Straßenbäume

Straßenbäume in Arnsberg und Sundern müssen oft leiden

Die Stadt Arnsberg musste den ganzen Sommer lang einen Mitarbeiter abstellen, der ausschließlich mit dem Wässern der Straßenbäume beschäftigt war. Auch Bürger haben zum Wassereimer gegriffen.

Die Stadt Arnsberg musste den ganzen Sommer lang einen Mitarbeiter abstellen, der ausschließlich mit dem Wässern der Straßenbäume beschäftigt war. Auch Bürger haben zum Wassereimer gegriffen.

Foto: Bernd Settnik / k_V

Arnsberg/Sundern.  Welche Schäden der zweite trockene Sommer in Folge in Arnsberg und Sundern an Straßenbäumen verursacht hat, wird erst im Frühjahr 2020 deutlich.

Auch wenn es derzeit immer mal wieder regnet: Der Zustand der Straßenbäume im Arnsberger Stadtgebiet ist besorgniserregend. Und in Sundern sieht es nicht viel besser aus (siehe Text unten).

Konkrete Folgen der Sommer-Trockenheit 2019 für Straßenbäume könne man jedoch erst im nächsten Frühjahr beurteilen, sind sich die Fachleute in beiden Städten einig.

Ob sich die Bäume erholen, bleibt abzuwarten

Schäden würden erst bei den Austrieben im nächsten Frühjahr sichtbar, erklärt Ralf Schmidt auf Nachfrage dieser Zeitung. Natürlich werde deutlich, dass sich die Blätter von Jungbäumen schon im Sommer verfärbt, ältere Bäume ihre Blätter eingerollt haben, so der Leiter des Fachdienstes „Grünflächen, Forst, Friedhöfe“ der Stadt Arnsberg weiter.

„Ob das aber nachhaltige Schäden sind – und ob sich die Bäume erholen, kann man jetzt noch nicht sagen“, meint Schmidt. Fakt ist aber:

Straßenbäume wachsen häufig unter schlechteren Standortbedingungen als Bäume in der freien Natur. Neben dem oft eingeschränkten Raum für Wurzelwachstum können Verdichtung des Bodens, Versiegelung, Schadstoffe oder Streusalz die Bäume schädigen. Trockenheit verschlechtert diese Standortbedingungen noch zusätzlich.

Jetzt bereits sichtbare Schäden stammen aus dem Trockensommer 2018

„Jetzt bereits sichtbare Schäden stammen aus dem Trockensommer 2018“, macht der Fachdienstleiter deutlich – und ergänzt: „Wenn man bedenkt, dass der Herbst/Winter 2017 sehr nass war und die Bäume im Frühjahr 2018 noch gut mit Wasser versorgt waren, der Herbst/Winter 2018 aber auch extrem trocken war und die Bäume somit das ganze Jahr mit der Trockenheit zu kämpfen hatten, ist zu befürchten, dass die Schäden dann doch umfangreicher sein werden. Vereinzelte, auch ältere Bäume sind bereits so stark geschädigt, dass sie in diesem Winter gefällt werden müssen, zum Beispiel auf der Ringstraße im Ortsteil Arnsberg. Dass die Bäume unter der Trockenheit leiden, werde auch an den Linden am Nordring in Arnsberg sichtbar, sagt Ralf Schmidt: „Hier hat sich massiv Totholz gebildet. Während wir dort bis 2018 nur alle zwei bis drei Jahre Totholz entfernt haben, mussten wir 2018 und 2019 (zuletzt in dieser Woche) im Zuge der Verkehrssicherung tätig werden.“

In welchem Umfang Bäume nun aber tatsächlich aufgrund der Trockenheit nachhaltig geschädigt sind, bleibe abzuwarten, betont Schmidt erneut. Auch, ob eine Baumart mehr betroffen ist als andere, könne man zurzeit nicht sagen. „Es ist eher standortabhängig – wie sind die Bedingungen am Ort“, so der Experte.

Ausnahme: Buchen – diese sind allgemein von der Trockenheit besonders betroffen. Ihre Flachwurzeln brauchen ein feuchtes Umfeld. Als Straßenbaum komme die Buche in Arnsberg und andernorts darum so gut wie nicht vor. „In Grünanlagen und im Wald sind die Trockenschäden an Buchen jedoch sichtbar“, berichtet Schmidt. Was tun?

„Wir beschränken uns mit dem Gießen auf die Jungbäume und versuchen, diese durchzubringen, was uns bisher auch gelungen ist. Hierfür haben wir aber praktisch den ganzen Sommer lang einen Mitarbeiter abgestellt, der ausschließlich mit dem Wässern der Bäume beschäftigt war“, weiß der Fachdienstleiter – und hat ausgerechnet: Zudem haben wir in 2018/19 rund 30.000 Euro für das Gießen in der Fremdvergabe – im Rahmen der Entwicklungspflege der neu gepflanzten Bäume – ausgegeben.“

Baumkrankheiten kommen hinzu

Man habe aber nicht nur mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen. „Auch Baumkrankheiten wie Eschentriebsterben oder Pilzbefall haben dazu geführt, dass einige Bäume gefällt werden mussten“, bilanziert Schmidt – und macht sich trotz aller Probleme für die „bedrohte Spezies“ stark: „Die veränderten Bedingungen für Straßenbäume dürfen nicht dazu führen, dass künftig die Pflanzung von neuen Straßenbäumen eingeschränkt wird oder sogar ganz ausbleibt!“ Im Gegenteil – für das Stadtklima brauche es viel mehr Bäume. „Wichtig hierbei ist, dass bei der Wahl der Baumarten auf die jeweilige Situation am Standort eingegangen wird“, so Schmidt.

Keine großen Ausfälle durch Vertrocknen in Sundern

„Die Folgen der Sommer-Trockenheit für Straßenbäume kann auch in Sundern erst im nächsten Frühjahr beurteilt werden – u. a. anhand der Austriebe“, sagt Herbert Dinter.

Wo es bereits jetzt Ausfälle gibt, liege das eher am Sommer 2018, in dem es ebenfalls sehr trocken gewesen ist, so der Abteilungsleiter Technische Dienste der Stadt Sundern. Nach heutigem Stand gebe es in Sundern bisher keine großen Ausfälle durch Vertrocknen, sondern eher durch unterschiedlichste Insekten, Pilz- und Bakterienerkrankungen.

Bewährt habe sich der Einsatz von „Wassersäcken“, vor allem bei Neuanpflanzungen und Bäumen. die nur kleine Baumscheiben zur Verfügung haben. Feuerwehr und hilfsbereite Bürger hätten durch Bewässern etlichen Bäumen das Überleben ermöglicht. „Auch die derzeitigen Niederschläge sind für unsere Bäume und die Natur Gold wert“, so Dinter: „Der Regen sickert inzwischen schön langsam in die Erde ein.“ Probleme machen Baumerkrankungen: Kastanien sind von Kastanienminiermotte und Bakterien befallen, Eschen vom Eschentriebsterben, Ulmen vom Ulmensplintkäfer, Ahorn von der Rußrindenkrankheit, Linden und Hainbuchen von Spinnmilben. Derzeit werde vor allem Totholz aus Baumkronen entfernt.

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