Wohnungsmarkt

Wohnungssuche für junge Menschen in Arnsberg schwierig

Neheim ist bei jungen Menschen wegen der guten Infrastruktur beliebt.

Foto: Hans Blossey

Neheim ist bei jungen Menschen wegen der guten Infrastruktur beliebt. Foto: Hans Blossey

Arnsberg.   Durch Vorurteile der Vermieter und teure Mieten ist die Wohnungssuche für junge Menschen schwierig. Stadt Arnsberg sieht verschiedene Bedarfe.

Für junge Menschen ist die Wohnungssuche in Arnsberg vor allem eins – schwierig. Dies berichten nicht nur junge Mieter selbst, sondern auch die Eigentümerseite. Die Stadt Arnsberg sieht verschiedenen Bedarf bei jungen Menschen.

Die jungen Mieter

Fünf Monate lang hat Vivien Peuler (21) jeden Tag die Immobilienportale und die Zeitungen nach Wohnungen durchsucht – bis sie mit ihrem Freund Kevin Fuchs (25) ihre jetzige Wohnung in Neheim gefunden hat. „Der Wohnungsmarkt ist katastrophal“, schildert Fuchs. Das Problem: Die Wohnungen seien für Auszubildende und junge Menschen zu teuer oder sehr renovierungsbedürftig.

Was die beiden am meisten verärgert, sind Vorurteile: „Die Vermieter denken, junge Menschen sind laut und asozial.“ Oft stehe es schon in der Anzeige, dass die Vermieter keine jungen Leute wollen, berichtet Peuler. „Meine Cousine zahlt für 24 Quadratmeter 300 Euro plus Strom in Hüsten.“ Solche Preise würden verursachen, dass Jugendliche nicht von zu Hause los kommen, weil sie sich einen Auszug nicht leisten ­können, so das Paar.

Die Stadt Arnsberg

Von Seiten der Stadt sieht Thomas Vielhaber, Planungsdezernent, noch Bedarf an bezahlbaren Möglichkeiten für junge Wohngemeinschaften. Insgesamt sei es für Arnsberg wichtig, junge Menschen an den Standort zu binden. Die Gruppe der jungen Menschen habe dabei verschiedenen Bedarf. Zum einen sei es wichtig, Jugendlichen in der Ausbildungsphase Starterwohnungen anzubieten, die bezahlbar sind. Und so eine andere Möglichkeit bieten, als weiter bei den Eltern zu wohnen. Für junge Menschen, die arbeitsbedingt hierher ziehen und Wohnungen auf Zeit suchen, müsse mit großen Betrieben nach Lösungen gesucht werden, sagt Vielhaber.

Der Eigentümerverein

Gerd Schulte, Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümervereins Haus&Grund, sagt, dass vor ­allem Neheim bei jungen Menschen beliebt ist. Doch in dem gewünschten Stadtteil würden junge Menschen nicht immer fündig, weil es zu wenig preiswerte Wohnungen gebe.

Der Wohnungsmarkt für junge Menschen sei ein wichtiges Thema, da die Unternehmen vor Ort Nachwuchs bräuchten. Diese sieht der Vereinsvorsitzende auch in der Pflicht: „Große Unternehmen sollten sich zusammen tun und Wohnraum für die jungen Mitarbeiter anbieten.“

Die Genossenschaft

Der geschäftsführende Vorstand der Arnsberger Wohnungsbaugenossenschaft, Werner Schinkert, hat die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche „hochgestochene“ Vorstellungen haben. Ein Problem sieht er bei jungen Mietern aber auch – sie würden wegen zu lauter Musik oder rücksichtslosem Verhalten häufig mit anderen Mietern anecken.

Die Makler

Delia Giacosa bringt als Immobilienfachwirtin bei Meyer und Partner die Wohnung an den Mann oder die Frau. Auch wenn es bei den jungen Leuten sehr unterschiedliche Wünsche gebe, seien die meisten auf der Suche nach 80 Quadratmetern mit drei Zimmern – zentral und günstig. Wenn dies nicht gelingt, würden auch kleinere Wohnungen genommen.

Manuel Farien von AF Immobilien erklärt, dass junge Menschen von außerhalb, die es ins Arnsberger Stadtgebiet zieht, nach Neheim wollen. Junge Leute, die ursprünglich bereits aus Arnsberg kommen, wollen in ihren bekannten Ortsteil zurück. „Ein anderer Stadteil kommt für sie nicht in Frage“, sagt Farien.

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Von Rebecca Häfner

Bei meiner eigenen Suche nach einer Wohnung auf Zeit in Arnsberg gab der normale örtliche Wohnungsmarkt kaum etwas her: Weder möblierte Wohnungen noch WG-Zimmer. Die Lösung für mich ist eine Ferienwohnung. So geht es vielen jungen Menschen. Denn durch die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt mit Praktika, Trainees oder Volontariaten, brauchen viele Jugendliche Wohnungen auf Zeit. Um den Wohnungsmarkt für junge Menschen hier dauerhaft ­attraktiver zu machen, braucht es Wohngemeinschaften und bezahlbare Wohnungen, sonst fällt die Wahl im Zweifel auf den Job in einer anderen Stadt. Dies schadet dann nicht nur dem Wirtschaftsstandort in ­Arnsberg.

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