„Eine Schweinerei, was in Deutschland passiert“

Ausbau der Dreikönigsgasse: Selbst nach dem aktuellen Plan der CDU-FDP-Landesregierung, die Anlieger-Kosten zu halbieren, bleiben den Hauseigentümmern der Dreikönigsgasse eine Gesamtsumme von 150.000 Euro.

Ausbau der Dreikönigsgasse: Selbst nach dem aktuellen Plan der CDU-FDP-Landesregierung, die Anlieger-Kosten zu halbieren, bleiben den Hauseigentümmern der Dreikönigsgasse eine Gesamtsumme von 150.000 Euro.

Foto: Jürgen Overkott / WP

Balve.  Die Anliegerbeiträge für den Straßenausbau bleiben auch in Balve umstritten. Gerhard Schrage und Gerhard Berken bekannten im WP-Gespräch Farbe.

Der Verein Haus+Grund in Balve ärgert sich darüber, dass Anwohnern der Dreikönigsgasse auch nach den aktuellen Plänen der CDU-FDP-Landesregierung hohe Anliegerbeiträge für den Straßenausbau drohen. Im WP-Gespräch machen sich Vorsitzender Gerhard Schrage und Geschäftsführer Gerhard Berken für eine bundeseinheitliche Lösung mit deutlich niedrigeren Sätzen als bisher stark.

Wir leben seit geraumer Zeit in einer Null-Zins-Phase. Sind das für Immobilienbesitzer goldene Zeiten?

Gerhard Berken So weit ich das beurteilen kann, ja.

Gerhard Schrage Für die großen Immobilien-Besitzer mag das gelten. Für die Besitzer kleinerer Immobilien bleibt alles im Rahmen.

In welche Richtung bewegen sich die örtlichen Mieten?

Gerhard Schrage Für Mieter wie Vermieter ist das Preisverhältnis zufriedenstellend. Ich sehe nicht, dass Vermieter ins Uferlose gehen. Andererseits muss ich natürlich auch sehen, dass Vermieter ihre Kosten decken müssen; sie wollen ja kein Geld dabei tun. Nein, ich kann nicht meckern.

Was braucht der Balver Immobilienmarkt?

Gerhard Berken Ich höre immer wieder, dass in Balve keine oder zumindest zu wenige Grundstücke für Bauprojekte verfügbar sind.

Wenn die Stadt Balve in den kommenden 20 Jahren ihre Einwohnerzahl halten will, muss – wenn ich Sie richtig verstehe – mehr Bauland her.

Gerhard Berken Genauso ist es. Und das höre ich auch von vielen Kollegen, die mit Immobilien handeln.

Ein Thema, das viele Eigentümer ärgert, ist der Anliegerbeitrag für den Straßenausbau. Jetzt will die CDU-FDP-Landesregierung die Gebührensätze halbieren.

Gerhard Berken

Wir hoffen, dass sich möglichst viele Hausbesitzer Haus+Grund anschließen, damit sie nicht allein da stehen, wenn die Beiträge anfallen. Wir beraten unsere Mitglieder kostenfrei, bevor es zu den Gerichten geht. Es gibt in Nordrhein-Westfalen 460.000 Unterschriften gegen die Anliegerbeiträge...

…vom Bund der Steuerzahler...

...und von uns. Wir haben diese Initiative als Verein immer unterstützt.

Hat die Debatte um die Anliegerbeiträge ihre Mitgliederzahl nach oben getrieben?

Gerhard Schrage Wir hatten zuletzt 240 Mitglieder. Jetzt sind noch zehn dazu gekommen. Das hat etwas damit zu tun, dass Eigentümer in Bayern gar keine Beiträge zahlen müssen, und in Baden-Württemberg ist das auch so. Aber hier muss beispielsweise eine Frau, die ein Hau 60, 70 Jahre hat, plötzlich 37.000 Euro zahlen, mit der Folge, dass sie das Haus verkaufen muss. Ich sage: Das ist eine Schweinerei, wenn so etwas in Deutschland passiert. Das ist ein Thema, für das es, wie für Bildung übrigens, in der ganzen Bundesrepublik eine einheitliche Regelung geben muss. Und dann sollte man einen moderaten Betrag für die Eigentümer in Rechnung bringen. Einen gewissen Betrag kann ich akzeptieren. Aber er muss eben moderat sein.

Gerhard Berken Es ist doch so, wenn ich ein Haus baue, zahle ich doch schon für den Straßenausbau. Man hat den Eindruck, dass die Städte die Straßen über lange Jahre haben herunterkommen lassen, und dann sollen die Anwohner noch mal dafür zahlen. Ich musste letztens zur Aral-Tankstelle. Und da habe ich gesehen, dass Nebenstraßen auch von Lastwagen befahren werden. Bei größeren Baustellen wie bei der B 229 geht so etwas über Monate. Doch die Nebenstraßen sind nach meiner Information gar nicht für solch eine Belastung ausgebaut. Dann ist wieder ein Ausbau nötig. Den Betrag dafür sollen die Anlieger zahlen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben