Wirtschaft

Insolvenz: Anleger aus Balve zittern um eine Million Euro

Finanzberater Ralf Aßmann aus Balve.

Foto: Richard Elmerhaus

Finanzberater Ralf Aßmann aus Balve. Foto: Richard Elmerhaus

Balve.   15 Balver Anleger, die eine Million Euro investierten, müssen um ihr Geld bangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug.

Denn die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Betrug bei der EN Storage GmbH (Datenspeicherung) eingeleitet. „Es kann sein, dass meine Kunden ihr Geld verlieren, denn das Unternehmen aus Baden-Württemberg hat Antrag auf Insolvenz gestellt“, sagt Finanzberater Ralf Aßmann aus Balve.

Riesige Datenspeicher

Bei der Storage GmbH handelt es sich um ein Unternehmen, das mit riesigen Datenspeichern bei Nutzerfirmen oder Behörden Geld verdienen wollte. Dies gilt auch für die Anleger aus der Hönnestadt, die bis Februar 2017 eine Rendite von etwa sieben Prozent kassierten.

Bevor Ralf Aßmann seinen Kunden bundesweit die Anleihen verkauft hat, war er mit einigen von ihnen im Stammhaus, um die Bilanz des Unternehmens einzusehen. „Die Wirtschaftsprüfer haben der EN Storage attestiert, dass es sich um ein gesundes Unternehmen mit einem Eigenkapital von 14,9 Millionen Euro handelt. Ich war deshalb überzeugt von dem System, zumal die Transparenz sehr gut war. Diesen Eindruck hatten auch meine Kunden gewonnen, die mit vor Ort waren“, erzählt Aßmann.

Besuch womöglich gesteuert

Heute ist er sich fast sicher, dass der Besuch von der Geschäftsführung gesteuert war. „Nachdem einer der Geschäftsführer in Haft genommen worden ist, muss ich annehmen, dass uns gefälschte Zahlen und Verträge vorgelegt worden sind“, sagt der Finanzberater aus Balve, der als Angestellter der EN Storage GmbH wahrscheinlich selbst 100 000 Euro verloren hat.

Schreck in der Morgenstunde

„Der Schreck kam in der Morgenstunde. Wir waren auf dem Weg nach Bremen, als ich durch unseren Vertriebsleiter die Nachricht von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens erhalten habe. Daraus ging hervor, dass Geschäftsführer Novalic laut den Ermittlern einen Großteil der Verträge und Zahlungsabläufe gefälscht haben soll. Er hat dadurch nicht nur unsere treuen Geschäftspartner, sondern auch unsere Mitarbeiter angelogen“, ließ Lutz Beier, Gesellschafter & Geschäftsführer, seinen Mitarbeiter Aßmann wissen.

Ob dieser Hiobsbotschaft und den Verlust einer sechsstelligen Summe sah sich der Finanzberater gezwungen, sein Büro in der Garbecker Straße zu kündigen. Da er seit Januar 2016 Angestellter der EN Storage GmbH war, hat er durch den vermeintlichen Betrug auch seinen Arbeitsplatz verloren.

Kein Einzelfall

Als Aßmann sofort seine Kunden über die fatale Situation informierte, hatte er es auch mit einem Staatsanwalt zu tun, der ebenfalls sein Geld bei der EN Storage GmbH in die Datenspeichersysteme investiert hatte. Der Anklagevertreter, der wahrscheinlich 30 000 Euro abschreiben muss, erzählte in dem Gespräch: „Das, was hier passiert ist, ist für Sie und mich ärgerlich, aber solche Firmen nehmen wir täglich hoch.“

Auf die Frage, ob er sich einen Vorwurf mache, erklärt Ralf Aßmann: „Ich mache mir nur den Vorwurf, die Leute zu dieser Investition gebracht zu haben. Aber ich kann noch in den Spiegel schauen, weil ich vor dem Risiko gewarnt und das gesamte System gewissenhaft überprüft habe. Wenn ich nicht selbst von der Seriosität des Geschäftszweck Datenspeicherung überzeugt gewesen wäre, hätte ich doch nicht 100 000 Euro investiert.“

>>> Was noch?

Die EN Storage GmbH hat laut ihrer Werbung Datenspeicherung für internationale Unternehmen und staatliche Institutionen angeboten. Finanziert wurden die Geschäfte auch mit dem Geld privater Anleger.

Mit Direktinvestments und sogenannten Inhaberschuldverschreibungen hat die Firma möglicherweise etwa 30 Millionen Euro eingesammelt.

Auch interessant
Aus der Rubrik