Waffenteile gestohlen

Umarex-Chef: „Bei uns schärfere Kontrollen als an Flughäfen“

Waffen wie diese Walther P22 aus dem Hause Umarex waren bei Durchsuchungen sichergestellt worden. Offenbar waren Einzelteile entwendet und außerhalb der Firma montiert worden.

Waffen wie diese Walther P22 aus dem Hause Umarex waren bei Durchsuchungen sichergestellt worden. Offenbar waren Einzelteile entwendet und außerhalb der Firma montiert worden.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Arnsberg.  Jahrelang klaut ein Mitarbeiter heimlich Waffenteile aus der Arnsberger Firma Umarex. Jetzt spricht der Geschäftsführer über die Sicherheit dort.

Vor dem Landgericht Arnsberg beginnt am Donnerstag der Prozess nach dem Entwenden von Waffenteilen aus dem Unternehmen Umarex. Ein 47-jähriger Angeklagter aus Arnsberg soll ab Juli 2015 von seinem damaligen Arbeitgeber, dem Waffenhersteller Umarex, Konstruktionszeichnungen und Teile für drei unterschiedliche halbautomatische Pistolen entwendet haben, um diese zu funktionsfähigen Pistolen zusammenzusetzen. Ab Oktober 2016 soll er zudem 70 Handfeuerwaffen an einen weiteren 27-jährigen Angeklagten aus Menden veräußert haben. Von diesem soll er auch mehrere tausend Patronen sowie unterschiedliche Waffen, auch eine vollautomatische Maschinenpistole erworben haben. Vor dem Prozessbeginn sprach unsere Zeitung mit dem Umarex-Geschäftsführer Eyck Pflaumer über den Fall, persönliches Empfinden und Konsequenzen für die Sicherungsvorkehrungen in seinem Betrieb.

Sie gelten als gesellschaftlich verantwortungsvoller Unternehmer: Was löst ein Fall wie dieser in Ihnen aus?

Eyck Pflaumer: Große Enttäuschung und Hinterfragen der notwendigen Sensibilität im Unternehmen. Wie kann so etwas in unserem Unternehmen passieren? - damit beschäftigt man sich. Nach der Verhaftung unseres Mitarbeiters war ein gründliches Analysieren mit anschließendem konsequentem Handeln gefordert, um die bekannt gewordenen Schwachstellen im Sicherheitssystem zu eliminieren. Eine enge, offene Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Behörden, die vor und nach der Verhaftung des ehemaligen Mitarbeiters stattgefunden hat, ist ein wichtiger Bestandteil, um weiteren möglichen Schaden für die Gesellschaft und für das Unternehmen abzuwenden. Eine weitere Enttäuschung habe ich aufgrund der Falschmeldungen in großen Tageszeitungen zugunsten von Schlagzeilen empfunden. Daher will ich noch einmal betonen, dass ausschließlich „nur“ waffenbuchpflichtige Teile und auch Teile freier Waffen, von dem ehemaligen Mitarbeiter gestohlen wurden, jedoch keine kompletten Waffen und auch keine Munition. Dies war ihm aufgrund der Zugangskontrollen zu den entsprechenden Produktions- und Lagerbereichen im Unternehmen nicht möglich.

Wird der aktuelle Fall weitere Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen bei Umarex nach sich ziehen?

Auf der Grundlage des Informationsaustauschs mit den Behörden sind die bekannt gewordenen Schwachstellen im Sicherheitskonzept mithilfe von Baumaßnahmen, Optimierungen von Prozessen und Schulungen unserer Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter des externen Sicherheitsdienstes umgehend abgestellt worden. Mittlerweile haben wir einen höheren Sicherheitsstandard an der Sicherheitsschleuse als an Flughäfen.

Kann es 100-prozentigen Schutz vor der Entwendung von Waffenteilen in einem so großen Unternehmen geben?

Kein Sicherheitssystem und kein Gebäude bieten einen 100-prozentigen Schutz. Fallbeispiele wurden im Firmengebäude und auf dem Firmengelände durchgespielt, um eventuelle Schwächen in den Abläufen abzustellen. Aber Menschen mit krimineller Energie kann man leider nicht immer zu 100 Prozent stoppen. Kontinuierliche Sicherheitsoptimierungen sowie Sensibilisieren und Schulungen der Mitarbeiter sind ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur als verantwortungsvoller Hersteller von Sport- und Freizeitwaffen. Wie beschrieben, ist unser Sicherheitsstandard mittlerweile dem einer Kontrolle am Flughafen überlegen und das für alle Mitarbeiter und Besucher ohne Ausnahme.

Sie waren ja auch zuletzt nicht untätig und hatten vor einigen Jahren die Sicherheitsbemühungen angesichts von Terrorgefahr etc. bereits erhöht (wir berichteten darüber): Wie hoch sind die Investitionen Ihres Unternehmens in Sicherheitstechnik?

In den letzten Jahren hat das Unternehmen einen siebenstelligen Betrag investiert. Unser Sicherheitssystem umfasst nicht nur die Technik, sondern auch Baumaßnahmen, Personalschulungen und hohe laufende Kosten für den externen beauftragten Sicherheitsdienst, der durchgehend 24 Stunden an sieben Tagen vor Ort ist.

Gelten in Ihrem Unternehmen mit den sensiblen Produktbereichen gründlichere Einstellungsverfahren als in anderen Branchen? Gibt es Wege Mitarbeiter vor einer Einstellung auf den Prüfstand zu stellen?

Seit Jahren ist für die Einstellung bei Umarex ein polizeiliches Führungszeugnis für Mitarbeiter, aber auch für Praktikanten notwendig. In sensiblen Bereichen der Firma werden diese jährlich neu angefordert. Da Umarex ein AEO-zertifiziertes Unternehmen ist, werden die Personendaten von allen Geschäftspartnern, allen Besuchern sowie allen Mitarbeitern von Dienstleistern anhand der Antiterrorlisten täglich abgeglichen. In den USA wird bei unseren Tochterfirmen noch zusätzlich ein Drogentest bei den Mitarbeitern bei der Einstellung und auch im Anschluss durch den Betriebsarzt durchgeführt. Leider stehen uns diese Mittel in Deutschland gesetzlich nicht zur Verfügung. Außerdem muss jeder neue Mitarbeiter einen speziellen Personalfragebogen ausfüllen. Natürlich entsprechen die Maßnahmen den gesetzlichen Bestimmungen und der Datenschutzverordnung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben