Musikszene

Trio begeistert mit klassischer Kammermusik

Hingebungsvoll interpretierte das klassische Trio mit

Hingebungsvoll interpretierte das klassische Trio mit

Foto: Werner Hümmeke

Melschede.   Junge Künstler gastieren gern im Salon von Schloss Melschede, gereifte Interpreten kommen ebenso gern wieder.

Sie betreten gern erneut das Konzertpodium im großen Salon von Schloss Melschede: Junge erfolgreiche Musiker, die schon etliche Stufen auf der Karriereleiter erklommen haben und sich an den begeisterten Empfang erinnern, den ihnen das offensichtlich mit prophetischen Gaben versehene sauerländische Publikum schon einmal bereitet hat. So war es bei der Saisoneröffnung mit ARD-Preisträger Jeung Beum Sohn und auch beim Kammerkonzert am vergangenen Sonntag.

Von seiner Japanreise zurückgekehrt, freute sich Arnulf von Arnim mit dem Publikum auf ein Wiedersehen mit dem Geschwister Duo Marie-Claudine (Violine) und Dimitri Papadopoulos (Klavier), diesmal mit Alexandre Vay (Violoncello). Gespielt werden Klaviertrios von Haydn, Mendelssohn-Bartholdy und Tschaikowsky. In der Klassik gehörten Violine, Cello und Klavier zu einer der beliebtesten Besetzung der Hausmusik. Haydn komponierte über 40 derartiger Trios, bis diese sich in seiner „Londoner“ Werkgruppe zu anspruchsvoller Konzertmusik mauserten.

Neblige Anfahrt

Nach einer sauerländischen Nebelanfahrt genießen die Zuhörer im anheimelnden, wiederum voll besetzten Melscheder Salon mit dem Trio Nr.39 einen freundlichen Haydn (1795), bis ihnen das Finale „Rondo a l´Ongarese“ – „Rondo auf ungarische Art“ in die Beine fährt: Trommelbässe, Bordune, angerissene Saiten und Taktwechsel erzeugen eine Wildheit, die das „Zigeunertrio“ berühmt machte.

Der Gewandhauskapellmeister Mendelssohn-Bartholdy hob 1840 als vorzüglicher Pianist sein Klaviertrio Nr.1 mit aus der Taufe. Robert

Schumann, der den Komponisten des „Sommernachtstraums“ bereits als „Mozart des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet hatte, schwärmte von einem „Meistertrio der Gegenwart, dessen Schönheit nach Jahren noch Enkel und Urenkel erfreuen wird.“ Zur Begeisterung des Melscheder Publikums trägt maßgeblich auch die mitreißende Interpretation der drei Künstler bei. Der erste Satz ist ein stürmisches „Molto allegro agitato“, wobei die weitgespannten Melodiebögen von Violine und Cello in sprudelnde Arpeggien des Klaviers gehüllt sind. Dimitri spielt den einen eigenständigen Klangfaktor darstellenden Klaviersatz mit großer Brillanz. Diszipliniert nimmt er sich zurück, um auch dem süßen Schmelz der Violine seiner Schwester Marie-Claudine und den warm-timbrierten Celloklängen Alexandres Raum zu geben. Kann es nach dem herrlichen Mendelssohn noch eine Steigerung geben? – Peter Tschaikowsky nahm den plötzlichen Tod seines Mentors und Freundes, des Pianisten und Gründer des Moskauer Konservatoriums Nikolay Rubinstein zum Anlass, um ihm mit dem Klaviertrio a-Moll op. 50 ein Denkmal zu setzen (1881).

Andenken an Nikolay Rubinstein

Das grandiose Werk „Dem Andenken eines großen Künstlers“ kommt einem instrumentalen Requiem gleich. In seiner ebenso monumentalen wie beseelten sinfonischen Dimension sprengt es den Rahmen einer Kammermusik bei einer Dauer länger als etwa Beethovens Eroica. In einem vielgestaltigen Variationssatz werden der Überlieferung nach Episoden aus dem Leben Rubinsteins geschildert. Mit einer großen Intensität tauchen die Künstler das Publikum in ein Wechselbad der Gefühle. Nach einer Umformung des Eingangsthemas zu einem Trauermarsch steht zuletzt nur noch ein einsamer tiefer Klavierton im Raum. – Ergriffene Stille, Beifall, Melschede hat eine Sternstunde der Musik erlebt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben