WOCKLUM

Denkmaltag in Luisenhütte: Filigrane Musik vor rauer Kulisse

Die Harfenistin Anke Schüppel-Slojewski bot auf ihrem Instrument nicht alltägliche Hörerlebnisse, die sich deutlich von sonst häufig vorgetragenen Kompositionen für Harfe unterschieden. Besonders der zuletzt gespielte „Baroque Flamenco“ der Amerikanerin Deborah Henson-Conant begeisterte. Vor dem Konzert ging es mit Museumsführer Detlef Becker auf einem Rundgang durch die Luisenhütte.

Die Harfenistin Anke Schüppel-Slojewski bot auf ihrem Instrument nicht alltägliche Hörerlebnisse, die sich deutlich von sonst häufig vorgetragenen Kompositionen für Harfe unterschieden. Besonders der zuletzt gespielte „Baroque Flamenco“ der Amerikanerin Deborah Henson-Conant begeisterte. Vor dem Konzert ging es mit Museumsführer Detlef Becker auf einem Rundgang durch die Luisenhütte.

Foto: Peter Müller / WP

Wocklum.  Denkmaltag nur digital? Denkste. Das Kreis-Museum Luisenhütte bot Corona die Stirn – und Besuchern ein Programm. Was gab es zu hören und sehen?

Kleine, jedoch bemerkenswerte Konzerte gab es am vergangenen Wochenende in der ebenfalls bemerkenswerten Atmosphäre der Wocklumer Luisenhütte. Jeweils um 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr waren die Tore der Luisenhütte am Samstag und Sonntag unter Beachtung der Coronaregeln zu einer Führung mit anschließendem Konzert geöffnet.

Die Harfenistin Anke Schüppel-Slojewski bot auf ihrem Instrument nicht alltägliche Hörerlebnisse, die sich deutlich von sonst häufig vorgetragenen Kompositionen für Harfe unterschieden. Besonders der zuletzt gespielte „Baroque Flamenco“ der Amerikanerin Deborah Henson-Conant begeisterte. Die Harfe zählt zu den ältesten Instrumenten überhaupt und gehört mit Zither und Laute zu den Zupfinstrumenten. Mit einem Gewicht von fast 40 Kilogramm ist sie kein Leichtgewicht.

Die Harfenistin Anke Schüppel-Slojeski begann ihre Karriere mit fünf Jahren auf der Blockflöte. Zur Harfe kam sie am Spezialgymnasium für Musik in Halle. Später war sie Soloharfenistin am dortigen Philharmonischen Staatsorchester. Inzwischen geht sie verschiedenen Lehraufträgen in Solingen und Xanten nach und spielt in verschiedenen Formationen.

Vor dem Konzert ging es mit Museumsführer Detlef Becker auf einem Rundgang durch die Luisenhütte. Sie ist seit 1950 technisches Kulturdenkmal und seit 2004 Denkmal von nationaler kultureller Bedeutung. Kein Wunder, in der Luisenhütte wurde deutschlandweit erstmalig in industriellem Maßstab Stahl gekocht.

Einfach mal mitmachen

Karin Möller war mit Freundin Bärbel aus Werdohl gekommen, um an der ersten größeren Veranstaltung nach dem Lockdown teilzunehmen. „Wir machen das einfach mal mit“, dachten sich die beiden, als sie die Vorankündigung lasen und waren später begeistert.

„Für mich ist dies das erste Konzert nach dem Lockdown“, berichtete die Harfenistin. Mit Unterricht per Internet, manchmal sogar per Telefon, habe sie sich in der Zwischenzeit über Wasser halten können, erklärte sie im Gespräch mit der Westfalenpost.

Viel Interessantes wusste Detlef Becker zu berichten. Erklärend, und nicht belehrend, schilderte er die Arbeitsprozesse und die doch schon sehr ausgefeilte Technik des 19. Jahrhunderts. „1865 war die Anlage nicht mehr rentabel“, stellte er fest. Danach sei sie in einen Dornröschenschlaf gefallen.

Luise, die Ehefrau des Eigentümers Ignatz von Landsberg-Vehlen, wurde 1834 die Namenspatronin des Hüttenwerkes, das durch die Konkurrenz aus dem aufstrebenden Ruhrgebiet schon 30 Jahre später zu seinem Ende kam. „Dort gab es Kohle, hier war der Energieträger Holzkohle“, berichtete Detlef Becker und wies darauf hin, dass in 200 Metern Entfernung von der Hüttenanlage ein Stollen existiert, in dem Eisenerz abgebaut wurde.

Frühzeit der Industrialisierung

Hochofen, Dampfmaschine, Wasserrad – in ihrer Gesamtheit ist die Luisenhütte eine Fabrikanlage, die heute tiefe Einblicke in die Arbeitswelt der frühen Industrialisierung ermöglicht. Der Film „Feuerstrom des Eisens“ aus den 1950er Jahren beeindruckt mit seinen einmaligen Aufnahmen und der imposanten Filmmusik.

Zu Beginn des Konzertes erklang nach dem Ende der Führung auf der Harfe die Komposition „Vanille“ des berühmten französischen Harfenisten Bernard Andrès. Die museale Fabrikanlage und das alte Instrument wirkten miteinander und hinterließen einen bleibenden Eindruck.

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