Betrieb „aiXtrusion“

Voßwinkeler Firma entwickelt Software für Weltmarkt

Die beiden „aiXtrusion“-Geschäftsführer Axel Schlüter (links) und Marcus Schlüter zeigen an einem PC-Bildschirm ein Platinenlayout für einen Sensor.

Die beiden „aiXtrusion“-Geschäftsführer Axel Schlüter (links) und Marcus Schlüter zeigen an einem PC-Bildschirm ein Platinenlayout für einen Sensor.

Foto: Martin Schwarz

Voßwinkel.  Die Entwicklungsingenieure Marcus und Axel Schlüter expandieren mit ihrer Firma „aiXtrusion“ im Heimatort.

Aus Voßwinkel für den Weltmarkt: Dies gilt für technisch anspruchsvolle Hard- und Software, die vom Voßwinkeler Unternehmen „aiXtrusion“ für weltweit agierende Betriebe entwickelt wird. Anwendungen finden sich zum Beispiel in der Fahrzeug-, Medizin-, Hausgeräte- und Automatisierungstechnik sowie in der Industrieelektronik und im Kunststoffmaschinenbau.

Mittlerweile beschäftigt Aixtrusion etwa 30 Entwicklungsingenieure in Voßwinkel sowie weitere rund zehn Mitarbeiter in der Niederlassung in Aachen. Im Raum Aachen befinden sich auch die Wurzeln des Unternehmens. Vor 15 Jahren wurde die „aiXtrusion GmbH“ von Dr.-Ing. Eduard Bergweiler und dem Voßwinkeler Dr. Ing. Marcus Schlüter gegründet, der in Aachen Maschinenbau studiert hatte. Das „Aix“ bezieht sich auf den französischen Namen von Aachen (Aix-la-Chapelle), und „aiXtrusion“ assoziiert den Fachbegriff Extrusion aus der Kunststoffindustrie.

Firma besteht 15 Jahre

Die 2004 gegründete Firma kann heute auf eine Erfolgsgeschichte mit stetiger Expansion zurückblicken. 2007 wurde die Firmenzentrale in Schlüters Heimatort Voßwinkel verlegt (mit Beibehaltung des Zweitstandorts in Aachen) und 2008 stieg Marcus Schlüters Bruder Axel Schlüter ins Unternehmen ein, das seit einigen Jahren (nach Bergweilers altersbedingtem Rückzug) den beiden Brüdern gehört und von ihnen als Geschäftsführern auch geleitet wird. Die Firma wächst kontinuierlich und musste schon zusätzlich ehemalige Sparkassenräume in Voßwinkel anmieten. Firmenhauptsitz ist das Gebäude „Voßwinkeler Straße 19“, in dem der Vater der beiden Brüder früher eine Bäckerei betrieb. Aufgrund der guten Auftragslage denken die beiden Brüder daran, in etwa zwei Jahren im Voßwinkeler Gewerbegebiet „Gut Nierhof“ einen Neubau zu errichten.

aiXtrusion hat sich das Motto „engineering in its entirety“ (Ingenieurwesen in ihrer Gesamtheit) gegeben. Dahinter steht das Konzept, für den Kunden – auf Wunsch – alles machen zu können: Von der Idee über die Lösungsentwicklung technischer Aufgaben bis zur Fertigung entsprechender Geräte. „Wir entwickeln speziell auf Kundenwünsche abgestimmte Hard- und Software bis hin zu vollständigen Geräten: vom Prototypen bis zur Serienreife, inklusive Gehäusetechnik“, berichtet Geschäftsführer Axel Schlüter. Für Fertigungsaufgaben kooperiert aiXtrusion mit „turck duotec“ in Halver.

Robuste Elektronik

„Wichtig ist uns, dass wir bei der Erfüllung von Kundenaufträgen neueste Technologien einsetzen, die den Kunden ein hochqualitatives, und kosteneffizientes Produkt gewährleisten“, berichtet Geschäftsführer Marcus Schlüter und verdeutlicht dies an einer mit Aixtrusion-Technik ausgestatteter Toniebox, mit der Kinder Hörspiele hören können. Leichte Bedienbarkeit bei unterschiedlichen Nutzungsanwendungen und Robustheit der Elektronik gehörten hier zu den erfüllenden Aufgaben in einem vorgegebenen Kostenrahmen. Die aiXtrusion-Technik hat sich dann auch in der Großserienproduktion der Toniebox bewährt.

Axel Schlüter zeigt noch ein anderes Produkt, für das aiXtrusion die Hard- und Software entwickelt hat. In der Hand hält er ein Multimedia-Bediengerät für einen Durchlauferhitzer, das dem Nutzer eine große Vielfalt an Steuerungsmöglichkeiten bietet, zum Beispiel für die individuelle Einstellung der Wassertemperatur, einen Kneipp-Effekt (Warm-Kalt-Warm), Radio oder Zahnputz-Timer. All dies kann - fernab des Durchlauferhitzers - eingestellt werden.

Auch Komponenten von Ladestationen für Elektro-Autos, Bremsbelag-Sensoren für Nutzfahrzeuge oder Elektronik für die Luftfahrt entstehen in Voßwinkel. In Aachen hat man sich auf digitale Bildverarbeitung spezialisiert. Diese Technologie ermöglicht die automatische Inspektion, zum Beispiel von Kleinstteilen, Mustern und Oberflächen in industriellen Fertigungsprozessen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung ist zu spüren, dass die beiden Brüder Marcus und Axel Schlüter absolut technikbegeistert sind. Eine neue technische Lösung zu finden ist für sie auch eine persönliche Herausforderung. Hier spürt man den technischen Anspruch des 48-jährigen Maschinenbauers Dr. Ing. Marcus Schlüter, der bereits in seinem Maschinenbau-Studium den Schwerpunkt „Programmierung“ wählte, und den technischen Anspruch des 45-jährigen Axel Schlüter, der als Elektrotechniker und technischer Betriebswirt den zweifachen Diplom-Ingenieur-Titel trägt. Das technische Wissen stets auf dem neuesten Stand zu halten, ist dabei nicht nur Anspruch der beiden Geschäftsführer, sondern des gesamten Teams. Daher ist aiXtrusion auch in Forschungsprojekte eingebunden.

Außenstehende könnten staunen, dass es aiXtrusion gelingt, auf dem Arbeitsmarkt bundesweit umworbene, hoch spezialisierte Entwicklungsingenieure für eine Mitarbeit in einer Firma auf dem Dorf zu gewinnen. Dazu meint Marcus Schlüter: „Unsere Mitarbeiter schätzen Arbeitszeiten, die sie individuell einteilen können, wozu auch Home Office gehört. In unserer Firmenphilosophie geht es aber auch um Wertschätzung. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Jeder im Unternehmen achtet darauf, dass die Interessen von Kunden, Partnern und Mitarbeitern gleichermaßen berücksichtigt werden. Jeder Beteiligte erfährt Wertschätzung.“ Zur Wertschätzung gehöre auch die Beachtung der Work/Life-Balance. „Wichtig ist aber auch unsere grundsätzliche Arbeitsweise: Wir arbeiten projektbezogen im Team – ohne interne Mitarbeiterhierarchien - , so dass sich jeder mit seinem Wissen in die Lösung der Gesamtaufgabe wirkungsvoll einbringen kann“, meint Axel Schlüter abschließend.

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