BAUM-REPORT

Borkenkäfer-Alarm bei Christbäumen und Schnittgrün?

Adelheid Lösse mit Weihnachtsdeko in ihrem Lädchen auf dem Jungferngut im Balver Ortsteil Garbeck

Adelheid Lösse mit Weihnachtsdeko in ihrem Lädchen auf dem Jungferngut im Balver Ortsteil Garbeck

Foto: jürgen overkott / WP

Garbeck.  Der Borkenkäfer hält heimische Waldbauern in Atem. Seit zwei Jahren fräßt er sich durch Fichten. Alarm fürs Weihnachtsgeschäft?

Der Borkenkäfer wütet im Tann, und das im zweiten Jahr in Folge. Was bedeutet das fürs Weihnachtsgeschäft der Forstwirtschaft? Ein Besuch auf dem Jungferngut von Bernward Lösse in Garbeck.

Der Tag geht, eine Polizistengruppe aus Hemer kommt. Bernward Lösse war mit den Beamten im Wald. Der Agrar-Ingenieur hat ihnen erklärt, warum „Kyrill“ so verheerend gewütet hat, hat ihnen erläutert, wie er auf die Klimaerwärmung reagiert, hat ihnen vermittelt, was der Borkenkäfer anrichtet.

Zwei Arten der gefräßigen Gesellen lassen Fichten vertrocknen: der Buchdrucker und der Kupferstecher. Vor allem auf Fichten haben sie’s abgesehen. Aber auch über andere Nadelbäume fallen sie her.

Auch über Weihnachtsbäume und Schnittgrün? Bernward Lösse schmunzelt. „Die Weihnachtsbäume sehen passabel aus“, stellt er fest. „Der Borkenkäfer spielt keine Rolle.“ In der Regel sind die Christbäume acht bis neun Jahre alt.

Das Geschäft läuft längst. Gewerbliche Kunden lassen sich schon Anfang November sehen, ordern Bäume für Arztpraxen und Altenheime, Autohäuser und Bürogebäude. „Bevorzugt gekauft werden vier Meter hohe Bäume.“ Nur draußen dürfen die Bäume auch mal zehn Meter hoch sein. Wo, bitte, sind sie im Mammut-Format zu sehen? Bernward Lösse antwortet prompt: „Vor der Kirche, vor der Höhle und nicht zuletzt im Sauerlandpark.“

Trend geht zum Zweitbaum

Wie sieht’s mit privater Kundschaft aus? „Viele Privatleute stellen Bäume schon in der Adventszeit auf“, stellt Bernward Lösse fest, „und schmeißen sie direkt nach Weihnachten wieder raus – die Sitten haben sich geändert.“

In manchem Haushalt geht der Trend allerdings zum Zweitbaum. Wenn Fichte oder Tanne bereits im Advent Lichterketten tragen, ist es Weihnachten mit der Herrlichkeit vorbei. Kein Wunder, dass mancher Baumfan vorm Fest nachlegt.

Welche Baumarten sind gefragt? Die Frage mag Bernward Lösse nicht eindeutig beantworten. „Manche wollen eine Fraser-Tanne, andere mögen Blaufichten: Der Duft ist ein Argument.“ Balsamtannen gehen ebenfalls gut, auch Nobilis.

Nobilis ist zudem als Schnittgrün gefragt. Die Edeltanne hält nämlich länger Feuchtigkeit als andere Nadelbäume. Doch bei der Baumart hat Bernward Lösse ein Problem ausgemacht. Ein kleiner Teil seiner Bestände fiel dem Borkenkäfer zum Opfer. Was ist passiert? Bernward Lösse: „Ich habe ein paar Nobilis oben auf der Kuppe stehen. Da ist die Bodenschicht dünner. Bei Regen wird immer etwas Erde den Hang hinunter gespült.“ Edeltannen auf den Höhen haben weniger Wasser als weiter unten. Weniger Wasser bedeutet weniger Harz: der Stoff, der gegen Käfer schützt.

Welche Folgen hat das fürs Nobilis-Grün? „Das Angebot ist ein wenig kleiner als in den Vorjahren“, sagt Bernward Lösse. „Die Preise haben etwas angezogen – allerdings nicht in erster Linie wegen der Käfer, sondern vor allem wegen gestiegener Lohnkosten.“

Dennoch bleibe die Marge klein, meint Bernward Lösse. Doch seine Frau Adelheid und er haben einen Geschäftszweig entdeckt, der sich lohnt: Deko für Baum und Wohnung. Die Lösses haben ihr Café zu einem Showroom für Weihnachtsartikel gemacht. Hoch über den Tischreihen schweben geschreinerte Sterne und Engel. Das wirkt. „Bei vielen Kunden geht das so: Lädchen, Kaffee, Lädchen“, erzählt Adelheid Lösse. Dabei lächelt sie verschmitzt.

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