Klimawandel

Trockenheit in Balve: Geht Glärbachquelle das Wasser aus?

Balver Wasser gehört bei den Sitzungen von Rat und Ausschüssen dazu. Bürgermeister Hubertus Mühling ist alarmiert durch historisch niedrige Schüttmengen aus der Glärbachquelle.

Balver Wasser gehört bei den Sitzungen von Rat und Ausschüssen dazu. Bürgermeister Hubertus Mühling ist alarmiert durch historisch niedrige Schüttmengen aus der Glärbachquelle.

Foto: Jürgen Overkott

Balve.  Die Stadtwerke Balve melden alarmierende Zahlen. Die größte Quelle im Stadtgebiet hat binnen kurzer Zeit zwei historische Tiefststände erreicht.

Der Betriebsausschuss ist eine Fundgrube für Fans der höheren Mathematik. Üblicherweise enthalten die Ausschuss-Unterlagen Zahlen, Zahlen, Zahlen. Ob Bauhof oder Wasserversorgung: Die Materie ist dröge. So unspektakulär die Jahresabschlüsse der Stadtwerke, so spannend wurde es bei den Mitteilungen von Verwaltungschef Bürgermeister Hubertus Mühling. Demnach sprudeln die Quellen im Stadtgebiet derzeit nur noch dünn. Sitzt die Stadt bald auf dem Trockenen?

„Die Schüttmengen sind in einem desolaten Zustand“, sagte Mühling, als er die Grafik der Stadtwerke zum Stand der Wasserversorgung erläuterte. Das gilt vor allem für die Glärbachquelle, aus der üblicherweise das meiste Wasser fließt. Was Mühling alarmierte: Bereits im November vorigen Jahres erreichte die Schüttmenge einen historischen Tiefststand. Gerade mal 494 Kubikmeter lieferte die Quelle pro Tag. Zum Vergleich: Nur ein Jahr zuvor, im November 2017, sprudelten 1910 Kubikmeter. Mühling sah den Negativ-Rekord im vergangenen Herbst als Folge des trocken-heißen Rekordsommers.

Wassermenge nimmt seit März rasant ab

Danach, im Winter, schien Normalität einzukehren. Mehr noch: In diesem März verbuchten die Stadtwerke mit 2282 Kubikmetern einen historischen Spitzenwert.

Also alles wieder im grünen Bereich? Von wegen. Seit März nimmt die Wassermenge aus der Glärbachquelle rasant ab. In diesem Monat steht ein neuer Tiefstwert bevor. „Jetzt liegen wir bei 450“, stellte Mühling fest, „das ist bedenklich, was die Quelle anbelangt.“

Was tun? Ausschussvorsitzender Jörg Roland (CDU) brachte das bisherige Vorgehen der Stadtwerke auf die Formel: „Zu viel Wasser schütten wir weg; bei zu wenig Wasser müssen wir zukaufen.“

Menden liefert Trinkwasser zu

Genau das taten die Stadtwerke auch in Zeiten knappen Wassers. Im Dürre-Sommer 2018 glichen Zukäufe von den Stadtwerken Menden aus, was Balves Quellen nicht mehr liefern konnten. Ähnlich sieht es in diesem Sommer aus. Seit Mai schnellt die Menge Mendener Wassers in die Höhe. Seit August beziehen die Stadtwerke Balve mehr Wasser vom Mendener Partnerbetrieb als aus der Glärbachquelle.

Kurzfristig mag das funktionieren, langfristig indes nicht. Das weiß der Verwaltungschef. „Wir müssen das Wasserversorgungskonzept überarbeiten“, sagte Mühling, „wir können das in Zukunft nicht mehr so fahren.“

„Die Ruthmecke liefert verlässlich“, hieß es aus den Reihen der Ausschuss-Mitglieder. Kann die Volkringhausener Quelle einspringen? Mühling verwies auf die Grafik der Stadtwerke. Die Wassermengen der Ruthmecke bewegen sich in der Regel im Bereich von lediglich 200 Kubikmetern am Tag. „Das reicht gerade für die Versorgung von Volkringhausen“, meinte Mühling.

Wassermangel macht sich in Natur bemerkbar

Während Privatleute und Unternehmen den zunehmenden Wassermangel noch nicht spüren, macht er sich in der Natur überdeutlich bemerkbar. Förster Richard Nikodem wies bereits im vergangenen Jahr darauf hin, dass Dürre die Voraussetzung für die noch immer nicht gestoppte Borkenkäfer-Invasion war, die einst immergrüne Fichten als braune Baumgerippe zurückließ.

In diesem Sommer verschärfte sich die Wasserknappheit noch. Der Grundwasserspiegel sank im Stadtgebiet vielerorts um einen Meter. Kürzlich schlug Nikodem Alarm, als massenhaft vertrocknete Buchen sah. Das verdorrte Wurzelwerk wird schnell von Pilzen zersetzt, so dass die Stämme binnen weniger Monate ihre Standfestigkeit verlieren: Gefahr für Waldarbeiter wie Waldnutzer.

Nikodem wie Mühling kommen zu demselben Fazit: „Der Klimawandel ist da.“ Auf die Problemlöser kommt viel Arbeit zu.

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