Gewerbe

Wie Altkleidersammler Gemeinnützigkeit vortäuschen

Foto: WAZ

Arnsberg. Gewerbliche Kleidersammler haben Hochkonjunktur in Arnsberg. Wo vor einigen Wochen noch Wäschekörbe vor den Haushalten standen, fanden vor kurzem die Mieter Tonnen vor der Haustür vor. Was auf den ersten Blick gemeinnützig klingt, entpuppt sich oft als reine Geldmacherei.

„Wir sammeln gut erhaltene Schuhe und Textilien aller Art”, steht in dicken Buchstaben auf dem roten Deckel mit der grünen Tonne. Und weiter: „Als Mitglieder des Stolberger Tierschutzvereins e.V. arbeiten wir Hand in Hand mit dem Tierschutzverein gegen Tierquälerei und Tierdiebstähle.”

Eine Firma, aber dieselbe Masche wie viele: Im Anschein einer Gemeinnützigkeit - mit nur einem kleinen Hinweis auf den wirklichen Hintergrund - sammeln private Firmen Altkleider und verscherbeln sie für Geld - quer durch das Stadtgebiet. Der Verein im aktuellen Fall existiert in Aachen sogar wirklich und setzt sich für die Belange von Katzen ein. Im Endeffekt sieht er von den Spenden aber gar nichts.

Denn hinter der Sammlung steckt die private Firma von Omar Omari, die Firma OM-Altkleider, die neuerdings auch Möbeltransporte, Umzüge, Entrümplungen und Haushaltsauflösungen anbietet. Der Stolberger Tierschutzverein tut eigentlich nichts - außer seinen Namen zur Verfügung zu stellen. 2004 hatte der Duisburger Omari den Betrieb gegründet und verteilte auch im Aachener Raum, wo Stolberg liegt, seine Sammeltonnen.

Verkauf auf dem Weltmarkt

„Der Verein hat gedacht, wir wollten Katzen einfangen, und hat uns einen Zettel in die Tonne gelegt. Dadurch sind wir damals ins Gespräch gekommen”, schildert Omari. Er habe den Verantwortlichen dann angeboten, den Namen auf die Tonnen zu schreiben. Win-Win-Situation für beide: Der Verein wird publik - um eine Spende wird gebeten - und Omari ist weiter gewerblich tätig - nur mit dem Schein der Gemeinnützigkeit dazu.

Nach der Sammlung verkauft Omari die Schuhe und Kleider dann auf dem Weltmarkt - ein Kilo für 30 Cent, wie er sagt. Das Geld wandert am Ende in die Tasche von Omari. 1 500 bis 2 000 Euro blieben für ihn nach Abzug aller Kosten (Lagerhalle, fünf Mitarbeiter) zum Leben. In seiner Vorgehensweise sieht Omari kein moralisches Verwürfnis: „Ich sage doch, dass es gewerblich ist.” Und tatsächlich: Auf den Tonnen steht „Diese Sammelaktion ist gewerblich.” Allerdings in extrem kleinen Buchstaben.

"Überwiegend auf privaten Flächen abgestellt"

„Das reicht aber”, meint Ulrich Betkerowitz vom Arnsberger Ordnungsamt. Wer seine Sammelbehälter kennzeichne, würde nicht unter den Straftatbestand des Vorgaukelns einer Gemeinnützigkeit fallen. Der Stadt sind die gewerblichen Sammler aber ein Dorn im Auge. „Das Problem ist, dass die ihre Behälter überwiegend auf privaten Flächen abstellen.” Dort hat die Stadt aber keine Befugnis. Der Bauhof entsorge dann im Enteffekt die von den Grundstückseigentümern im öffentlichen Raum abgestellten Behälter.

Und noch ein Nachteil: Die heimischen Verbände gehen die wertvollen Kleiderspenden verloren - der Caritas für die Ausgabe an heimische Bedürftige jeden Mittwoch, dem Roten Kreuz in den Sammelcontainern für notleidende Regionen und der Kolpingsfamilie bei der Frühjahrs- und Herbstsammlung. Diese verkauft die Altkleider zwar auch, der Erlös fließt aber in gemeinnützige Projekte.

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