Gericht

Balver mit falschem polnischem Moped-Führerschein unterwegs

Bei einer Kontrolle fiel den Beamten der gefälschte Führerschein des Balvers auf.

Bei einer Kontrolle fiel den Beamten der gefälschte Führerschein des Balvers auf.

Foto: Andreas Bartel / WAZ FotoPool

Balve.  Weil er in Deutschland ohne MPU keinen Lappen mehr bekommt, macht ein Balver in Polen seinen Moped-Führerschein. Doch der ist ungültig.

Bei ausländischen Führerscheinen schauen Polizeibeamte in der Regel immer genau hin. So auch bei einem Balver im Juni dieses Jahres. Dabei fiel den Beamten auf, dass der Führerschein zum einen gefälscht und zum anderen, dass das Moped nicht versichert war. Vor dem Amtsgericht Menden präsentierte er zudem seine falschen Führerscheindokumente – und die Geschichte dahinter.

Glaube an Echtheit der Dokumente

Der 33-Jährige gab zu, im Juni auf der Straße Grübeck in Richtung Eisborn unterwegs gewesen zu sein. Als die Polizisten den Führerschein kontrollierten, fiel sofort auf, dass es sich um eine Fälschung handelt. „Das Geschäftsmodell mit polnischen Führerscheinen kommt in Wellen alle fünf Jahre wieder. Das Problem ist, dass die Menschen glauben, dass das legitim ist“, berichtet der Verteidiger des Angeklagten über ähnlich gelagerte Fälle, die er selbst erlebt hat.

Die Urkunde zum gefälschten Führerschein hat der Balver gleich mitgebracht. Auf laminiertem Hochglanzpapier prangen die englischen Wörter „Driver’s Licence“. 2400 Euro habe der 33-Jährige seinerzeit für den Führerschein bezahlt. Dass er dafür extra nach Polen gefahren ist, hat allerdings einen Grund. Denn zwischen 2007 und 2011 ist der Balver mehrfach ohne Führerschein und betrunken im Straßenverkehr unterwegs gewesen. „Ohne eine MPU bekommen Sie gar keinen Führerschein mehr in Deutschland“, merkte die Vorsitzende Richterin dazu an. Bis 2012 sei er für einen neuen Lappen gar komplett gesperrt gewesen.

Tipp kam von einem Cousin

Aber nicht nur die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) nennt der 33-Jährige als Grund: „Es ist auch ein bisschen teuer hier.“ Seine Idee sei gewesen, dass man mit einem europäischen Führerschein wohl auch in jedem Land Europas fahren dürfe. Doch bei der Frage nach Fahrstunden und Co. staunen Richter und Staatsanwalt nicht schlecht.

„Wie sind Sie auf die Fahrschule überhaupt aufmerksam geworden?“, will der Staatsanwalt vom Angeklagten wissen. Sein Cousin habe ihm diese Methode empfohlen, das sei sicher. Zunächst habe er sich im Frühjahr 2016 in der Fahrschule angemeldet. Fahrstunden und Theorie hätte er innerhalb von zwei Wochen im Jahr 2017 gemacht. Die Fahrt, bei der er kontrolliert wurde, sei ohnehin die erste gewesen, die er nach dem Moped-Führerschein gemacht habe.

„Eigentlich ist es seit vielen Jahren bekannt, dass es da Probleme gibt“, erklärt auch der Verteidiger des Balvers. Sein Mandant sei einfach „zu naiv“ gewesen und sei dabei um 2400 Euro geprellt worden – für einen Führerschein, mit dem er nichts anfangen kann. Nach den Schilderungen des Balvers sahen Richterin und Staatsanwalt zwar keinen Grund mehr, den 33-Jährigen wegen Urkundenfälschung zu belangen, wohl aber wegen fahrlässigen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. „Man hätte erkennen können, dass der Führerschein keine Gültigkeit besitzt“, so der Staatsanwalt. Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro.

Verurteilt wurde der Balver schließlich zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro. Von einer Führerscheinsperre sah das Gericht schlussendlich aber ab.

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