Fußball-WM

TÜV warnt: „Autofähnchen sind eine Einladung für Langfinger“

Aufgepasst: Das obligatorische WM-Fähnchen am Auto birgt ungeahnte  Risiken.

Foto: TÜV Nord

Aufgepasst: Das obligatorische WM-Fähnchen am Auto birgt ungeahnte Risiken. Foto: TÜV Nord

Arnsberg/Sundern.   Das WM-Fieber steckt auch Verkehrsteilnehmer an: Hubertus Kümmeke vom TÜV Nord in Bruchhausen gibt Sicherheits-Tipps.

„Jetzt geht's los!“ Mit dem Spiel des Gastgebers gegen Saudi-Arabien (Anstoß am Donnerstag um 17 Uhr) startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Natürlich wird auch daheim kräftig mit gefiebert, zeigen Nationalflaggen und Autoschmuck aller Art, für welche Elf das Fußballherz schlägt. Läuft es rund, werden Siege ausgiebig mit Autokorsos gefeiert.

Doch wer zu ausgelassen jubelt, kommt schnell ins Schleudern. Wie sich im „WM-Straßenverkehr“ Unfälle vermeiden lassen, erklärt Hubertus Kümmeke, Leiter der TÜV-Nord-Station in Bruchhausen.

Viele Fans schmücken ihre Fahrzeuge jetzt mit Fußball-Fanartikeln und Fähnchen – ein Problem?

Hubertus Kümmeke: Solange die Sicht des Fahrers nicht eingeschränkt wird und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden, nicht. Bei Stoff-Überziehern für die

Seitenspiegel im Nationalflaggendesign ist zu beachten, dass diese eventuell vorhandene Blinkleuchten nicht verdecken. Bei Autofähnchen sollten Fahrer wissen, dass diese meist keine hochwertige Qualität haben und schnell abknicken können. Autofahrer haften, wenn durch Abbrechen oder falsche Befestigung andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen. In die Seitenscheibe geklemmte Fahnen sind eine Einladung für Langfinger. Autoversicherer können in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens verweigern.

WM-Fieber ist ansteckend, Kinder eifern ihren Vorbildern nach, kicken auf der Straße – ein Problem?

Gerade während der WM-Zeit muss man von morgens bis abends damit rechnen, dass Kinder plötzlich die Fahrbahn betreten. Kleine Kicker lassen im Spieleifer schnell die nötige Vorsicht vermissen und werden häufig von Autofahrern zu spät wahrgenommen. Ich rate daher in der Nähe von Parks, Spielplätzen, Schulen und in Wohngebieten zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Jubel und Autokorsos mit der „Dashcam“ filmen – ein Problem?

In Russland, WM-Gastgeber, sind diese kleinen Kameras für das Armaturenbrett oder die Windschutzscheibe weit verbreitet. Auch in Deutschland erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit. Ihre Verwendung ist dabei ausschließlich für private Zwecke gestattet. Nicht erlaubt ist es, Personen und Autokennzeichen zu filmen und etwa im Internet ohne Zustimmung der Gefilmten zu veröffentlichen. Damit verstößt man gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Zur Fußball-WM sind abgedunkelte Brillengläser in Nationalflaggen-Design ein beliebtes Accessoire. Ist das Tragen ein Problem?

Welche Sonnenbrille man auch beim Fahren tragen darf, hängt von der Lichtdurchlässigkeit der Gläser ab. Diese muss bei acht bis 18 Prozent liegen, was der Tönungskategorie 3 entspricht. Weist die Sonnenbrille also eine Tönung von mehr als 92 Prozent auf, ist das Fahren damit verboten – und es droht ein Bußgeld von zehn Euro. Wer aufgrund seiner Sehschwäche verpflichtet ist, beim Autofahren eine Brille zu tragen, sollte dies auch bei der Wahl der Sonnenbrille beachten. Ist die Pflicht zum Brille tragen im Führerschein vermerkt, sind nur Sonnenbrillen erlaubt, die eine entsprechende Sehstärke aufweisen.

Beim Autokorso nach dem Spiel darf Musik nicht fehlen. Wann wird die Lautstärke zum Problem?

Es geht in erster Linie darum, dass Gefahren durch Ablenkung und eingeschränktes Hörvermögen vermieden werden. Eine konkrete Dezibelgrenze für die Musiklautstärke im Auto ist in der Straßenverkehrsordnung zwar nicht festgelegt, trotzdem droht eine Geldstrafe von zehn Euro, wenn nach Ermessen der Polizei die Musik zu laut aufgedreht ist, um noch genug vom Geschehen in der Umgebung mitzubekommen. Wer aufgrund von lauter Musik das Martinshorn von Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräften überhört, muss sich sogar auf höhere Buß­gelder einstellen.

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