Interview

„Städtisches Urgestein“ Wolfgang Schomberg geht in Ruhestand

Wolfgang Schomberg, zuletzt knapp ein Jahr lang Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg, geht in den Ruhestand. Hier sitzt das „städtische Urgestein“ auf einer Bank vor dem „campus“-Gebäude.

Wolfgang Schomberg, zuletzt knapp ein Jahr lang Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg, geht in den Ruhestand. Hier sitzt das „städtische Urgestein“ auf einer Bank vor dem „campus“-Gebäude.

Foto: Torsten Koch / WP

Arnsberg.  Wolfgang Schomberg geht nach über vier Jahrzehnten im Dienst der Stadt Arnsberg in den Ruhestand.

Eine sehr lange Zeit: Nach über 42 Dienstjahren für die Stadt Arnsberg – zuletzt als Geschäftsführer der örtlichen Stadtwerke, geht Wolfgang Schomberg in den beruflichen Ruhestand. Am kommenden Freitag verabschiedet Bürgermeister Ralf Paul Bittner das „städtische Urgestein“ offiziell, in unserem Mittwochs-Interview „Im Gespräch“ blickt der angehende Pensionär bereits jetzt auf sein (Berufs)leben zurück und verrät ein paar Pläne für seinen Ruhestand.

42 Jahre bei einem Arbeitgeber sind eine sehr lange Zeit – erinnern Sie sich noch daran, wie alles begonnen hat?

Wolfgang Schomberg: „Bei einem Arbeitgeber“ stimmt nicht ganz, insgesamt aber 42 Jahre öffentlicher Dienst, davon über 40 Jahre bei der Stadt Arnsberg, eine sehr lange Zeit. Ich war damals noch sehr jung, 23 Jahre alt, und hatte gerade mein Studium als Bauingenieur abgeschlossen. Meine erste Maßnahme bei der Stadt Arnsberg war 1979 die Erschließung des Gewerbegebietes Bergheim, alles grüne Wiese und jungfräulich, gerade richtig für einen Berufsanfänger. Die Planungen für die Straßen und den Kanal waren durch ein Ingenieur-Büro bereits fertiggestellt, meine Aufgabe war es, die Ausschreibung und später die Bauüberwachung und Koordination der Versorger sowie die Abrechnung zu übernehmen. Die Kollegen haben mich damals wohlwollend aufgenommen und als jungen Ingenieur tatkräftig unterstützt. Da ich auf Bergheim aufgewachsen bin und dort auf der grünen Wiese oft gespielt habe, war mir das Areal bestens bekannt.

In vier Jahrzehnten hat sich technisch und organisatorisch viel verändert – welche Veränderungen haben Sie einschneidend erlebt?

Das kann man wohl sagen. Als ich anfing, wurde jeder Plan mit Tusche von Hand gezeichnet, für Ausschreibungen gab es gerade mal die ersten Textbausteine zur Erstellung eines Leistungsverzeichnisses. Aufmaße auf der Baustelle wurden mit Messlatte und Maßband durchgeführt. Schriftverkehr wurde handschriftlich zu Papier gebracht oder per Diktat an die Schreibkräfte gegeben. Jeder Arbeitsplatz ist heute mit einem PC ausgestattet, Pläne werden nur noch am Bildschirm erstellt, Änderungen und Korrekturen können jederzeit vorgenommen werden. Schriftverkehr läuft fast ausschließlich per E-Mail, Ausschreibungen werden digital versendet. Im Zeitalter der Digitalisierung sind wir weltweit vernetzt und mit den Handys fast immer erreichbar. Im Zuge der Verwaltungsreform, Mitte der 90er Jahre, wurde die alte Ämterstruktur abgeschafft, es wurden verschiedene Fachbereiche gebildet. Ich habe immer Wert darauf gelegt, egal welche organisatorischen Änderungen vorgenommen wurden, dass die Sparten Straße und Kanal räumlich in einem Gebäude untergebracht waren, damit die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander sicher gestellt war. Das ist mir bis heute auch gelungen und war rückblickend die richtige Strategie. Seit 2008 sind wir sogar gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Wasserversorgung im Niedereimerfeld bei den Stadtwerken untergebracht.

Was war Ihre größte berufliche Herausforderung?

Aus den zahlreichen Tiefbaumaßnahmen in der zurückliegenden Zeit, bis Ende 1994 als Sachbearbeiter und ab 1995 als Leitung des Tiefbaubereiches, ab 2004 als Leiter des Bereiches Straßen und Brückenbau bei den Stadtwerken möchte ich zwei Maßnahmen herausgreifen: Zum einem 1994/1995 den Bau des Altstadttunnels in Arnsberg und 1999/2000 den Bau der Ohlbrücke in Neheim. Der Tunnel war sowohl tiefbautechnisch als auch ingenieurmäßig hoch anspruchsvoll. Beim Altstadttunnel musste wegen des harten Gesteins im Schlossberg neben dem Einsatz einer Tunnelteilschnittmaschine zusätzlich gesprengt werden, um die Röhre zu erstellen. Das hat mehr Zeit gekostet, hielt sich aber in Grenzen. Aufgrund einer Brückenhauptprüfung musste im Jahr 1999 die Ohlbrücke gesperrt werden, für einen Laien war das Bauwerk augenscheinlich von außen betrachtet, völlig in Ordnung. Aber gemäß Gutachten war die Bruchsteingewölbebrücke im Innern mürbe und somit nicht mehr standsicher, der Mörtel hatte seine Festigkeit verloren. Nach einem intensiven Beratungsprozess in den zuständigen Gremien mit verschiedenen Vorschlägen zur Sanierung oder Neubau und detaillierten Kostengegenüberstellungen wurde Abriss mit anschließendem Ersatzneubau beschlossen. Die Brücke wurde im Oktober 2000 eingeweiht und für den Verkehr freigegeben.

