kontakt mit der Natur. Und: Das Gemeinschaftsdenken ist unter Kleingärtnern oberstes Gebot.

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