Wald

„Xylobius“: „Im Totholz tobt das Leben“

Hier greift Revierförster Carsten Arndt noch zur Farb-Spraydose – doch Biotopbäume werden ab sofort mit Plaketten markiert – und digitalisiert; mit dem „Förster-Computer für unterwegs“ (in seiner linken Hand zu sehen).Foto:Torsten Koch

Hier greift Revierförster Carsten Arndt noch zur Farb-Spraydose – doch Biotopbäume werden ab sofort mit Plaketten markiert – und digitalisiert; mit dem „Förster-Computer für unterwegs“ (in seiner linken Hand zu sehen).Foto:Torsten Koch

Arnsberg.   Artenvielfalt möchte „Wald und Holz NRW“ fördern und schützen; mit dem neuen Strategie-Projekt „Xylobius“, das in Arnsberg präsentiert wurde.

„Es haben sich schon Wanderer beschwert, der Wald sei an einigen Stellen unaufgeräumt“, erzählt Carsten Arndt auf dem kurzen Weg vom Forstlichen Bildungszentrum am „Alten Holzweg“ in den angrenzenden Staatswald.

Tatsächlich liegen einige umgestürzte Bäume am Wegesrand – und zahlreiche verstreute Äste bedecken den Waldboden. Doch diese „Unordnung“ ist nicht nur gewollt, sondern sogar unerlässlich, denn sie dient dem Artenschutz.

Artenvielfalt

Wenige Minuten später ist das Ziel erreicht, neben einer riesigen entwurzelten Eiche sticht eine mannshohe Infotafel ins Auge.

„Die steht natürlich nicht immer hier“, merkt Revierförster Arndt grinsend an... Doch er – und vor ­allem seine Kollegen aus der Führungsriege von „Wald und Holz NRW“ – haben in die Trickkiste gegriffen, um besser verdeutlichen zu können, was ihnen derzeit besonders am Herzen liegt. „Im Totholz tobt das Leben“, bringt es Andreas Wiebe auf den Punkt. Rund ein Drittel der Tierarten des Waldes sei auf alte, tote oder absterbende Bäume angewiesen, so der Leiter des Landesbetriebs weiter.

Diese Artenvielfalt möchte „Wald und Holz“ in Zukunft fördern und schützen; mit dem neuen Strategie-Projekt „Xylobius“. Dieses Projekt sieht vor, im – wohlgemerkt: bewirtschafteten – Wald einzelne „Biotopbäume“ oder auch kleinere Baumgruppen zu markieren – und auf diesem Weg dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen. Insekten, Fledermäuse, seltene Vogelarten, aber auch Pilze und Pflanzen profitieren davon – weil sie, salopp gesagt, ihre Ruhe haben.

Ansprechend gestaltete Plakette

„Wir möchten auf diese Weise die Talente des Waldes zur Geltung bringen“, fügt Andreas ­Wiebe an.

Das geschieht nicht etwa mit „schnöden“ Markierungen. „Farbkleckse oder Schlangenlinien des Försters verärgern die Leute doch nur“, meint Revierförster Arndt, und zieht eine ansprechend gestaltete Plakette (links) aus der Hosentasche. Diese kennzeichnet zukünftig die besonderen Bäume.

Im Staatsforst des Arnsberger Waldes hat die Forstverwaltung bereits mit der Markierung begonnen. Gesichtet werden die „Mini-Biotope“ bereits seit einiger Zeit, sie sollen auch eine Funktion als Trittsteine zwischen Landschafts- und Naturschutzgebieten ausüben.

„Förster-Computer für unterwegs“

Rund 700 Tothölzer sind schon heute im Arnsberger Wald digital erfasst – per „Förster-Computer für unterwegs“, erklärt Carsten Arndt. Das „Toughpad“ begleitet ihn stets bei seinen Gängen durchs Revier, zeichnet alles Wichtige auf...

Doch lohnt dieser Aufwand? „Als Landesbetrieb tragen wir besondere Verantwortung“, stellt Hanns-Christian Wagner, Abteilungsdirektor Staatswald, fest. Auch private Waldbesitzer leisteten bereits ihren Beitrag, so Wagner, und weist darauf hin, dass der Schutz von Biotopbäumen vom Land NRW gefördert wird.

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