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Balves Bürgermeister kontert UWG: Wir haben keine Todeszone

Balve kommt Touristen buchstäblich entgegen Der Tourismus-Büro liegt seit kurzem mitten in der Stadt. Bei der Eröffnung Bürgermeister-Vertreter Michael Bathe, die Stadt-Touristikerinnen Anna Schulte und Mailin Krause sowie Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU), von links).

Balve kommt Touristen buchstäblich entgegen Der Tourismus-Büro liegt seit kurzem mitten in der Stadt. Bei der Eröffnung Bürgermeister-Vertreter Michael Bathe, die Stadt-Touristikerinnen Anna Schulte und Mailin Krause sowie Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU), von links).

Foto: Sven Paul / WP

Balve.  Nächste Woche wird der Stadt-Etat beschlossen, n#ächstes Jahr gibt’s Kommunalwahlen. Was nun, Bürgermeister Mühling?

Der November ist der stressigste Monat des Jahres: Das weiß Bürgermeister Hubertus Mühling aus Erfahrung. Jahresabschlüsse von Stadt und Stadt-Töchtern müssen gemacht werden, außerdem steht Balves Etat fürs kommende Jahr an. Am Mittwoch, 4. Dezember, entscheidet der Rat. Vorab stand Mühling der WP Rede und Antwort.

Angenommen, Sie stünden vor der Entscheidung, nach Balve zu ziehen. Was spräche dafür?

Hubertus Mühling Landschaftlich reizvoll mit touristischen Highlights, kleine, familiäre Gesellschaft. Infrastruktur ist vorhanden: Schule, niedrige Arbeitslosenquote, schöne Wohnlagen. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Das sieht UWG-Fraktionschef Lorenz Schnadt anders – zumindest mit Blick auf den Etat. Er will eine „Todeszone“ ausgemacht haben.

Dagegen verwahre ich mich. Wir sind von einer „Todeszone“ weit entfernt. Ich habe, gemeinsam mit Kämmerer Hans-Jürgen Karthaus, handwerklich solide Arbeit geleistet. Wir gehen bei der Einschätzung der Einnahmen durch die Gewerbesteuer immer konservativ vor. Was am Ende eingezahlt wird, können wir nicht auf den Euro voraussehen.

Stadt und Kreis planen in Balve einen Geschichtspark, die zahlreiche Sehenswürdigkeiten – Schloss Wocklum, Luisenhütte, Frühzeitmuseum, Pfarrkirche St. Blasius – zu einem Paket zusammenfasst. Ist das eine Investition in die Zukunft?

Stadt und Kreis hatten gemeinsam, den Standort – wie man heute sagt – zu auf zu pimpen. Dazu gehört übrigens auch die Höhle. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt schlechthin. Wir haben Leuchttürme in der Stadt, die andere gerne hätten. Aber wir haben bisher zu wenig daraus gemacht. Das wollen wir ändern.

Wie wollen Sie den Geschichtspark vermarkten?

Über die sozialen Medien, die eine entscheidende Rolle spielen – auch übrigens über die Kanäle des Märkischen Kreises und des Sauerlandes. Der Geschichtspark gehört ein Stück weit zu unserer Tourismus-Strategie.

Die Audioführer der Museum sollen künftig auch auf Niederländisch zu hören sein. Sehen Sie im Nachbarland Potential?

Die Geschäftsführung des Sauerland-Tourismus sieht als Speerspitze ins Märkische. Der Sauerland-Tourismus hat die Niederländer auf dem Schirm. Aus deren Perspektive haben wir das erste Mittelgebirge. Für Niederländer sind wir – das gilt übrigens auch für die BO-DO-Leute aus Bochum und Dortmund – die erste Adresse für einen Kurzurlaub.

Andere Leute wollen bleiben. Es sieht so aus, als würde der Start des Baugebietes Schmandsack um ein Jahr vorgezogen. Was sind die Gründe?

Zunächst mal ist das ein Antrag der CDU. Aber ich kann sagen: Wir werden mit dem Bebauungsplan im nächsten Jahr an den Start gehen. Wir müssen unbedingt neues Bauland in Balve schaffen. Wir reden viel über Innenstadt-Verdichtung. Aber da passiert nicht so viel, wie es passieren soll. Da haben wir als Stadt keine Einflussmöglichkeiten. Da entscheiden Privatleute. Also: Baugebiete müssen von uns ausgewiesen werden, damit Käufer wissen, da gibt es was.

Die Stadt muss ein Interesse daran haben, dass die Einwohnerzahl zumindest stabil bleibt.

E

s muss genügend Bedarf da sein für Kindergärten, Schulen, soziale Einrichtungen.

Der Einwohnerschlüssel ist auch für den Einzelhandel interessant...

...aber mehr noch die Kaufkraft, wir haben in Balve eine hohe Kaufkraft.

Eigentum holt und hält Kaufkraft.

Wir waren in Balve bei der Arbeitslosenquote immer führend – auch in schlechten Jahren. Es fließt aber in Balve noch viel Kaufkraft ab.

Und da denke ich an die Leerstände in der Hauptstraße. Was kann die Stadt dagegen tun?

(lacht) Tja, das ist die Gretchenfrage. Fakt ist: Ladenlokale stehen leer. Da spielt das Internet eine Rolle, und da sind die Kunden gefragt, mal wieder zum Fachhändler zu gehen. Der Fachhandel muss sich auch mühen: Ich kann mit dem Preisen im Netz nicht mitgehen, aber kann ich Freundlichkeit, Beratung und Service bieten – zum Beispiel bestellte Produkte zum Kunden zu bringen. Die Apotheker machen’s uns vor. Was kann die Stadt tun? Sie kann die Infrastruktur hübsch machen. Wir haben die Dreikönigsgasse ausgebaut, wir haben den Stadt-Tourismus in die Stadt gebracht, wir werden vermutlich im nächsten Advent das Haus Mines fertig haben.

In der Dreikönigsgasse herrscht kaum Begeisterung.

Der Anlieger muss Kosten tragen. Die Kosten gelten bei allen Straßen. Und in der Balver Innenstadt muss man sehen, dass die Wohnlage hochwertig ist. Die Regelung ist übrigens vom Rat einstimmig beschlossen worden. Wenn die Straße attraktiv und nicht einfach nur asphaltiert ist, hebt das den Wert der Grundstücke. Wir warten jetzt alle auf die Regelung in Düsseldorf. In Balve würde der Satz zu 80 auf 40 Prozent sinken, auch in der Dreikönigsgasse. Es ist nicht das, was wir uns erhofft haben, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und: Düsseldorf erstattet uns das fehlende Geld zurück.

Ein weiterer Aufreger ist der geplante Ausbau des Steinbruchs in Eisborn. Sehen Sie Zeichen für eine einvernehmliche Lösung?

Ich hoffe es. Das habe ich schon in der Bürgerversammlung gesagt. Frontalopposition hilft nicht viel. Man muss miteinander reden. Das Dorf ist mit dem Vereinsforum auf einem guten Weg. Der runde Tisch ist ein gutes Angebot. Da soll das Dorf, mit Unterstützung der Stadt, zusammen mit dem Steinbruch-Betreiber eine Lösung finden – außerhalb des Planverfahrens.

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