EINZELHANDEL

Balve: Leckerschmecker und Nähmaschinenflüsterer

Irakischer Supermarkt in Balve: Faris Al Obaidi floh aus seiner Heimat im Irak. Um nicht vom Staat leben zu müssen, eröffnete er einen Laden mit Lebensmitteln aus seiner Heimat.

Irakischer Supermarkt in Balve: Faris Al Obaidi floh aus seiner Heimat im Irak. Um nicht vom Staat leben zu müssen, eröffnete er einen Laden mit Lebensmitteln aus seiner Heimat.

Foto: Nele Gimbel / WP

Balve.  Faris Al Obaidi betreibt seit fast einem Jahr einen Supermarkt mit Orient-Spezialitäten. Der gebürtige Iraker hat aber noch mehr zu bieten.

Faris Al Obaidi floh aus seiner Heimat im Irak. Um nicht vom Staat leben zu müssen, eröffnete er in der Balver Innenstadt einen Laden mit Lebensmitteln aus seiner Heimat. Das war vor knapp einem Jahr. Welche Erfahrungen hat der Einzelhändler gemacht?

Faris Al Obaidis kleines Geschäft liegt in der Alten Hospitalgasse. Der Standort gilt als 1-b-Lage. Dennoch ist gibt es Laufkundschaft. Immerhin liegt das Rathaus nur einen Steinwurf entfernt. Auch das Pfarrarchiv der katholischen Gemeinde St. Blasius zieht montags bis freitags zumindest in den Vormittagsstunden immer wieder Besucher an, die dem ehrenamtlichen Archivar Rudolf Rath Erbstücke bringen oder Informationen holen. Und Faris Al Obaidis?

Rückblende. In seiner Heimat, dem Irak, war er als Journalist tätig. Auf Grund von politischen Gegebenheiten musste er fliehen, der Weg führte in Richtung Deutschland. Ihm war klar, dass er aufgrund von Sprach-Barrieren nicht in seinem alten Beruf würde arbeiten können. Was tun? Vom Staat zu leben kommt für den 45-Jährigen nicht in Frage. „Ich möchte keine finanzielle Hilfe bekommen, meinen Lebensunterhalt möchte ich mir selber erarbeiten.“, betont der Ladenbesitzer.

Aus dieser Motivation heraus eröffnete Faris Al Obaidi vor rund einem Jahr sein Geschäft. Er bietet diverse Spezialitäten wie zum Beispiel Humus, aber auch herkömmliche Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse an. Der Familienbetrieb bezieht seine Ware sowohl von Großmärkten in Dortmund, Wuppertal und Essen als auch von heimischen Großhändlern.

Doch Faris Al Obaidis Bilanz fällt durchwachsen aus. Nicht etwa die Corona-Krise hat dem Lebensmittelladen zugesetzt, sondern das schleppende Tagesgeschäft. Bislang ist der große Kundenansturm ausgeblieben. Warum?

Er gilt als Nähmaschinen-Flüsterer

„Balve ist eine kleine Stadt. Es gibt wenig Bewohner arabischer Abstammung, daher ist das Interesse an Spezialitäten nicht so groß“, meint der 45-Jährige.

Dennoch sieht er Zeichen der Hoffnung. Einige neue Kunden konnte der Geschäftsmann im Laufe des Jahres dennoch gewinnen. Vor allem Bürger mit Migrationshintergrund besuchen den kleinen Laden in der Alten Hospitalgasse regelmäßig.

Faris Al Obaidi gilt als Mann mit vielen Talenten. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit engagiert er sich ehrenamtlich in dem Repair-Café Balve. Die Reparatur-Initiative des Vereins „Hönnetal im Wandel“ besteht bereits seit über fünf Jahren. Unter dem Motto „Wegwerfen? Denkste!“ werden bei den Veranstaltungen Alltagsgegenstände wiederhergerichtet – von einem ehrenamtlichen Schrauber-Team.

Fairs Al Obaidi gehört dazu. Binnen kürzester Zeit hat er sich bei Hobby-Schneiderinnen und Freizeit-Näherinnen einen Namen gemacht. Er kann nämlich die gute, alte Singer Vollzickzack reparieren – so gut, dass der Iraker im Hönnetal inzwischen als Nähmaschinen-Flüsterer wird. Faris Al Obaidi kümmert sich auch um beschädigte Kleidung – auch um die besonders schwierigen Fälle.

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