Nicht zu vergessen, das zurückliegende Jahr, als ich im Oktober 2018 die Geschäftsführung der Stadtwerke Arnsberg übernommen habe, für mich ein komplett neuer Aufgabenbereich. Ich habe mich gerne mit hoher Motivation und Ehrgeiz nach bestem Wissen und Gewissen der neuen Aufgabe gestellt – es war für mich ein toller Berufsabschluss.

Ist Ihnen ein berufliches Erlebnis als besonders kurios in Erinnerung geblieben?

Jedes Mal, wenn ich durch die Stadt gehe, werde ich daran erinnert, und zwar an den Bau des Brunnens am Bexleyplatz. Dieser Wasserlauf mit Quelle und Auffangbecken entstand im Verlauf eines Bildhauersymposiums im Jahre 1990 – ebenso das Baumhaus am Engelbertplatz, welches aber bereits abgebaut werden musste, weil es brüchig und morsch geworden war. Der Künstler hieß Dieter Magnus und kam aus Mainz, ein außergewöhnlicher Mensch. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, ihm tiefbautechnisch zur Seite zu stehen, die Baustelle zu organisieren, damit seine Vorstellungen in die Tat umgesetzt werden konnten. Gearbeitet wurde bei beiden Projekten ohne Plan, nur nach Modell und auf Zuruf, jeden Tag was Neues über drei Wochen lang. Die Steine hatte er persönlich im Steinbruch, die Baumstämme im Wald ausgesucht und anschließend vor Ort mit einem Kran setzen lassen. Er war hingerissen von seinem Werk und mit Leib und Seele bei der Arbeit, das konnte ich dem Künstler anmerken. Nach Fertigstellung der Kunstwerke hat er mir persönlich ein Buch geschenkt mit seinen bisherigen Kunstwerken. Im Zuge der Umgestaltung der Hauptstraße im Jahre 2006 wurden durch den Künstler persönlich Veränderungen am Wasserlauf und Auffangbecken vorgenommen.

Sehen Sie die Stadtwerke für die Zukunft gut aufgestellt?

Ich bin zuversichtlich, dass die Stadtwerke Arnsberg unter neuer Führung mit den Geschäftsbereichen Wasserversorgung, Strom- und Gaslieferung auf lange Sicht gesehen gut aufgestellt sind und zukünftig wieder bessere Zahlen schreiben. Neben den Kerngeschäften betreiben die Stadtwerke die Geschäftsbereiche Entwässerung, Parkraum, Straßen/ Brücken und Beschaffung. Mit diesen Produktgruppen haben die Stadtwerke gute Chancen für die Zukunft.

Man sagt ja immer, Pensionäre hätten nie Zeit – wie planen Sie Ihren Ruhestand?

Nie Zeit will ich nicht sagen, kommt drauf an für was, ich bin gut vorbereitet. Meine Hobbys wie Schwimmen, Nordic-Walking und Angeln werden zukünftig einige Zeit in Anspruch nehmen. Meine Frau und ich verreisen gerne, gehen wandern und sind oft mit dem Rad unterwegs. Dann haben wir noch drei erwachsene Kinder und einen Enkel, der gerne bei Oma und Opa ist: Langeweile kommt sicherlich so schnell nicht auf.

Wenn Sie auf Ihr Berufsleben zurückblicken – würden Sie aus heutiger Sicht irgendwo Korrekturen vornehmen, wenn Sie könnten?

Schwere Frage, grundsätzlich habe ich beruflich viel erreicht, ich bin zufrieden. Früher, bei meinen eintönigen Ferienarbeiten in der Schulzeit, habe ich mir immer gedacht, du musst später einen Beruf haben, bei dem du nicht ständig auf die Uhr gucken musst, wann Feierabend ist – das habe ich geschafft. Während meiner langjährigen Tätigkeit in einer Kommune musste ich mich zusätzlich zur eigentlichen Ingenieurtätigkeit immer mehr mit Verwaltungsarbeit, Anfragen, Anträgen, Vorlagen, Ausschüssen und vielem mehr beschäftigen. Das hat die kommunale Tätigkeit mit sich gebracht – und diese auch immer interessant und spannend gemacht. Deshalb würde ich aus heutiger Sicht wenig ändern und diesen Beruf wieder ergreifen.

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