Gericht

Sportwetten mit Gewinngarantie – Quartett steht vor Gericht

Foto: Patrick Pleul

Arnsberg/Sundern.   Sie lockten ihre Opfer mit Versprechen auf Sportwetten mit Gewinngarantie. Quartett muss sich in Arnsberg wegen 367-fachen Betrugs verantworten.

„Wenn es stimmt, dass man von Menschen lernen soll, die etwas erfolgreich gemacht haben und deshalb wissen, wovon sie reden, dann ist dieses Buch etwas, was Sie unbedingt lesen sollten.“

Das steht im Klappentext von „Inside Story: Alles ist möglich“, einem Buch, das der 50-jährige Hauptangeklagte in einem großen Wirtschaftsprozess am Landgericht Arnsberg vor sechs Jahren geschrieben hat. Die Fakten sind heute allerdings anders: 367 Mal wird dem Mann aus Börnsen bei Hamburg gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen sowie 13-fache Steuerhinterziehung.

50-Jähriger soll Strippenzieher von Schneeballsystem gewesen sein

Der erste Verhandlungstag vor der 6. Großen Strafkammer unter Richter Markus Jäger beschäftigte sich mit den Präludien: Staatsanwalt Henning Michels verliest zunächst die umfangreiche Anklageschrift, die den vier Angeklagten gewerbsmäßigen Betrug vorwirft, dazu kommen für die Ehefrau des Hauptangeklagten (68) ein Verstoß gegen das Geldwäsche-Gesetz sowie Beihilfe zum Betrug gegen einen 38-Jährigen aus Holstein.

Schon am ersten Prozesstag hebt sich ein wenig die Decke um die Geschäfte des Mannes, der nach Ansicht des Staatsanwaltes der Strippenzieher bei Schneeballsystem war. Dabei gab es wohl zwei Ziele: Nach außen hin propagierte man auf den Internetseiten der eVision Team Networking GmbH mit Sitz in Sundern und der Plattform bet@4you man platziere weltweit Sportwetten. Beide Seiten garantierten eine Rendite von 48 Prozent, dank es ganz ausklügelten Computeralgorithmus. Intern gab es wohl keine Sportwetten, sondern die eingenommenen Anlagen wurden ganz profan für die Auszahlung genutzt: Aber, wie immer bei solchen Ponzi-Systemen, so Staatsanwalt Michels am Rande der Verhandlung: „Irgendwann ist Ende.“

Haupttäter setzte sich nach Kambodscha ab

So war es auch in diesem Fall, denn auf ihre Rendite wartende Anleger zeigten die Firma 2016 an. Der Haupttäter setzte sich nach Kambodscha ab, der eingesetzte Geschäftsführer der eVision Team, ein 62-jähriger in Sundern wohnender Mann, kam zunächst in Haft.

In Phnom Penh legt der Angeklagte dann sein dort hin geschafftes Geld an: in ein Feinschmecker-Restaurant, in einen Nachtclub mit Varieté und wohl auch in ein Tonstudio, war aus den Dialogen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidiger Kein zu erfahren.

Keine Einigung im Gespräch

Ein Rechtsgespräch zwischen Richtern, Staatswaltschaft, Finanzbehörden und den sechs Verteidigern gestern Morgen brachte keine Einigung: Der

Verteidiger des Hauptangeklagten sieht eine Verurteilung mit Bewährung als Ziel, hingegen hält Staatsanwalt Michels sechs Jahre Haft für erforderlich. Ihm geht es um zwei Dinge: Erstens um die endgültige Schließung der Plattformen und zweitens um die Möglichkeiten einer Wiedergutmachung des Schadens. Das könne sein Mandant schlecht einschätzen, konterte Rechtsanwalt Kein: „Mein Mandant ist seit sechs Monaten in Haft. Er weiß nicht, was wo auf welchem Konto ist. Er kann es nicht sagen.“ Auch ob sein Nachtclub noch geöffnet sei oder heiß saniert, man wisse es nicht. „Das sieht man auf Facebook, der ist noch offen“, zeigte sich Staatsanwalt Michel informiert. „Glauben Sie Facebook?“, kam es dann von der Gegenseite zurück.

Erlöse auf Bitcoin-Konten nicht erreichbar für Behörden

Obwohl die Gelder auf einigen Konten in Deutschland beschlagnahmt wurden, sind große Teil der Einnahmen zum guten Leben verbraucht worden. Andere Teile wurden nach Kambodscha transferiert und dort investiert. In Kambodscha hat sich der Angeklagte offensichtlich als Investor betätigt. Weitere Erlöse aus der Geschäftstätigkeit liegen derzeit auf Bitcoin-Konten und sind so nicht erreichbar für die deutschen Behörden. D

Daraus resultierende Aufgabe für die Verteidiger: Bis zum nächsten Termin am 22. August soll geklärt werden, wie die Kontostände sind. Staatsanwalt Michels geht von einem erheblichen siebenstelligen Betrag aus: „Auch wenn ich die Anlageobjekte in Kambodscha mal außen vor lasse.“

Viele investierten häufiger

Die Kontostände bei den Anlegern sind nicht so günstig. Viele haben in der Anfangsphase immer wieder Gelder investiert: Die Summen reichen von 100 über 500 Euro bis hin zu 20 000 Euro. Viele der 367 Namen, die in der Anklageschrift verlesen wurden, tauchen häufiger auf, manche bis zu 20 Mal. Und irgendwann blieb dann die Rendite aus...

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