AUSBILDUNGSSERIE

Darum ließ Balver Tim Kühnel das Voll-Abi sausen

Sparkassen-Azubi Tim Kühnel mag den Umgang mit Menschen. 

Sparkassen-Azubi Tim Kühnel mag den Umgang mit Menschen. 

Foto: Solveig Flörke

Balve.   Die Sparkasse bildet aus, und der junge Balver Tim Kühnel griff gern zu. Was den ehemaligen Realschüler motiviert.

Wer die Balver Sparkassen-Filiale betritt, der könnte seit dem vergangenen Jahr von Tim Kühnel betreut werden. Hochgewachsen, dunkelhaarig und adrett gekleidet - der 19-Jährige am Schalter ist einer von insgesamt sieben Azubis, die sich seit 2018 bei der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis zum Bankkaufmann ausbilden lassen. Zweieinhalb Jahre wird seine Lehre dauern; nur so bietet es die Berufsschule in Halver an. Man ist also etwas schneller fertig als die meisten Azubis in anderen Bereichen.

Für den ehemaligen Balver Realschüler aber nicht das entscheidende Argument, warum er sich für eine Banklehre entschieden hat. „Ich interessiere mich für Wirtschaft und Finanzen und mag den Kontakt mit Menschen. Außerdem ist mein Onkel auch Bankkaufmann, und durch ihn kam es dann, dass ich schon mein Praktikum bei der Bank machen wollte“, sagt Tim Kühnel. Damals war er in den Filialen Balve und Neuenrade zu Besuch, und die Erfahrungen dort bestärkten ihn nur noch in seinem Wunsch. „Ich habe dann noch kurz drüber nachgedacht, Vollabi zu machen, habe mich aber zum Schluss für die Ausbildung entschieden.“

Den potenziellen Bankkaufleuten winkt ein gutes Gehalt: von 1018,20 Euro im ersten Lehrjahr bis 1127,59 Euro im dritten.

Es gibt keine Bewerbungsfristen bei der Sparkasse: Ganzjährig können sich Interessierte im Netz unter dieser Adresse bewerben: „www. spk-mk.de/ausbildung“.

Zügige Rückmeldung

Nachdem Tim seine Bewerbung auf der Internetseite der Bank eingepflegt und den Online-Test abgeschickt hatte, landete alles bei Simone Maxwitat. Die Iserlohnerin ist zuständig für die Azubis, hat selbst ihre ganze bisherige Berufskarriere bei der Sparkasse absolviert. „Ich sehe dann zu, dass die Bewerber auch ganz zügig Bescheid bekommen, ob es geklappt hat mit der Bewerbung oder nicht“, sagt sie. „Denn jemanden wochenlang auf eine Antwort warten zu lassen, das finde ich nicht richtig.“ Bei der Auswahl der Bewerber sind ein paar Eigenschaften besonders wichtig: „Ohne Kontaktfreude geht es nicht, der Spaß im Umgang mit Menschen muss einfach da sein. Außerdem sind Verantwortungsbewusstsein, ein gewisses Interesse an Wirtschaft und Finanzen von Vorteil.“

Wie viele seiner Kollegen, hat auch Tim ein Fachabitur. „Voraussetzung ist das nicht“, versichert Simone Maxwitat. „Ab der mittleren Reife bilden wir aus.“ Jedes Jahr vergibt die Sparkasse im MK sechs bis acht Ausbildungsplätze und die Chancen für Interessierte steigen, weil die Bewerberzahlen in den vergangenen Jahren rückläufig sind.

Sebastian Richter, Marktbereichsleiter für Balve und Neuenrade, führt das vor allem darauf zurück, dass der Beruf des Bankkaufmanns kaum noch bekannt sei. „Heutzutage kommt man vielleicht einmal mit seinen Eltern zum Kontoeröffnen in die Bank, aber der Rest läuft dann online“, sagt er. „Die Zeit zwischen der Kindheit mit Spardose und Weltspartag und dem Erwachsenenalter, wenn man eine Baufinanzierung braucht, die geht ein bisschen unter in der Wahrnehmung vieler Menschen. Deshalb wissen viele junge Leute auch nicht, was man als Bankkaufmann überhaupt macht.“

Tim schätzt, dass seine Arbeit vielseitig und abwechslungsreich ist. „Und dass ich auch vieles von Anfang an machen darf.“ Oder wie Sebastian Richter sagt: „Vom ersten Tag an müssen unsere Azubis auch mit nach vorne.“ Der 33-jährige Mendener ist seit 2015 bei der Sparkasse. Gelernt hatte er bei der Volksbank. Nachdem er vor einem Jahr, neben Balve auch den Marktbereich Neuenrade übernommen hat, ist er verantwortlich für 30 Mitarbeiter. „Berufsbalver zu werden, war definitiv die richtige Entscheidung“, sagt er. „Ich bin in mindestens drei Schützenvereinen Mitglied geworden seitdem.“

Freude an Fortschritten

Für Simone Maxwitat und ihn sei es schön zu sehen, wie sich ihre Azubis entwickeln. „Das Tollste ist, die junge Leute zu begleiten. Im Prinzip werden sie während der Ausbildungsjahre bei uns ja richtig erwachsen“, sagt die gebürtige Altenaerin. Was Tim nach seiner Ausbildung macht, das lässt er erstmal auf sich zukommen: „Ich finde es hier schön und bin zufrieden. Mich zieht eigentlich nichts weg.“

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