Untersuchung läuft

Datenschützer: Vorsicht bei Adressen von Kommunionkindern

Ein netter Gratulationsbrief von entfernt Bekannten? Man müsse Vorteile und Risiken der Bekanntgabe von Adressen genau abwägen, sagt der Datenschützer.

Ein netter Gratulationsbrief von entfernt Bekannten? Man müsse Vorteile und Risiken der Bekanntgabe von Adressen genau abwägen, sagt der Datenschützer.

Foto: Andreas Gruber

Balve.   Der Balver Pastoralverbund hat Ärger wegen der Veröffentlichung von Adressen seiner Kommunionkinder. Der Datenschützer rät zu „Sparsamkeit“.

War es in Ordnung, dass der Pfarrverbund die Adressen seiner Kommunionkinder veröffentlichtet – selbst wenn eine Genehmigung der Eltern vorlag? Der Leiter des katholischen Datenschutzzentrums rät grundsätzlich zu „einem vorsichtigen und sparsamen Umgang mit den Daten der Kinder – gerade im Internet“.

Man müsse „besonders sorgfältig“ abwägen, welche „Vorteile und Risiken“ bei einer Veröffentlichung der konkreten Daten bestehen, erklärt Steffen Pau. Er ist Diözesandatenschutzbeauftragter und Leiter des katholischen Datenschutzzentrums in Dortmund. Die Institution untersucht aktuell den Balver Fall. Der Pfarrverbund hatte die Namen und Adressen zahlreicher Kommunionkinder im Pfarrbrief, auf der eigenen Internetseite und in einer E-Mail an mehrere Medien veröffentlicht (WP berichtete). Eine Mutter meldete sich in der Redaktion und beteuerte, keine Einwilligung zur Veröffentlichung der Adresse gegeben zu haben. Gemeindereferentin Elke Luig versicherte dagegen, mit größter Vorsicht gehandelt zu haben. Sie habe sogar extra noch einmal eine schriftliche Genehmigung für die Weitergabe der Daten an die Presse von den Eltern eingeholt.

Einwilligung der Eltern muss unbedingt sein

Ob das auch im konkreten Fall so war, ist nicht überprüfbar, weil die Frau ihren Namen nicht nennen will. Was im konkreten Fall aber möglich ist: Nicht bei allen Kindern sollen beide Elternteile die Formulare unterschrieben haben. Das ist aber Teil der laufenden Untersuchung.

Grundsätzlich wäre wohl auch aus Datenschützersicht die Einwilligung der Eltern der korrekte Weg. Steffen Pau erklärt: „Die notwendige Rechtsgrundlage für die Weitergabe der konkreten Daten an die Medien könnte durch eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten vorliegen.“ Dabei müsse die Einwilligung „unter anderem freiwillig und informiert erfolgen“. Informierte Einwilligung bedeute in diesem Zusammenhang, „dass die einwilligenden Personen bzw. deren Erziehungsberechtigte den Umfang und die Reichweite der Einwilligung kannten“. Dann könne auch alles korrekt gelaufen sein. Pau: „Auch wenn die Angabe der Adresse in diesem Zusammenhang vielleicht nicht üblich sein mag, könnte dies mit einer wirksamen Einwilligung datenschutzkonform gestaltet werden.“

Überprüfung des Falls läuft noch

Pau betont, dass das zunächst alles nur allgemeine Hinweise sein können. Das Datenschutzzentrum hat den Pastoralverbund aufgefordert, den Fall aus seiner Sicht zu schildern. „Dies ist aber ein noch laufender Vorgang“, erklärt Pau. Gemeindereferentin Elke Luig hat bereits angekündigt, im kommenden Jahr auf die Veröffentlichung zu verzichten. Einige andere Eltern finden das schade.

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