Polizei-Großeinsatz

Eigenheim-Besitzer greifen vermehrt zu Selbstschussanlagen

Die Selbstschussanlage „Kieferle M1“. Ein Draht oder eine Angelschnur lösen den Schussmechanismus aus. Eine Platzpatrone sorgt für einen lauten Knall. Das Gerät kostet im Versand 25 Euro.

Die Selbstschussanlage „Kieferle M1“. Ein Draht oder eine Angelschnur lösen den Schussmechanismus aus. Eine Platzpatrone sorgt für einen lauten Knall. Das Gerät kostet im Versand 25 Euro.

Foto: www.kieferle.com

Balve.   Immer mehr Eigenheim-Besitzer schaffen sich Selbstschuss-Anlagen an. In Balve löste ein Knall versehentlich einen Polizei-Großeinsatz aus.

Immer mehr Eigenheimbesitzer schützen sich offensichtlich mit frei verkäuflichen Selbstschussanlagen vor Einbrechern. Im Internet boomt aktuell der Handel für die vergleichsweise günstigen Produkte. Ein 67-jähriger Balver hatte am Mittwochabend mit genau solch einer Anlage einen Großeinsatz der Polizei in Balve-Süd ausgelöst. Beamte tappten in die Falle als sie den Mann suchten. Weil sie einen Schuss oder eine Explosion vermuteten, startete ein fünfstündiger Großeinsatz.

Eine eigene Entwicklung von Hubertus Kieferle

„Wenn es so laut knallt, dann werden Einbrecher abgeschreckt“, sagt Hubertus Kieferle. Sein Unternehmen aus Gottmadingen im Landkreis Konstanz an der Schweizer Grenze stellt die Selbstschuss-Anlagen wie den „Kieferle M1“ her. „Das ist eine eigene Entwicklung“, erklärt Kieferle. Die Anlage, die optisch einer Mausefalle ähnelt wird über einen Draht ausgelöst. Tritt jemand auf oder gegen das Zugsystem, explodiert die ungefährliche Neun-Millimeter-Platzpatrone. „Meist nimmt man Angelschnüre“, sagt Kieferle. Die Anlage kostet im Versand 25 Euro und schlägt im Preisvergleich teure elektronische Überwachungssysteme deutlich. Wer gegen unterirdische Eindringlinge vorgehen will, findet ein spezielles Wühlmausmodell.

Die Polizisten im Balver Fall hatten am Mittwoch gegen 15.50 Uhr bei dem 67-Jährigen an der Straße „Unterm Leisenberg“ klingeln wollen. Nachbarn hatten den Mann in einer hilflosen Lage vermutet, weil sie ihn zwei Tage lang nicht gesehen hatten. Als die Beamten das Grundstück in Augenschein nahmen, gab es den lauten Knall. Dadurch wurde aus dem Routineeinsatz eine heiße Lage. „Das heißt für uns erst einmal Rückzug“, sagt Polizeisprecher Marcel Dilling. Die Polizisten forderten die Unterstützung des Landeskriminalamtes an. Spezialkräfte brachen die Tür auf und durchsuchten das Haus nach Sprengsätzen und Waffen. Erst durch den eingesetzten Roboter wurde schließlich auch der Bewohner auf den Einsatz aufmerksam. Dilling: „Er hatte fest geschlafen und den Polizeieinsatz nicht bemerkt.“

67-Jähriger findet Einsatz ziemlich amüsant

Ein Fehlverhalten ist dem Mann, der den Einsatz ziemlich amüsant fand, nicht vorzuwerfen, betont die Polizei. Strafrechtlich müsse er nichts befürchten. Die Geräte gelten als absolut legal. Verkauft werden die Anlagen allerdings erst ab 18 Jahren. Bei der Bestellung muss zudem eine Ausweiskopie als Nachweis vorgelegt werden. Zu den Absatzmengen schweigt die Firma: „Geschäftsgeheimnis“, sagt Firmenchef Hubertus Kieferle. Die Nachfrage sei aber auch wegen der Angst vor Einbrechern wachsend. Kieferle vertreibt seine Produkte über einen eigenen Internethandel und über Riesen wie den Online-Marktführer Amazon. Ursprünglich kamen die Geräte eher zur Wildschadenabwehr in Weinbergen oder auf Feldern zum Einsatz.

Der Einsatz „Unterm Leisenberg“ war erst nach fünf Stunden zu Ende. Für den Selbstschussanlagen-Besitzer ging der Fall weitestgehend glimpflich aus. Auch der finanzielle Schaden halte sich in Grenzen, sagt Polizeisprecher Dilling. Die Polizei muss ein zerstörtes Türschloss ersetzen. Auch die Schnüre der Selbstschussanlage müssen neu gespannt werden. Den Besitzer schien es wenig zu stören. Er grinste breit in die Kameras der Fotografen.

Nutzbar auch als Eisbärenschreck

Apropos: Hubertus Kieferle kennt neben Balver Vorgärten auch noch einen weiteren Einsatzzweck: „Wir haben die Anlagen auch schon an Teilnehmer von Nordpolexpeditionen verkauft.“ Dabei gehe es aber weniger um den Schutz vor Einbrechern, sondern vielmehr um die Rettung von Menschenleben. „Die Expeditionsteilnehmer spannen die Drähte nachts rund um ihre Zelte“, erklärt Kieferle. Wenn dann ein Eisbär den Draht berührt, knallt es. Und der Eisbär sucht das Weite.“

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Balve und Umgebung!

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben