Neheimerin vor Gericht

Vorgetäuschter Raub: Bewährungsstrafe für 28-Jährige

Die Justiz muss sich auch mit vorgetäuschten Straftaten beschäftigen.

Die Justiz muss sich auch mit vorgetäuschten Straftaten beschäftigen.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Neheim.  Mutter von zwei Kindern bricht vor Gericht in Tränen aus: Im Januar 2019 hatte sie mit zwei Männern 12.000 Euro erbeutet

Die 28-jährige Frau auf der Anklagebank des Schöffengerichtes bricht mehrfach in Tränen aus. Sie zeigt sich reuig und verzweifelt. Die Angeklagte, alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern, hat ihren Job verloren. Sie hatte sich von zwei jüngeren Männern, die sie ihm Rahmen ihrer Tätigkeit kennengelernt hatte, überreden lassen, einen Raubüberfall vorzutäuschen und das erbeutete Geld untereinander aufzuteilen.

Gemeinsamer Tatplan

In der Nacht des 26. Januar 2019 wurde das Vorhaben durchgezogen. Gegen ihre beiden Mittäter wird in naher Zukunft ebenfalls ein Strafverfahren eröffnet. Die Angeklagte war Shop-Leiterin eines Wettbüros an der Langen Wende in Neheim. Ihr oblag die gesamte Verwaltung der Bargeldbestände. Das war den beiden gesondert strafrechtlich Verfolgten, die in dem Wettbüro ein- und ausgingen, bekannt. Nach einem gemeinsam gefassten Tatplan, sollte ihr die Geldtasche mit der Barschaft, die die Frau nach Büroschluss zu einer Bank an der Hauptstraße bringen sollte, entrissen werden. Wie geplant, wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Die Angeklagte nahm eine von dem Plan unwissende Mitarbeiterin des Wettbüros mit, um die Angelegenheit unverdächtiger aussehen zu lassen. Diese Frau wurde von einem der jungen Männer bei seiner Tatausführung gegen eine Schaufensterscheibe gestoßen, wobei sie sich verletzte. Sie als Zeugin vor Gericht: „Das war kein Entreißen der Geldtasche, es sah eher wie eine Übergabe aus.“ Nach dieser Aussage bei der Polizei und weiteren Verdachtsmomenten kam man den drei Tätern schnell auf die Spur.

Frühes Geständnis

Die Angeschuldigte legte schon früh ein umfassendes Geständnis ab und nannte „Ross und Reiter“. Die beiden Mittäter genehmigten sich aus der Beute jeweils 5000 Euro, die Angeklagte bekam 2000 Euro. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei bei den arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern jeweils größere Geldsummen, die beschlagnahmt wurden. Die Angeklagte hatte zwischenzeitlich das Geld für dringend benötigte Kinderkleidung ausgegeben.

Nach Ende der Beweisaufnahme erteilte der Vorsitzende Richter den Hinweis, dass nach Auffassung des Gerichtes keine Verurteilung wegen Raubes infrage komme. Eine solche könne wegen Unterschlagung erfolgen. Der Staatsanwalt beantragte eine Bewährungsfreiheitsstrafe von zehn Monaten und Auflagen. Der Verteidiger sah eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten als gerecht an.

Letztlich wurde die Angeklagte wegen Unterschlagung zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Auflagen, wie sie sonst bei Bewährungsstrafen üblich sind, wurden vom Gericht nicht angeordnet. „Eine Geldauflage ist hier nicht möglich. Wo soll die Frau mit ihren zwei Kindern das Geld hernehmen? Ebenso ist aus selbigen Gründen die Ableistung von Sozialstunden undenkbar“, so der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

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