Stadtwerke Arnsberg

Wassernotversorgung: Krisenfall noch nicht durchgespielt

Die Arnsberger Stadtwerke haben viel in die Aufbereitungstechnik zum Schutz gegen Störfälle investiert. Mehr und mehr befassen sich die Versorger auch mit dem Szenario von Katastrophen und Sabotage.

Die Arnsberger Stadtwerke haben viel in die Aufbereitungstechnik zum Schutz gegen Störfälle investiert. Mehr und mehr befassen sich die Versorger auch mit dem Szenario von Katastrophen und Sabotage.

Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Stadtwerke Arnsberg sehen sich auf interne Störfälle in Wasserversorgung gut vorbereitet. Notversorgung-Szenario wurde noch nicht durchgespielt.

Das Thema wird in der Wasserwirtschaft in Entscheiderzirkeln längst diskutiert. Was passiert, wenn die Wasserversorgung in einer Stadt massiv durch Sabotage, Giftstoffe, Strom- und Netzausfälle beeinträchtigt oder ausgefallen ist? „Wir haben so einen großen Krisenfall als Übung noch nie durchgespielt!“, gibt Thomas Kroll zu. Der Stadtwerke-Geschäftsbereichsleiter für die Wasserversorgung räumt ein, dass hier noch Spielraum für Optimierungen sei.

In Tagungen werden die Wasserversorger aktuell schon für die Problemstellung sensibilisiert. Mit dem Vortrag „Sicheres Trinkwasser: Neue Ansätze in der Notfallvorsorge“ stellte sich Lisa Broß von der Universität der Bundeswehr München kürzlich einer Runde von Geschäftsführern und Fachleuten aus dem Kreise von Wasserversorgern aus ganz Deutschland. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Trinkwassernotversorgung und Sicherstellung der Wasserversorgung in Krisenfällen. Die Uni hatte deutschlandweit alle Wasserversorger zu ihren Krisenplänen befragt. Ihr Fazit: „Die Wasserversorger sind oft organisatorisch nicht gut genug auf extreme Notversorgungsfälle vorbereitet“.

10,5 Millionen Trinkwasser täglich

Dabei meint sie weniger die normalen Störfälle durch Rohrbrüche, die vorübergehend in einigen Bereichen die Versorgung gefährden und interne Ersatzversorgungsmaßnahmen nötig machen wie im vergangenen Jahr in Kreuztal, sondern den Super-Gau. Den Fall, in dem zum Beispiel in Arnsberg die Stadtwerke nicht mehr in der Lage wären, die Menschen in 18.500 Haushalten aus ihren zuliefernden Wasserwerken mit täglich 10,5 Millionen Liter Trinkwasser Wasser zu versorgen. „Dafür muss aber schon eine echte Katastrophe oder ein Terrorakt vorliegen“, so Kroll.

Tatsache ist, dass die Stadtwerke Arnsberg durch ihre geographische Lage einen besonderen Vorteil haben. Das Stadtgebiet wird im Wesentlichen in einem verbundenen 450 Kilometer langen Rohrnetz durch zwei Wasserwerke an zwei unterschiedlichen Flüssen versorgt. „Beide können von der Kapazität her die ganze Stadt versorgen“, sagt Thomas Kroll. Ein Fall wie damals bei der PFT-Krise, als die Möhne stark mit Giftstoffen belastet war, würde das Wasserwerk Langel an der Ruhr oberhalb der Möhnemündung unbelastet weiter liefern lassen können. Fiele aus gleichen Gründen die Ruhr in Langel als Wasserlieferant aus, bliebe das Wasserwerk an der Möhne funktionsfähig. „Das gibt uns eine gewisse Sicherheit“, beruhigt Thomas Kroll. Ebenso wie die Tatsache, dass die Arnsberger 95 Prozent Oberflächenwasser trinken und von daher auch relativ unangreifbar durch vorsätzliche Brunnenvergiftungen wären.

Beim Super-Gau wird aber davon ausgegangen, dass die normale Wasserlieferung quasi zum Erliegen kommt. Für solche Fälle gibt es auch Notbrunnen. Der nächste Notbrunnen für die Region Hochsauerlandkreis/Märkische Kreis befindet sich in Dortmund. Zuständig für diese Brunnen ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Notfallhilfe. „Notfallpläne für die Wasserversorgung gibt es hier bei uns in der Stadt Arnsberg natürlich“, sagt Stadtsprecherin Stefanie Schnura. Auch in Sundern gibt es keinen Notbrunnen. Die Stadtwerke dort, so bestätigt Betriebsleiter Jürgen Schwarberg, verließen sich auf das Oberflächenwasser des Sorpesees. Das Notbrunnensystem für Katastrophenfälle sei ohnehin mehr auf die großen Ballungsräume ausgerichtet.

Stromausfall ist ein Problem

Probleme würden die Stadtwerke Arnsberg inzwischen eindeutig bekommen, wenn es zu Stromausfällen käme. Alle Anlagen könnten zwar noch dezentral gesteuert werden werden und „fast alles ist manuell machbar“, so Kroll, „doch das nur mit viel Aufwand“. Für die Wasserwerke verfügen die Stadtwerke Arnsberg daher auch über eigene mobile Notstromaggregate.

Interne Krisenpläne nur für normale Störfälle

„Interne Krisenpläne gibt es“, versichert Thomas Kroll, „es gibt einen Maßnahmenkatalog für eine Ersatzversorgung innerhalb des Arnsberger Systems“. Hier ist geregelt, wie bei Störfällen und Versorgungsausfällen in Teilbereichen der Stadt so schnell wie möglich Abhilfe geschaffen werden kann. „Wir sind in der Pflicht, die Versorgung irgendwie aufrecht zu erhalten“, erklärt Thomas Kroll. Das könne durch eigene Schlauchleitungen passieren. Angewiesen wäre man zudem auf die Hilfe von Feuerwehr und THW-Einheiten. „Das alles ist aber faktisch nicht möglich, wenn in der ganzen Arnsberger Wasserversorgung nichts mehr läuft“, gibt Kroll zu.

In diesem Fall müsste Hilfe von Außen kommen, was aber voraussetzt, dass andere nahe Wasserversorger noch lieferfähig wären. Dann würden die Wassertankwagen rollen müssen, um eine Minimalversorgung zu leisten.

Leistungsfähige Systemverbindungen zu benachbarten Wasserversorgern gibt es in der Regel nicht. „Die Netze sind nicht so gebaut, um sich gegenseitig zu helfen“, stellt Thomas Kroll fest. Einen kleinen „Notnagel“ haben die Arnsberger Stadtwerke allerdings: Zwischen Voßwinkel und Echthausen gibt es ein noch im Notfall zu öffnendes Versorgungsrohr. Durch dieses wurden die Voßwinkler bis zu Beginn des laufenden Jahres aufgrund eines alten Versorgungsvertrages aus dem Gelsenwasser-Wasserwerk in Echthausen mit Trinkwasser beliefert.

Thomas Kroll wünscht sich all diese Eventualitäten nicht herbei. „Intern sind wir gut aufgestellt und auf Störfälle vorbereitet“, beruhigt er, „auf alles aber nicht. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit!“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben