BILDUNGSREFORMERIN

Darum ist Herbert Bongard so stolz auf seine Großtante

Herbert Bongard; Nachfahre der aus Mellen stammenden chilenischen Bildungsreformerin Elisabeth Bongard

Herbert Bongard; Nachfahre der aus Mellen stammenden chilenischen Bildungsreformerin Elisabeth Bongard

Foto: Alexander Lück / WP

Mellen.  Am Dienstag erhält Bildungsreformerin Elisabeth Bongard eine Erinnerungstafel in Balve. Nachfahre Herbert Bongard erzählt, warum er so stolz ist.

Im Lesecafé der Balver Bücherei geht es am Dienstag, 15 Uhr, um das Leben der Mellenerin Isabel Bongard, die das Bildungssystem von Chile reformierte. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war das. Die Pädagogin wurde berühmt. Ihre Nachfahren halten weiter Kontakt ins Sauerland – etwa zu Herbert Bongard.

Er wohnt immer noch auf dem Hof im Golddorf, auf dem auch Isabel Bongard (damals noch Elisabeth mit Namen, er wurde dann in Chile geändert) 1849 geboren wurde. „Isabel ist meine Großtante, sie war die Schwester meines Opas“, erzählt Herbert Bongard. Die Chance, sich gegenseitig kennen zu lernen, gab es nicht. 1928 ist Isabel mit 79 Jahren verstorben. Herbert Bongard kam 1930 zur Welt.

Aber 1937 lernte er Edgar und Erna kennen, zwei Enkel von Isabel Bongard. Damals Anfang, Mitte 20 verbrachten die beiden ein wenig Zeit in Mellen. Und natürlich hat Bongard Bilder aufbewahrt, die diese Zeit festhalten. Etwa wie Erna eine Kuh melkt. Überhaupt: Auf dem Dachboden lagert noch so einiges, was an Isabel Bongard erinnert. Schulhefte etwa, kleine Texte und Gedichte.

Auswandern als Chance

Die Sütterlinschrift kann Herbert Bongard entziffern, mit Unterstützung seiner Kinder hat er das ganze auch in einer für uns lesbaren Form noch einmal schriftlich festgehalten. Und von Paula, der Tochter Isabel Bongards, besitzt er Bilder, ein künstlerisches Talent. Letztlich war Paula als nicht-eheliches Kind der Grund, dass Isabel auswandern musste: Als Lehrerin war sie nach damaligen Regeln beruflich ohne Chance. Aber wie das Leben so spielt, eröffnete sich ihr dadurch die Chance, das chilenische Bildungssystem Ende de 19., Anfang des 20. Jahrhunderts nach deutschem Vorbild auf den Kopf zu stellen. So bestellte Herbert Bongards Großtante viele ihrer benötigten Materialien immer noch in Deutschland.

Erster Kontakt vor zehn Jahren

Als vor zehn Jahren Dr. Werner Würtele und Adriana Alfonso das erste Mal Kontakt nach Mellen aufnahmen, um ihre Nachforschungen über Isabel Bongard voran zu treiben (wir berichteten) weckte das auch bei Herbert Bongard Neugier.

Der Kontakt zu den Nachfahren von Isabel Bongard ist dadurch wieder intensiver geworden. Vor wenigen Wochen war Lilo, eine Urenkelin der deutschen Bildungsreformerin, im Golddorf zu Gast. „Es kommen immer wieder mal Menschen aus der Familie nach Mellen und auf den Hof, die wir bisher noch nicht kannten“, lacht Simone Kolossa, Herbert Bongards Tochter. Fünf Kinder hat er insgesamt.

Moderne Medien machen die Kommunikation mit Chile leichter. Herbert Bongard zeigt einen Brief aus den 1920er Jahren, mitten in der Wirtschaftskrise und Inflation. Der Versand des Schriftstücks kostetet seinerzeit 80 Mark.

Zur Silberhochzeit nach Rom

In Chile gewesen ist Herbert Bongard nie. „Ich wäre gerne mal dorthin gereist. Wenn die beiden etwas früher mit ihren Forschungen zu mir gekommen wären...“. Er meint Werner Würtele und Adriana Alfsono. Andererseits: Freizeit war für die Bongards in Mellen immer ein Luxusgut. Es galt schließlich, den Hof zu bewirtschaften. „Die erste richtig weite Reisen haben meine Frau und ich zur Silberhochzeit gemacht, nach Rom.“ Würtele und Alfonso, die in Berlin leben, bis heute noch für weitere Recherchen in der Umgebung unterwegs, waren natürlich auch in Mellen zu Gast. Und für eine Stippvisite auf dem Garbecker Schützenfest.

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