„Bin eben die Welt retten“

„Weltretter“ zeigt Schwächen und steigt wieder ins Auto

„Weltretter“ im Spiegel: Da sieht er sich am Steuer seines Autos.

„Weltretter“ im Spiegel: Da sieht er sich am Steuer seines Autos.

Foto: privat

Beruflicher Alltag zwingt Redaktionsleiter bei „Weltretter“-Versuch zurück ins Auto. Die bessere Option ist das nicht in jedem Fall gewesen.

Ich bin schwach geworden. An den Tagen 11 und 12 des Selbstversuchs, einen Monat lang beruflich und auch privat so weit es geht auf das Auto zu verzichten, erwischt mich die Wucht des Alltags.


Fall 1: Ich muss nach Hagen zur Redaktionsleiterkonferenz. Eindeutig zu weit für das Fahrrad hin und zurück. Also gucke ich, ob ein Zug von Werl fährt. Passt eigentlich: 8.14 Uhr Abfahrt, Ankunft in Hagen 8.59 Uhr, Konferenzbeginn um 9.30 Uhr! Bleibt die Preisfrage: Einzelticket 20,40 Euro - ganz schön teuer. Das 9 Uhr-Tagesticket kostet 17,20 Euro, gilt aber erst ab 9 Uhr. Da komme ich nicht pünktlich zur Konferenz. Also fahre ich Auto. Wirklich eine gute Option? Ich sitze fast 60 Minuten im Auto - viel Stau unterwegs. Benzinkosten im Bulli für die Fahrt zirka 11 Euro (merkt man nur nicht direkt im Portemonnaie, weil der Tank ja gerade voll ist). Ist ja rein vom Sprit her deutlich billiger. Wäre da nicht das Parken, was in Hagen nicht einfach ist. 5,50 Euro zahle ich nach der Konferenz. Zahlt weder der Arbeitgeber, noch ist es bei der Steuererklärung einzureichen.


Fazit: Ich habe bei genauem Hinsehen auf’s falsche Pferd gesetzt. Der Zug - vorausgesetzt pünktlich - wäre eine gute Alternative gewesen. Im Zug hätte ich lesen, E-Mails auf dem Smartphone bearbeiten oder einfach aus dem Fenster gucken können. Die Macht der Gewohnheit - weniger Bequemlichkeit - ließ mich aufs Auto umsteigen.


Fall 2 ist schwieriger: Morgens beim Frühstück auf der da noch sonnigen Terrasse gucke ich in den Kalender auf dem Handy. Das Fahrrad ist schon gesattelt. Da bestätigt sich kurzfristig ein Termin um 10 Uhr am Sorpesee. Ups! Das mit dem Fahrrad - ich käme auf 65 Kilometer an diesem Tag. Beim besten Willen ist das keine Lösung, weil es mir dann doch zu viel Arbeitszeit raubt. Und mal ehrlich: Schön wäre das auch nicht geworden, weil es um 11 Uhr beginnt aus Kübeln zu regnen. Kein „Weltretter“-Wetter. Ich fahre also Auto - aber bewusst nicht den Diesel-Bulli, sondern den sparsamen Benziner-Kleinwagen aus dem Zweitwagen-Carsharing-Modell mit meinen Kindern (immerhin was...).

Ich lerne: Bewusstsein ist kein Dogma. „Weltretter“ dürfen auch mal schwächeln und müssen ihre Nachhaltigkeitsvorsätze ab und an an die Realitäten des beruflichen Alltags anpassen. Vorher nachdenken aber lohnt.
Martin Haselhorst

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