CORONA-KRISE

Balves Physios in Not: „Uns muss schnell geholfen werden“

alBalve  Physio Herde Barmer RW Mellen (C) Jürgen Overkott, 20.8.2019

alBalve  Physio Herde Barmer RW Mellen (C) Jürgen Overkott, 20.8.2019

Balve.  Die Physio-Praxen trifft die Corona-Krise. Sie müssen geöffnet bleiben. Aber viele Patienten bleiben weg.

Ob Physiotherapeuten oder Podologen, Ergotherpeuten oder Logopäden: Den sogenannten Heilmittelerbringern droht corona-bedingt der finanzielle Ruin. Das sagte Dorothee Herde, Chefin der gleichnamigen Physio-Praxis im Gesundheitscampus Balve, der „Westfalenpost“ am Mittwoch. Sie betonte, ihren Kollegen gehe es ähnlich wie ihr. Was kann ihnen helfen?

Heilmittelerbringer gelten als „systemrelevant“ für das Gesundheitswesen – wie Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser. Daher müssen sie ihre Arbeit weiterführen. „Wir wollen die Praxen auf jeden Fall geöffnet halten“, meinte Dorothee Herde, „weil wir eine medizinische Versorgungspflicht gegenüber unseren Patienten haben. Wir haben viele Patienten, die uns brauchen, Menschen, die Schmerzen haben, Menschen, die geschwollene Arme und Beine haben, Menschen, die Lymphdrainagen brauchen. Wir dürfen alle Patienten, die ein Rezept haben, weiterbehandeln.“

Schutzausstattung sei noch vorhanden, versicherte Dorothee Herde, auch Desinfektionsmittel.

Und dann folgte ein großes Aber: „Viele Patienten brechen uns weg, die Angst haben. Sie dürfen absagen. Das kann ich auch verstehen. Im Ergebnis ist das so: Die Hälfte der Patienten kommt nicht mehr.“

Der NRW-Landesverband der Berufsinteressenvertretung Physio Deutschland hat Gründe für die Absagen erforscht. Demnach haben Patienten aus der Risikogruppe der älteren Bürger Angst vor Ansteckung. Manche glauben irrigerweise, der Besuch einer Physio-Praxis verstoße gegen das Kontaktverbot.

Dorothee Herde: „Das ist für uns eine sehr verzwickte Lage.“

Rücklagen schnell verbraucht

Sie und Kollegen wie Stephanie Horn und Hubert Willecke beklagen große Umsatz-Einbußen – bei geringen Vergütungssätzen. Zugleich laufen ihre Kosten weiter, etwa Pachten und Versicherungen. Kurzarbeit ist längst ein Thema. Die heimischen Praxen laufen bereits im Minimalbetrieb, heiß es. Rücklagen seien schnell aufgebraucht.

Die Heilmittelerbringer schlussfolgern mit Blick auf den geplanten Rettungsschirm der Bundesregierung: „Uns muss schnell geholfen werden.“ Der Verband fordert Ausgleichszahlungen von den gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten für Physiotherapie und vergleichbare Leistungen seien bei den Kassen ohnehin eingepreist. Mehrkosten entstehen ihnen nach Ansicht des NRW-Berufsverbandes nicht. „Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel. Den Heilmittelerbringern rettet das aber die Existenz.“ Andernfalls sei die künftige Versorgung mit Heilmitteln in der Zukunft gefährdet, neben bundesweit Hunderttausenden von Arbeitsplätze sei die Gesundheit breiter Bevölkerungsschichten gefährdet. Um das zu verhindern, will der Verband erreichen, dass ihn die Bundesregierung schon im ersten Maßnahmenpaket berücksichtigt.

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