Einkaufen in Neheim

Trifft das auf Neheim zu? „Eine Stadt muss sexy sein“

Eine gute Tasse Cappuccino gehört zum Einkaufserlebnis dazu: In Neheim haben sich bereits einige Cafés und Gastronomen in der Fußgängerzone ausgebreitet.

Eine gute Tasse Cappuccino gehört zum Einkaufserlebnis dazu: In Neheim haben sich bereits einige Cafés und Gastronomen in der Fußgängerzone ausgebreitet.

Foto: Hasselhorst

Neheim.   Für eine florierende Innenstadt mit starkem Einzelhandel ist eine gut aufgestellte Gastronomie unverzichtbar. Kneipenszene für junge Leute fehlt.

Der Arnsberger Dietmar Wosberg spart nicht mit Lob: „Der Einzelhandel hat sich in Neheim gut entwickelt.“ Doch der Handel, sagt der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Westfalen (DeHoGa), sei aber nur ein Baustein für einen attraktiven Standort. Denn ein florierender Einzelhandel basiere auf der guten Arbeit der örtlichen Werbegemeinschaften, der Verkehrs- und Tourismusvereine sowie der Innenstadt-Gastronomie. „Das ist wie beim Bauen mit Lego: Fehlt ein Stein, dann geht es allerorts nicht mehr weiter.“ In anderen Worten: Erfolg muss man gemeinsam erwirtschaften.

Die Neheimer Innenstadt sieht Wosberg „super aufgebaut, da ist in der Gastronomie sicher noch viel möglich.“ Die sich natürlich nicht nur auf die gut mit Geschäften ausgelastete Hauptstraße reduzieren lassen dürfe. Auch hier müsse man die Situation als Ganzes betrachten: Hauptstraße und unmittelbare Umgebung.

Neheim auf gutem Weg

Dietmar Wosberg aber sieht Neheim da auf gutem Weg. „Der Handel ist sehr gut aufgestellt, die Hotellerie hat stark angezogen, nur die normale Gastronomie ist noch etwas auf der Strecke geblieben.“ Aber da werde man sicher auch im Zentrum der Leuchtenstadt gastronomisch noch einiges bewirken.

Doch grundsätzlich müsse man die Neheimer Innenstadt-Gastronomie im Zusammenhang mit der Gastronomie der großen Stadtteile Arnsberg, Neheim und Hüsten sowie der der umliegenden Ortsteile von Voßwinkel bis Oeventrop betrachten. „Man muss nicht in jedem Stadtteil alles an gastronomischen Angeboten vorhalten, weil man sich ergänzen kann. Und das zieht letztlich auch weiteres Publikum in die Neheimer Gastronomie.“

Allerdings erkennt Wosberg in einer Sache durchaus Nachholbedarf in Neheim: Seiner Auffassung nach fehle dort in der Innenstadt rund um die Einkaufsmeile eine Kneipenszene für junge Leute. Das R-Café sei zwar ein Magnet, doch relativ weit außerhalb. „Da muss noch was kommen. Denn für die jungen Leute muss eine Stadt sexy sein. Und die wollen wir schließlich zurückgewinnen.“

Guter Imbiss-Mix in Hauptstraße

Gastronomie, das bedeutet für die DeHoGa jedoch nicht nur Restaurants und Kneipen. Dazu zählen auch die Metzgereien und Bäckereien, die sich verstärkt gastronomisch orientieren würden. „Mit kleinen Speisen und Angeboten für den täglichen Bedarf.“

Und auch der ganz normale Imbiss mit Currywurst und Pommes gehöre dazu. Kurzum: „Es muss möglichst eine Mischung von allem sein, damit man alle Interessen zufriedenstellen kann.“ Und das sei in der Neheimer Hauptstraße wirklich gut gelöst.

Ein großes Potenzial liegt brach

Allerdings bleibe leider auch in Neheim ein großes Potenzial unbeachtet, das man auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Innenstadt-Gastronomie in Verbindung bringe: die finanzstarke Gruppe der Wohnmobilisten.

Mit einem attraktiven Wohnmobilstellplatz in Zentrumsnähe könne man viele Kunden für die Gastronomie akquirieren. „Denn auch diese Ü50er gehen abends gerne aus.“ Und für die biete sich ein Bummel über Neheims Einkaufsstraße mit anschließendem Restaurant- oder Kneipenbesuch förmlich an. „Deshalb sollte man hier nach Lösungen suchen. Davon profitieren alle.“

Grundsätzlich wichtig sei: „Wir müssen es in heutigen Zeiten schaffen, alle Stadtteile lebendig zu erhalten. Was nur im Miteinander geht.“ Und zu diesem Lebendighalten gehöre eben die Kneipe. „Weil auch das Kultur ist.“ Schließlich, sagt Gastro-Experte Dietmar Wosberg, seien gerade die Kneipen in früheren Jahren ein großes Wohnzimmer für die Menschen gewesen. „Heute, mit veränderten gesellschaftlichen Ansprüchen, sind es nur noch Orte der Kommunikation und für das Ausgehen. Entsprechend muss man sich aufstellen.“

Aus gewichtigen Grund: „Denn der Stadtgänger will alle genannten Bausteine - Einzelhandel, touristische Highlights und gerade auch die Gastronomie - nutzen, sonst bleibt er weg.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben