Schneeball-System

Betrug mit Sportwetten – Sunderner erbeuten Millionen

Die Betrüger versprachen den Anlegern hohe Gewinne aus computer-platzierten Sportwetten. Ein "toller Algorithmus" könne dafür sorgen.

Die Betrüger versprachen den Anlegern hohe Gewinne aus computer-platzierten Sportwetten. Ein "toller Algorithmus" könne dafür sorgen.

Foto: dpa

Sundern/Phnom Penh.   Ein "toller Algorithmus" solle für Gewinne bei Sportwetten sorgen, versprach eine Betrüger-Gruppe aus Sundern. Sie erbeuteten 1,2 Millionen Euro.

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„Dauerhaft geschlossen“ erfährt man, wenn man gestern im Netz die Sunderner Firma eVision Team Networking GmbH googelt. Ihr vermeintlicher Geschäftsführer ist jetzt nach 19-monatiger Flucht aus Kambodscha ausgewiesen worden. Seit Freitag sitzt der Mann, der aus Niedersachsen stammt, in U-Haft, die ein Frankfurter Haftrichter angeordnet hat. In etwa zwei Monaten möchte die Arnsberger Staatsanwaltschaft dann Anklage erheben.

Schneeball-System aufgebaut

Darin werden dann erstaunliche Dinge stehen: Der 51-Jährige, den Staatsanwalt Thomas Poggel für den faktischen Geschäftsführer der Firma hält, und ein jetzt 61-jähriger Mann aus Sundern, der schon Anfang Juli 2016 verhaftet wurde und inzwischen wieder auf freiem Fuß ist, sollen mit einigen Komplizen eine Art Schneeballsystem aufgezogen haben. Von inzwischen 357 Personen wurden rund 1,2 Millionen Euro erbeutet, davon wurde etwa die Hälfte des Geldes auf Konten im Ausland transferiert.

Als das Konstrukt im Sommer 2016 aufflog, wurde zwar der Geschäftsführer der Firma in Sundern verhaftet, dort wurden auch Firmenräume und ein Privathaus durchsucht. Der vermeintliche Drahtzieher der Betrügereien setzte sich aber ins Ausland ab. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg erwirkte daraufhin einen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Später wurde der Niedersachse in Kambodscha aufgespürt, wohin er sich nicht ohne Grund abgesetzt hatte. Dort lebte er nicht unauffällig, wie der Staatsanwalt nach ersten Fotos aus Fernost beurteilt.

Sportwetten als Anreiz

Das Geschäftsmodell der beiden Männer, auf Internet-Seiten und auf Youtube-Kanälen beworben, es setzte aber wohl vor allem auf Gier und Dummheit der jetzt Geschädigten: Anlegern versprach man, dass die Sportwetten der Firma so platziert würden, dass es nach 14 Wochen eine Rendite von 48 Prozent gab: „Die Auszahlung erfolgte bisher wohl ausschließlich aus den eingezahlten Geldern von neuen Anlegern“, berichteten die Ermittler der Kriminalhauptstelle in Dortmund Anfang Juli 2016.

Inwiefern die Firmenadresse in einem Ortsteil von Sundern damit in Verbindung steht, muss noch geklärt werden: „Letztlich wurde alles online abgewickelt und über verschiedene Konten, mehr war nicht nötig“, erklärt Staatsanwalt Poggel. Und das könne man von überall tätigen. Sportwetten selbst wurden offenbar nicht gesetzt. Den Anlegern wurde aber vorgegaukelt, dass ein „toller Algorithmus“ des Computers diese Wetten so platziere, dass man immer mehr ausgezahlt bekomme als man eingezahlt habe. Ein Versprechen, das zog. Die Ermittlungen sind weitestgehend abgeschlossen. Das noch vorhandene Firmenvermögen wurde 2016 schon gepfändet, heißt es in einer Pressemitteilung aus Juli 2016.

  • Etwaige geschädigte Anleger werden gebeten sich zu melden
  • bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg, Eichholzstraße 10, 59821 Arnsberg
  • unter Angabe des Aktenzeichens 212 Js 45/16
  • Kontakt auch über die Polizei Dortmund unter der hierfür geschaffenen Kontaktadresse KK23eVision.Dortmund@polizei.nrw.de.
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