Grimme-Preis

Schwestern aus Sundern bekommen Grimme-Preis für Komödie

Wo ist Wellensittich,Herr Neumann? Jörg Gudzuhn, der den Hubert Lotzmann in der Kordes & Kordes-Produktion „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ spielt, bekommt für seine Darstellung den Grimme-Preis.

Wo ist Wellensittich,Herr Neumann? Jörg Gudzuhn, der den Hubert Lotzmann in der Kordes & Kordes-Produktion „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ spielt, bekommt für seine Darstellung den Grimme-Preis.

Foto: Dennis Pauls / ARD degeto

Sundern/Berlin/Marl.   Die Schwestern Meike und Alexandra Kordes aus Sundern erhalten für die Komödie „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ den Grimme-Preis.

Die große Welt ins kleine Boizenburg an der Elbe geholt, das haben die Macher des TV-Films „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“. Und sie werden am 5. April mit dem Grimme-Preis in Marl belohnt. Hinter der „Eskalations-Komödie“, so urteilt der Spiegel, stecken die Schwestern Meike Kordes und Alexandra Kordes, gebürtig aus Sundern, heute in Berlin beheimatet, die bereits für ihren Kinofilm „Vier Minuten“ mit dem deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet wurden.

Wie er als islamischer Terrorist verfolgt wird, obwohl Hubert Lotzmann eigentlich nur seinen Staubsauger reparieren lassen will, ist nicht nur witzig, es ist subtile Kritik an der heutigen Gesellschaft, die auf alte Werte pfeift. Meist unsichtbarer Held des Films ist der kleine Wellensittich Herr Neumann. Ihn hat Hubert Lotzmann beim Putzen mit dem „Fuzzbuster“ eingesaugt.

Ab da gerät die kleine überschaubare Welt des Rentners, der sich ja eigentlich nur für den Erhalt des Schwimmbades engagieren will, aus den Fugen. Hinzu kommt, dass er bei all der Aufregung den 70. Geburtstag seiner Gattin vergisst. Und am Ende hat der Zuschauer Tränen in den Augen, vor Lachen.

„Lotzmanns“ schlagen Konkurrenz

Dafür und für die Kritik am Zustand des Landes bekommt der Film „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ den Grimme-Preis, und das gleich vier Mal. „Wir sind nicht dabei, weil es die Kategorie ,Produktion’ beim Grimme-Preis so nicht gibt“, sagt Alexandra Kordes, die den Film für die ARD-Tochter Degeto mit ihrer Firma „Kordes & Kordes“ produziert hat.

Dennoch: „Auch Meike und ich dürfen uns jetzt Grimme-Preisträgerinnen nennen, weil der Film auch insgesamt als ausgezeichnet gilt.“ Aber vier Grimme-Preise für einen Film seien schon „ein Sensatiönchen“. Denn gleich vier Preise für einen Film gebe es eher selten in Marl: So erhalten am 5. April sowohl Regisseur Axel Ranisch als auch Drehbuchautor Sönke Andresen wie auch die beiden Hauptdarsteller des Ehepaars Lotzmann (Jörg Gudzuhn und Gisela Schneeberger) den Grimme-Preis.

Alle anderen nominierten Konkurrenten schlugen die Lotzmanns aus dem Feld: „Wir sind der einzige 90-Minüter, der prämiert wird. Sonst wurden im fiktionalen Bereich nur Serien wie Bad Banks oder Hackerville ausgezeichnet.“ Fazit der beiden Schwestern von der Bergstraße: „Wir sind happy.“

Starkes Team hinter den Kulissen

Ein Erfolg der beiden Frauen aus Sundern, die eine Produktionsfirma in Berlin betreiben. Auf der Fahrt von Berlin nach München erreichte unsere Redaktion Alexandra Kordes zwischen zwei Terminen persönlich: „Wir sind richtig stolz. Denn der Grimme-Preis ist schon super für uns und hilft bei der Finanzierung weiterer Projekte.“ Gelobt wird der Film für sein rasantes Tempo, seinen außergewöhnlichen Humor und seine mutige Produktionsweise – mal eine ganz andere Familienkomödie. Auch für das Thema: Seiner beißenden Kritik an manchen Zuständen in Deutschland, etwa den riesigen Elektrosupermärkten.

Einer, der das Schräge besonders gut kann, ist Axel Ranisch, der einem breiteren Publikum als trotteliger, aber hoch intelligenter Kollege von ARD-Kommissar Zorn bekannt ist. Kontakte mit Regisseur Axel Ranisch haben die Kordes-Schwestern schon seit Jahren: „Schon sein Bewerbungsfilm in Berlin 2004 an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Babelsberg war außergewöhnlich.“ Da habe sie schon Kontakt mit ihm aufgenommen und 2013 realisierte er „Ich fühl mich Disco“ mit den Schwestern.

Erstausstrahlung am späten Abend

Später entdeckte Alexandra Kordes in der Drehbuchwerkstatt in München, in der sie seit zehn Jahren betreut, den Drehbuchautor Sönke Andresen. Sein Buch zu „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ haben sich die Kordes-Schwestern dann früh für ihre Firma gesichert. Schnell sei klar gewesen, dass für diesen schrägen Stoff wohl nur Axel Ranisch als Regisseur in Frage komme. „Wir haben dann aus beiden ein Team geschweißt, das gut funktioniert“, erinnert sie sich an die Dreharbeiten, die schon drei Jahre zurückliegen.

„Allerdings hatte man bei der ARD wenig Vertrauen, dass die verrückten Lotzmanns um 20.15 Uhr funktionieren.“ So wurde der Film bei der Erstausstrahlung erst spät um 22.45 Uhr ins Programm genommen. „Jetzt wird aber der Mut belohnt, mit dem der Film gemacht ist! Das freut uns sehr!“

Dass ihr Film gelungen ist, hätten auch die Festivals in Hof und Emden gezeigt: „Das sitzen ja nicht nur Kritiker, sondern ganz normale Menschen, und die haben Tränen gelacht.“

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