Ansprache am Grab

Statt eines Geistlichen spricht eine Trauerrednerin

Trauerrednerin Dagmar Röhrig

Foto: Martin Schwarz

Trauerrednerin Dagmar Röhrig Foto: Martin Schwarz

Hüsten.   Der Tod ist kein Tabu-Thema: Dagmar Röhrig aus Hüsten arbeitet als Trauerrednerin

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Der Tod macht viele Bürger sprachlos. Nachbarn oder Kollege wissen oft nicht, was sie Angehörigen eines Verstorbenen sagen sollen, wenn ein gemeinsamer Freund plötzlich gestorben ist. Die engen Familienangehörigen sind oft froh, einen Geistlichen für die Trauerfeier hinzuziehen zu können. Aber es gibt auch professionelle Trauerredner, zu denen im heimischen Raum die 48-jährige Hüstenerin Dagmar Röhrig gehört. Sie tut dies nebenberuflich zu ihrer Arbeit als Bankkauffrau.


Warum haben Sie sich entschieden, Trauerrednerin zu werden?
Dagmar Röhrig: Schon seit 15 Jahren habe ich im Familien- und Freundeskreis Trauerfeiern mitgestaltet. Für den ambulanten Hospizdienst „Sternenweg“ engagiere ich mich seit vier Jahren ehrenamtlich. Hier habe ich bereits einige Menschen bis zum Tod begleitet. Denn ich möchte Menschen in einer schwierigen Phase unterstützen und für sie da sein. Ich möchte den Angehörigen dabei helfen, eine Trauerfeier in ihrem Sinne und auch im Sinne des Verstorbenen zu gestalten. Die Trauerfeier soll dem Leben des Verstorbenen gerecht werden. Das Leben ist wie ein Mosaik aus vielen bunten Steinen. Deshalb schenke ich Angehörigen gern kleine Steine.


Für viele Menschen ist der Tod eher ein Tabu-Thema. Belastet Sie es nicht psychisch, sich intensiv mit Sterben, Tod und Trauer zu beschäftigen? Wie halten Sie das aus?
Es kommt auf die Einstellung an. Der Tod gehört auch zum Leben. Diese grundsätzliche Endlichkeit des Lebens sollte in jedem auch das Bewusstsein stärken: Ich lebe in täglich vergänglicher Echtzeit, nicht in Probezeit. Beim Umgang mit Sterben, Tod und Trauer hilft mir persönlich mein Glaube als Katholikin.


Aber es sind doch wohl eher Menschen, die der Kirche fernstehen, die eine Trauerrednerin engagieren und nicht einen Geistlichen um eine Gestaltung der Trauerfeier bitten
Ja, die Mehrheit der Angehörigen, die mich bisher mit einer Trauerrede beauftragt haben, hat ein eher distanziertes Verhältnis zur Amtskirche und in Einzelfällen auch zum „Bodenpersonal“. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass alle Angehörigen nicht an Gott glauben. Zwischen Kirche und Glaube ist schon zu unterscheiden.


Worauf kommt es bei einer Trauerrede an?
Die richtigen Worte über das Leben des Verstorbenen zu finden - das steht im Mittelpunkt meiner Arbeit, für die ich nach der Trauerfeier schon viel positive Resonanz bei den Angehörigen gefunden habe. Falls es gewünscht wird, biete ich nach der Beisetzung auch Trauerbegleitung an.

Zweites berufliches Standbein

Dagmar Röhrig hat eine Ausbildung zur zertifizierten Trauerrednerin absolviert. Zuvor hat die gelernte Bankkauffrau als systemischer Coach in der Personalentwicklung eines Geldinstituts gearbeitet. Diese Arbeit hat sie in ihrem Wunsch bestätigt, künftig noch mehr mit und für die Menschen zu arbeiten.

Die 48-Jährige arbeitet seit Mai 2017 als Trauerrednerin im Raum Arnsberg/Sundern und Umgebung. Als Trauerrednerin will sie sich ein zweites berufliches Standbein aufbauen. Bisher arbeitete Dagmar Röhrig bei drei bis vier Beerdigungen im Monat als Trauerrednerin. „Doch das ist noch ausbaufähig“, lächelt die Hüstenerin, die zumeist von einem Beerdigungsinstitut vermittelt wird.

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