Datenschutz

Ärger um veröffentlichte Adressen von Kommunionskindern

Eine Kommunionskerze: Viele Familien feiern das Fest groß.

Eine Kommunionskerze: Viele Familien feiern das Fest groß.

Foto: Jörg Schimmel

Balve.   Der Pastoralverbund Balve veröffentlicht Adressen von Kommunionskindern. Eine Mutter zweifelt an der Genehmigung. Datenschützer prüfen nun.

Der Pastoralverbund hat Ärger wegen veröffentlichter Adressen seiner Kommunionkinder. Die katholische Gemeinde hatte am Donnerstag – wie bereits seit Jahren – Namen und Anschriften der Kommunionkinder veröffentlicht. Eine Mutter will ihr Einverständnis nicht gegeben haben und stellt die Praxis generell in Frage.

„Wir wussten, dass die Namen im Pfarrbrief und in der Zeitung veröffentlicht werden sollen“, sagt die Mutter. „Aber wir haben nichts unterschrieben.“ Sie halte das für ein Unding, dass die Kirche ausgerechnet die Adressen von Kindern für jeden öffentlich macht. „Das steht einmal im Netz und ist nie mehr wegzubekommen.“

Keine Veröffentlichungen mehr geplant

Der Vorgang selbst ist unbestritten: Der Pastoralverbund hatte tatsächlich am Donnerstag die Namen und Anschriften der ersten 45 Kommunionskinder veröffentlicht. Beim Pastoralverbund zeigt man sich verwundert: Man habe von allen Eltern eine schriftliche Genehmigung eingeholt, heißt es im Gemeindebüro.

Gemeindereferentin Elke Luig versichert gerade vor dem Hintergrund der Datenschutzdebatte mit größter Vorsicht gehandelt zu haben: „Wir habe sogar extra noch einmal um eine schriftliche Genehmigung für die Weitergabe der Daten an die Presse gebeten. Erst als ich alles unterschrieben zurück hatte, habe ich das abgeschickt.“ Niemand habe seine Adresse veröffentlichen müssen, viele forderten das aber: „Wir haben auch ausdrücklich die Option gegeben, die Adresse wegzulassen.“ Was sie nicht ausschließen könne: Eltern könnten sich untereinander nicht einig sein. Luig zeigt sich persönlich getroffen. Sie kündigt an, im kommenden Jahr auf die Veröffentlichung zu verzichten.

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Aufklärung nicht möglich: Mutter nennt Namen nicht

Ob die Mutter wirklich nicht unterschrieben hat, lässt sich nicht nachprüfen. Sie will ihren Namen gegenüber der Gemeinde nicht preisgeben, weil sie fürchtet, dass für die ganze Familie das Kommunionsfest verdorben sein könnte.

Pfarrer Andreas Schulte kündigt Aufklärung für nächste Woche an. Grundsätzlich sei die Veröffentlichung seit Jahrzehnten Praxis: „Das ist gang und gäbe.“ Man wolle Nachbarn die Möglichkeit geben, zu gratulieren. Nur mit dem Namen der Kinder alleine komme man da nicht weiter. „Nehmen Sie meinen Nachnamen“, sagt Schulte. „Das ist ein Allerweltsname.“

Datenschützer prüfen den Fall noch

Wie bewertet der Datenschutz grundsätzlich die Veröffentlichung von Kinderadressen, selbst wenn es eine Einwilligung gibt? Eine Antwort ist gar nicht so leicht zu erhalten. Der Landesdatenschutzbeauftragte verweist auf WP-Nachfrage auf den Beauftragten der katholischen Kirche. Die Glaubensgemeinschaften haben auch beim Datenschutz eine Parallelstruktur. Die Katholische Kirche betreibt dafür ein eigenes Datenschutzzentrum mit einem Sitz in Dortmund. Diese Datenschützer prüfen den Fall noch. Man bemühe sich um eine schnelle Antwort, heißt es.

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