Klima

Tropennacht in Arnsberg im August

Die Sommer werden immer heißer, der Niederschlaag nimmt ab. Opfer sind die Wälder, die unter Trockenheit anfällig für Sturm und Borkenkäfer werden.

Die Sommer werden immer heißer, der Niederschlaag nimmt ab. Opfer sind die Wälder, die unter Trockenheit anfällig für Sturm und Borkenkäfer werden.

Foto: Dieter Fiebag / WP Sundern

Arnsberg/Sundern.  Die Dürresommer 2018 und 2019 ließen auch für diesen Jahr nicht Gutes ahnen. Mehr zum Wetter in diesem Sommer vom Experten Dieter Fiebag.

Die Dürresommer 2018 und 2019 ließen auch für diesen Jahr nicht Gutes ahnen, denn schon das Frühjahr war ja sehr trocken. Doch das Wetter kam mal wieder anders als gedacht. Ein Blick zurück auf den ungewöhnlichen Corona-Sommer.

Kaum war die große Sommerhitze aus Häusern und Wohnungen gewichen, wurde es Anfang September so kühl, dass erstmals wieder die Heizungen angeworfen werden mussten. Im August noch tropische Spitzenwerte von 35°C, im ersten Septemberdrittel morgens gerade mal 4°C, in Muldenlagen sogar mit Bodenfrost. Die gute Seite: Das sorgte wenigstens für ein besseres Schlafklima. Und als Zugabe: Vor dem kalendarischen Herbstbeginn am heutigen 22. September meldete sich der Sommer zurück.

Zeichen standen auf Dürre

Nach den vergangenen zwei Dürresommern sowie dem zu niederschlagsarmem Frühjahr standen die Zeichen erneut auf einen zu trockenen Sommer mit noch krasseren Auswirkungen auf die Natur. Doch der Juni als erster Sommermonat zeigte sich mit einem Wechsel von freundlichen und regnerischen Tagen eher von seiner oft launischen Seite. Nach Durchzug von Regenschauern war die Luft zeitweise so klar, dass bei hoch stehender Mittagssonne extrem hohe UV-Indexwerte von bis zu 9.2 erreicht wurden (27. des Monats). Mit durchschnittlich 17.3 C war der Juni schließlich um 2.5 Kelvin (gleich Grad) zu warm. Mit 95 Liter gegenüber normalerweise 103 Liter Niederschlag pro Quadratmeter hat es zwar wieder einmal flächendeckend geregnet. Aber wenig davon kam der Vegetation zu Gute, mehr davon floss oberflächig ab oder verdunstete.

Regensoll nicht aufgeholt

Der Juli startete regnerisch, vom zweiten Monatsdrittel an war es meist freundlich und trocken. Lediglich in der Nacht zum 26. Juli regnete es immerhin 20 Liter pro Quadratmeter in nur vier Stunden. Mit 74 Liter pro Quadratmeter bescherte der zweite Sommermonat knapp dreiviertel des Regensolls für Juli, bei dem Defizit der Vormonate aber immer noch zu wenig. Nach Durchzug einer Gewitterfront und dem nächtlichen Aufklaren konnten am 6. Juli die mystisch wirkenden silbrig-blauen Leuchtenden Nachtwolken beobachtet werden. Dabei handelte es sich um Ansammlungen von Eiskristallen in etwa 80 bis 85 Kilometer Höhe. Die Leuchtenden Nachtwolken wurden sichtbar, als die Sonne 6 bis 16 Grad nach Sonnenuntergang unter dem Horizont stand und der Himmel bereits dunkel wurde. Die in der großen Höhe durch Wasserdampfkonzentration an Staubpartikeln kristallisierenden Eiskristalle wurden dann von der schräg unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt und als Leuchtende Nachtwolken wahrnehmbar.

Meist westliche Winde sorgten für einen eher ausgeglichenen Temperaturverlauf. Erst am Monatsende setzte der Juli mit maximal 32.5 C zum ersten sommerlichen Höhepunkt an. Mit durchschnittlich 17.0 C war der Juli gerade mal 0.8 K wärmer als sonst.

Dauerhitze im August

Dagegen trieb der August die bisherige Sommerbilanz kräftig nach oben und setzte neue Rekordmarken.

Vom 6. des Monats an herrschte mit Werten bis zu 35.1 C (8. des Monats) Dauerhitze, die viele Aktivitäten lahm legte. Erst im letzten Monatsdrittel wurde es kühler und damit erträglicher. An der Wetterstation in der Lasmecke wurden 17 Sommertage mit mindestens 25 C, davon acht Heiße Tage mit mindestens 30 C registriert. Vom 21. zum 22. August gab es sogar eine Tropennacht mit einem Tiefstwert von 23.2 C – ein neuer Rekord! Einen so hohen Tiefstwert hat es seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen in Arnsberg im Jahre 1867 noch nicht gegeben. Die ungewöhnlich lange Hitzewelle sorgte für einen weiteren Rekord in der über 150-jährigen Klimareihe. Mit 19.8 C war der letzte Sommermonat um 4.1 K zu warm. Lediglich der August 2003 reicht mit 19.7 C knapp an den neuen Spitzenwert heran.

Während mittlere und südliche Regionen Deutschlands teils von Starkregen und Hochwasser betroffen waren, blieb es im Sauerland meist zu trocken. An der Arnsberger Wetterstation fielen im August gerade mal 44 Liter Regen und damit nur 53 Prozent des Monatssolls von 83 Litern pro Quadratmeter. Insgesamt war der Sommer 2020, also die Monate Juni, Juli und August, mit durchschnittlich 18.0°C um 2.5 K deutlich zu warm. Hochs und Tiefs im Wechsel waren anfangs kennzeichnend für einen typisch Sauerländer Sommer. Erst der August nahm uns tagelang in den Schwitzkasten und erzeugte tropische Gefühle. Mit nur 214 Liter Niederschlag erhöhte sich das seit über zwei Jahren bestehende große Regendefizit um weitere 74 Liter pro Quadratmeter.

Klimawandel wird deutlich

Der Klimawandel wird auch im Sauerland immer deutlicher sichtbar. Die Wälder haben durch die zunehmende Trockenheit und Hitzeperioden, aber auch durch Stürme sowie Borkenkäfer- und Pilzbefall stark gelitten. Große Schwärme von Borkenkäfern sind durch die Winddrift teils kilometerweit in bisher weniger belastete oder auch gesunde Waldbestände gelangt und haben dort große Schäden angerichtet. Besonders die Fichtenbestände des Arnsberger Waldes mit den Ortsrandlagen, aber auch die vielen Nadelwälder des Hochsauerlandes bis in Höhen von rund 700 Metern zählen neben den Beständen in Ostwestfalen-Lippe inzwischen zu den Hauptschadensgebieten in ganz Westfalen. Der für einen Klimaausgleich so wichtige Wald bekommt immer größere Lücken.

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