Kunstausstellung

SUG-Schüler geben Flutopfern ein Gesicht

Die am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler des SUG zusammen mit Unterstützern des Projekts.

Die am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler des SUG zusammen mit Unterstützern des Projekts.

Foto: Albrecht

Neheim.   Möhnekatastrophe vor 75 Jahren: Kunstprojekt widmet sich ertrunkenen Zwangsarbeiterinnen. Gymnasiasten zeigen gefühlvolle Bilder in Ausstellung

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Sie hießen zum Beispiel Nadja, Maria oder Katarina und teilten ein trauriges Schicksal: Als Zwangsarbeiterinnen mussten sie im Kriegsjahr 1943 in Baracken auf Neheimer Möhnewiesen leben und wurden Opfer einer Flutwelle, als britische Bomber die Möhnesperrmauer zerstörten. Im Gedenken an die 700 in Neheim ertrunkenen Zwangsarbeiterinnen startete die Neheimer Künstlerin Astrid Breuer mit Schülerinnen und Schülern des Neheimer St.-Ursula-Gymnasiums (SUG) das Kunstprojekt „Opfer der Möhnewiesen“. 17 Schüler arbeiteten 17 Schicksale eindrucksvoll auf. Die Ausstellung wurde jetzt im Neheimer Gebäude „Kunst-Werk“, Möhnestraße 59, eröffnet.

200 Gäste bei Vernissage

Bei der der Begrüßung der insgesamt 200 Gäste und Projektteilnehmer hob Künstlerin Astrid Breuer (Atelier für Objekt und Malerei) einen wichtigen Aspekt des Projektes hervor: „Die verstorbenen Frauen waren bislang ohne Präsenz im Stadtbild“, erklärte Breuer zur Eröffnung. Über die Patenschaften, die die beteiligten Schüler zu einzelnen Verstorbenen übernommen hätten, seien die besonderen Portraits der Frauen entstanden. Sie dankte den vielen Unterstützern des Projektes und hob das Engagement von Bürgerstiftung Arnsberg, Fotografie Christoph Meinschäfer sowie von Koko Design und den Filmemachern Dietmar Haupt und Karl-Heinz Wilmes hervor. Ihrem Vater Peter Breuer dankte sie persönlich für die Anfertigung eines Modells von den Baracken der Frauen, das ebenfalls auf großes Interesse in der Ausstellung stieß,

Projektarbeit erstreckt sich auf über zwei Jahre

Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren von der ersten Idee bis zur Eröffnung der Ausstellung hat die Arnsberger Künstlerin mit den 17 beteiligten Schülern des SUG zusammengearbeitet. Dabei näherten sich die Beteiligten den 17 Frauen auf eine individuelle Art und Weise: Aus der Beschäftigung mit dem Schicksal der Frauen ist eine Patenschaft für jede der Gestorbenen geworden. Anhand eines Originalbildes der Frauen vom Passbild ist ein jeweils individuelles Portrait der Opfer entstanden, das durch die Bearbeitung der Schülerinnen und Schüler eine jeweils eindrucksvolle Aussage bekommen hat. Dazu haben die jungen Künstler einen Brief an die Frau aus ihrem Patenprojekt geschrieben, in dem sie die von ihnen gewählte Art der Darstellung erklären. Beide Bilder hängen in der Ausstellung im Neheimer Kunstwerk nebeneinander und werden zum Teil noch durch eine Büste der Opfer ergänzt. Der persönliche Brief an die Frauen, zusammen mit den jeweils unterschiedlich verarbeiteten Portraitbildern der Opfer, zeigt die Facetten der Beschäftigung mit dem Thema auch inhaltlich.

In einer geschichtlichen Einordnung meinte Norbert Runde von der Bürgerstiftung Arnsberg: „Die Schüler haben mit ihrer Arbeit den Zwangsarbeiterinnen ihre Würde wiedergegeben.“ Bürgermeister Ralf Paul Bittner zeigte sich erfreut über das große Interesse am Kunstprojekt und der Eröffnung der Ausstellung. Es sei wichtig, Themen aus der Vergangenheit mit in die Zukunft zu nehmen. Das sei ohnehin ein Spezialität im Fach Geschichte am SUG, so Bittner weiter.

Besondere Verantwortung

Für die Künstlerin Astrid Breuer, die das Projekt über den Zeitraum von zwei Jahren begleitet hat, war die Arbeit an der Ausstellung auch eine Verpflichtung. Gerade das „Kunst-Werk“ in Neheim, in dessen Nähe die Baracken gestanden haben, ist dem Thema verpflichtet, so Breuer. Der 79-jährige Zeitzeuge Karl-Heinz Wilmes aus Möhnesee-Günne erinnert sich: „Ich habe nach dem Fliegeralarm noch die Bomber gesehen. Ebenso erinnert er an die Geräusche nach dem Treffer auf die Sperrmauer, und sehr oft habe er schon seine Mutter dazu zitiert, die in Plattdeutsch sprach. „Jetzt haben sie die Möhne getroffen!“

Die am vergangenen Sonntag eröffnete Ausstellung „Opfer der Möhnewiesen“ ist bis mindestens Mitte Juli montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr im Gebäude „Kunstwerk“ an der Neheimer Möhnestraße zu sehen (Interessenten sollten einfach an der Tür klingeln).

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