Junges Engagement

SUG-Schüler leisten wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur

Junges Engagement: Gedenken an Opfer der Möhnekatastrophe

Schüler geben mit großformatigen Portraitfotos einigen Zwangarbeiterinnen, die 1943 in der Flutwelle ertranken, nicht nur ein Gesicht, sondern schaffen durch ein selbst gefertigtes zweites Portrait der Zwangsarbeiterin einen Bezug zur Gegenwart.

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Neheim.   Jugendliche gestalteten neue Portraits von ertrunkenen Zwangsarbeiterinnen. Frauen, die in Massengräbern beigesetzt wurden, erhalten ein Gesicht

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Mit einer imposanten Verbindung zwischen aufgearbeiteter Heimatgeschichte und persönlicher Empathie für ein historisch grauenvolles Ereignis wartet das Projekt „Opfer der Möhnewiesen“ auf, an dem sich mehrere Monate 17 Schüler des Neheimer St.-Ursula-Gymnasiums in ihrer Freizeit beteiligt hatten.

Auseinandersetzung mit der Möhnekatastrophe

Die Auseinandersetzung mit der Möhnekatastrophe mündete in 17 persönliche Bilder, die als Zweitbild für 17 alte Portrait-Fotos von ertrunkenen Zwangsarbeiterinnen entstanden. Die Schüler gaben damit einem Teil der mehr als 700 Zwangsarbeiterinnen, die nach der Bombardierung der Möhnesperrmauer in der Flutwelle starben, ein Gesicht. Denn im Zweiten Weltkrieg waren im Mai 1943 die ertrunkenen Ukrainerinnen in Massengräbern beigesetzt worden.

Mit vielfältigen Gestaltungstechniken schufen 15 Schülerinnen und zwei Schüler 17 neue Werke, die nicht nur das persönliche Empfinden der Gymnasiasten im Rückblick auf die Möhnekatastrophe darstellen, sondern auch den Blick des Betrachters in die Gegenwart und Zukunft richten.

Ein harter Kern hat sich herausgebildet

Aus dem Kreis der 17 SUG-Schüler, die in der Projektzeit den Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 angehörten, hat sich mittlerweile ein harter Kern von Schülern herausgebildet, die sich besonders stark beim Projekt engagieren. Hierbei handelt es sich um die beiden Bergheimerinnen Lara Otto (heute: Stufe 12 am SUG) und Ida Eickel (Stufe 11), die beiden Neheimer Leon Carvalho und Lea Nöhmke sowie den Müscheder Simon Heller (alle drei Stufe 12).

Diese fünf Schüler bauten mit der Initiatorin und Betreuerin des Projekts, der Neheimer Künstlerin Astrid Breuer, im Mai 2018 die Premierenausstellung im Neheimer Gebäude Kunst-Werk auf. Zurzeit und noch bis Ende 2018 sind die paarweise ausgestellten Bilder (altes und neues Portrait nebeneinander) im Treppenhaus des Haupteingang-Gebäudes der Bezirksregierung Arnsberg zu sehen. Das Kunst-Projekt gewann bereits den 1. Preis des „NRW-Jugendkulturpreises 2018. Zur Preisübergabe in Neuss fuhr auch wieder der harte Kern, so dass nun für den WP-Preis „Junges Engagement“ das fünfköpfige SUG-Schülerteam nominiert ist.

Freie Wahl der Gestaltungstechnik

Die Wahl der künstlerischen Gestaltungstechnik für das neue Bild stand im Projekt jedem Jugendlichen frei. Bei Bedarf gab Astrid Breuer Tipps bei der gestalterischen Umsetzung. Ausstellungsbesucher staunenheute über die Vielfalt der gestalterischen Umsetzung. So schrieb Lea Nöhmke bei ihrer Portraitzeichnung zigmal in die Kleidung ihrer Portraitierten die Worte „Wir werden dich nie vergessen“.

Lara Otto schuf in ihrem neuen Zwangsarbeiterinnen-Portrait einen starken persönlichen Bezug. Im Vordergrund ist ihr Hinterkopf mit Matrosenanzug um die Schulter zu sehen, wobei sich dieses Mädchen Filmstreifen ansieht, die die damals ertrunkene junge Ukrainerin nach 1943 nicht mehr erleben konnte. Leon Carvalho verarbeitete Stacheldraht und eine grelle Lagerleuchte für sein Portrait. Lara Otto staunt, welch weite Kreise das Projekt mittlerweile gezogen hat. Im Mai 2019 soll die Ausstellung im Landtag in Düsseldorf zu sehen sein.

Lehrer würdigt Engagement der Schüler

SUG-Geschichtslehrer Fabian Timpe hat mit den Schülern, die sich am Projekt „Opfer der Möhnewiesen“ beteiligten, die historischen Zusammenhänge der Möhnekatastrophe aufgearbeitet: NS-Zeit, Zweiter Weltkrieg, Verschleppung von Frauen aus besetzten Ostgebieten und Einsatz als Zwangsarbeiterinnen in Deutschland. Dies geschah in insgesamt 20-stündigen Blockseminaren - zusätzlich zum normalen Unterricht. „Die meisten Frauen die im Neheimer Lager ertranken, stammten aus einer Region in der Ukraine. Viele kannten sich“, berichtet Timpe, der die Aktion der Schüler (Verbindung von Historie und Kunst) als besondere Erinnerungskultur würdigt. „Der Einsatz der Schüler ist für den WP-Wettbewerb ,Junges Engagement’ absolut preiswürdig“, sagt Timpe.

Im Februar 2018 hatte die WP die SUG-Schüler bei ihrer Arbeit im Atelier von Astrid Breuer besucht, siehe:

https://www.wp.de/staedte/arnsberg/wir-werden-dich-nie-vergessen-id213337351.html

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