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Tragödie beginnt im Neheimer Camp Loquet

PistolePistole  

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Die Todesschüsse in der Jägerkaserne sorgten in Arnsberg damals für Betroffenheit und Verunsicherung. Einmal mehr gab es einen Zwischenfall in der Kaserne. Auch dieser endete tragisch.

Die Todesschüsse in der Jägerkaserne sorgten in Arnsberg damals für Betroffenheit und Verunsicherung. Einmal mehr gab es einen Zwischenfall in der Kaserne. Auch dieser endete tragisch.

Nur noch fünf Tage, dann hätte der belgische Soldat Luc L. die ­Koffer gepackt und wäre in seine Heimatstadt Brüssel zurückgekehrt. Mit Ablauf des Monats wäre seine Wehrpflicht beendet gewesen. Der 19-Jährige sollte seinen Geburtsort allerdings nie wieder sehen, denn es kam zu einer tödlichen Begegnung mit einem angetrunkenen Militärgendarmen. Ein weiterer Soldat wurde dabei schwerstverletzt. Um sein Leben kämpfte das Team im Arnsberger Krankenhaus.

In der Kaserne war das Verbrechen noch lange ein Thema. Freddy Thubaut kam erst ein Jahr später als Soldat nach Arnsberg, hörte aber sofort von dem Ereignis. „Ja, darüber wurde viel gesprochen“, ­erinnert er sich. Er gehört zu den vielen Belgiern, die nach Abzug der Truppen in Arnsberg geblieben sind.

Das Geschehen am Abend: Der Gendarm Louis D. kam am 25. Oktober 1981 gegen 17.15 Uhr zur Militär-Gendarmerie im Camp Loquet in Neheim. Dort, wo nach dem Abzug der Belgier lange Ruinen standen und nun Baugrund ist, erkundigte er sich nach zwei Soldaten, gegen die wegen Fahrerflucht ermittelt wurde. Der 29-jährige Gendarm, offiziell noch gar nicht im Dienst, war zu diesem Zeitpunkt deutlich angetrunken.

Er setzte sich in sein Auto und fuhr Richtung Arnsberg – in Zivilkleidung und ohne Auftrag eines seiner Vorgesetzten.

Die Dienstwaffe, eine großkalibrige Pistole Marke „Great Power“, unter den Soldaten kurz „GP“ genannt, trug der Gendarm bei sich. Louis D. fuhr in Arnsberg direkt auf das Gelände der Jägerkaserne am Dickenbruch. Hier marschierte er schnurstracks in die Unteroffiziers-Kantine, wo er prompt auf den Soldaten Luc L. (19) und dessen Kameraden Jean-Marie V. (20) traf.

Der Gendarm forderte die beiden Soldaten auf, „mit nach draußen zu kommen“, um sie zu der angeblichen Fahrerflucht zu vernehmen. Dabei gingen Luc L. und Jean-Marie V. auf Befehl von Louis D. vor dem Gendarmen her. Während des Gesprächs drehten sich die beiden Wehrpflichtigen um. Warum, wurde bis heute nie abschließend geklärt.

Da zog Louis D. plötzlich seine Pistole, feuerte einen Warnschuss in die Luft und zielte aus nur 1,50 Metern Entfernung auf die beiden Soldaten. Sekunden später fielen drei Schüsse, ein Neun-Millimeter-Geschoss zerfetzte die Bauchschlagader von Luc L. Er war auf der Stelle tot. Sein Freund versuchte zu fliehen, ihn traf eine Kugel in den Schulterbereich, die am Unterkiefer wieder austrat und dabei Kehlkopf und Speiseröhre streifte.

Jean-Marie V. wurde, lebensgefährlich verletzt, mit einem belgischen Sanitätswagen ins Marienhospital eingeliefert.

An der Jägerkaserne hatten Tatzeugen kurz nach dem dramatischen Geschehen den Gendarm überreden können, die großkalibrige Waffe abzugeben. Er habe sich von den beiden jungen Soldaten bedroht gefühlt, gab er bei einer ersten Vernehmung zu Protokoll.

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