Von Balve nach Australien

Dressurreiterin schwer verletzt nach Rettungsaktion

Die Balverin Janina Kletke wollte Pferde eines Nachbarn vor dem Flammentod retten und schwebt nun selbst in Lebensgefahr. 

Die Balverin Janina Kletke wollte Pferde eines Nachbarn vor dem Flammentod retten und schwebt nun selbst in Lebensgefahr. 

Foto: Privat

Balve/Melbourne.   Die Balverin Janina Kletke, die in Australien lebt, wollte die Pferde eines Nachbarn vor dem Flammentod retten und verunglückte dabei.

Sie wollte die Pferde eines Nachbarn vor dem Flammentod retten und schwebt nun selbst in Lebensgefahr: Nach ihrem beherzten Einsatz für die Tiere liegt die Balverin Janina Kletke schwer verletzt im Krankenhaus.

Alles begann mit einer Facebook-Notiz von Janina Kletke am 1. März: „Falls jemand Hilfe braucht, wir haben auf dem Lkw noch Platz für vier Pferde, meldet euch!“ Wie so oft wüteten mal wieder Buschbrände in der trockenen Region, ca. 70 Kilometer von Melbourne entfernt. Hier betreibt die Garbecker Dressurreiterin einen Turnier- und Ausbildungsstall. Brände und Feuer ist sie gewöhnt, sie weiß, dass die Farmer der weitläufigen Gegend zusammenhalten und sich gegenseitig helfen müssen.

Bereits 2012 sagte sie gegenüber der WESTFALENPOST in einem Interview: „Man kann sich das gar nicht richtig vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. An manchen Tagen kann man geradezu spüren, dass es nur einen klitzekleinen Funken benötigt, um ein Inferno auszulösen, und wenn man bedenkt, dass die Flammen zum Teil mehr als einen Kilometer weit springen können, ist das wirklich sehr beängstigend, vor allem wenn man viele Tiere hat.“

Buschfeuer

Oft hatte sie selbst erlebt, wie es ist, wenn ein australisches Buschfeuer wütet. „Etwa 500 Meter von unserer Anlage entfernt, also auf dem Nachbargrundstück, hat es gebrannt. Innerhalb von zwei Stunden hatte sich das Feuer acht Kilometer von Nord nach Süd gefressen – was nicht einmal besonders schnell ist. Ich war mittendrin, habe das Feuer bekämpft, während um mich herum die Helikopter flogen und immer wieder Wasser herabgeworfen haben. Da merkt man, wie schnell sich das Leben ändern kann.“

Große Sorgen

Jetzt, sechs Jahre später, wurde dieser Satz für die sympathische Balverin zur schrecklichen Realität: Als sich ein Nachbar auf ihr Angebot hin meldet, macht sich die 34-Jährige am 4. März sofort auf den Weg, um dessen Pferde abzuholen. Sie verlädt die Tiere alleine und niemand weiß, was dabei genau passiert ist. „Wahrscheinlich hat sie das letzte Pferd beim Verladen erwischt oder Janina ist von der Anhängerklappe gerutscht und mit dem Kopf auf einen Stein gefallen, aber sicher weiß das keiner“, sagt ihre jüngere Schwester Manuela, die sich große Sorgen macht.

Nachdem ein Freund Janina bewusstlos neben dem Anhänger gefunden hatte, wurde sie sofort ins Krankenhaus gebracht. Ein Blutgerinnsel im Gehirn konnte erfolgreich operiert werden, doch die Schwellung im Kopf blieb. „Sie musste dann noch mal operiert werden, die Ärzte haben eine Drainage gelegt und Janina ins künstliche Koma versetzt, damit das Gehirn möglichst gar keine Reizung erfährt“, sagt Manuela Kletke.

Spendenkonto

Die Garbeckerin hat sofort überlegt, zu Janina nach Australien zu fliegen, „aber ich könnte dort auch nichts für sie tun.“ Außerdem hat sie eine vier Monate alte Tochter, um die sie sich kümmern muss. Stattdessen versucht Manuela also, ihrer Schwester im Sauerland zu helfen: „Ich bin dabei, ein Spendenkonto einzurichten, denn Janinas Behandlung wird nur so lange bezahlt, wie sie im Krankenhaus liegt. Für die Rehamaßnahmen im Anschluss kommt in Australien keine Versicherung auf und eine Reha wird sie definitiv brauchen.“ Deshalb hofft Manuela auf Spenden aus der alten Heimat.

Selbstständig mit Dressurstall

„Janina und ihr Lebensgefährte sind selbstständig mit ihrem Dressurstall, wenn meine Schwester die Pferde nicht mehr reiten und ausbilden kann, werden sie vermutlich auch die Farm verlieren“, sagt Manuela Kletke. Im Moment pendelt Janinas Lebensgefährte zwischen dem Stall und Janinas Krankenhauszimmer in Melbourne hin und her. „Er hat sich ein Bett in einem Hostel gebucht, um bei ihr sein zu können.“

Freunde und Kollegen helfen

Janinas Freunde und Kollegen in Australien sind genauso bemüht, der beliebten Pferdefrau zu helfen wie ihre alten Weggefährten aus dem Sauerland: So richteten sie eine Spendenseite im Internet ein, unter der auch jetzt schon gespendet werden kann und organisieren ein Benefizreitturnier zu Gunsten der erfolgreichen Dressurreiterin aus Garbeck.

Selbstloser Einsatz

Die Kommentare im Internet – sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch – sind voll Anteilnahme und Bewunderung für Janinas selbstlosen Einsatz für die Tiere. Auch viele Balver drücken, beispielsweise auf Janinas Facebookseite, ihr Mitgefühl und ihre Betroffenheit aus.

Zu vielen hat Janina über all die Jahre den Kontakt gehalten und selbst gesagt: „Mir fehlen an Balve vor allem meine Freunde. Für mich ist es einfach ein Stück Stabilität in meinem Leben, auf das ich immer wieder zurückgreifen kann und mag.“ Wer ihr helfen möchte, hat jetzt die Gelegenheit dazu.

>> BEIM REITERVEREIN IN BALVE ANGEFANGEN

Janina Kletke hat beim Reiterverein Balve mit dem Reiten angefangen, später wechselte sie zum damaligen Stall Kampmann nach Garbeck.

Nach der Mittleren Reife an der Realschule Balve, ging sie nach Essen und absolvierte ihre Lehre als Bereiterin. Später wechselte sie zum renommierten DOKR (Deutsches Olympiade Komitee für Reiterei) nach Warendorf.

Über Kunden entstand der Kontakt nach Australien, wohin sie 2010 auswanderte. Dort zählt sie zu den besten und angesehensten Dressurreiterinnen des Landes.

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