ALTE HEIMAT - NEUE HEIMAT

Elo rockt Balve

Elo Badura ist stolz auf seine Gibson Les Paul.

Elo Badura ist stolz auf seine Gibson Les Paul.

Foto: Marcus Bottin

Balve.   Er kam als Spätaussiedler aus Schlesien. Mit wenig Deutsch und viel Musik. Inzwischen hat sich Elo Badura in Balve verliebt.

Es muss eine glückliche Fügung des Schicksals gewesen sein, die Elo Badura vor ziemlich genau 30 Jahren ins Hönnetal führte. Der aus Schlesien stammende Spätaussiedler liebt seine neue Heimat über alles, trägt das Fernweh aber stets in seinem Herzen.

Der Wunsch nach einem besseren Leben und eine gehörige Portion Abenteuerlust ließen Elo Badura in den späten 80erJahren alle Zelte in Schlesien abbrechen. Gemeinsam mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern (ein und vier Jahre jung) machte er sich auf den Weg ins Ungewisse. In seiner alten Heimat hatte er einen guten Job bei Fiat, Freunde und Familie, Erfolg als Musiker, gesellschaftliche Anerkennung und Menschen, die seine Sprache sprachen. In Deutschland hatte er nichts – außer dem, was in zwei Reisetaschen passte.

„Mein Vater und meine Mutter haben zu Hause nur dann deutsch gesprochen, wenn sie etwas vor uns Kindern verheimlichen wollten“, lächelt Badura. „Als ich nach Deutschland kam, konnte ich nur guten Tag und Danke sagen. Die Aussiedlung war ein großes Abenteuer. Das Hab und Gut der Familie war entweder verkauft oder verschenkt worden. „Wir haben nur das Nötigste im Zug mitgenommen.“

Wunschkonzert

Doch das Schicksal meinte es gut mit Familie Badura. „Zunächst sind wir nach Hamburg gekommen“, erinnert sich der Musiker. „Und da habe ich auf der Straße einen ehemaligen Kollegen aus Schlesien getroffen, einfach so durch Zufall. Der hat mir gesagt, dass ich in Hamburg nichts zu suchen hätte. Ich müsse direkt nach Friedland zur Aufnahmestelle. Dann sind wir mit dem Zug dahin gefahren, haben uns angemeldet und wurden gleich gefragt, wo wir denn hin wollen. Wow, habe ich damals gedacht. Ist das hier ein Wunschkonzert?“

Eigene Wohnung

Weil Bekannte aus seiner schlesischen Heimat damals in Iserlohn lebten, entschied sich Elo Badura für die Waldstadt als Wunschziel. Mit ihren zwei Kindern und zwei Taschen setzten sich die Baduras in den nächsten Zug. Doch in Iserlohn erfuhr der Spätaussiedler erstmals Ablehnung. „Immerhin wurde uns gesagt, wir sollten mal in der kleinen Stadt Balve nachfragen. Dort könnte was für uns frei sein. Ein Kollege hat uns dann direkt mit seinem Auto nach Balve gefahren. Das war an einem Freitag gegen Mittag“, erinnert sich Elo Badura an seine Ankunft in seiner neuen Heimat. „Hier war alles positiv. Der Empfang war wow. Wir haben im Rathaus Raimund Klose getroffen, und der hat uns gleich geholfen und eine Wohnung gegeben. Damit hätten wir überhaupt nicht gerechnet. Vielleicht waren wir die ersten Aussiedler, und die wussten hier nicht, was sie mit uns tun sollten“, lächelt Elo Badura.

Dann nahm das neue Leben im fernen Sauerland seinen Lauf. Als gelernter Musiker und Feinmechaniker konnte er Klaviere reparieren – mal in der Schule, mal in der Kirche. „So wurde ich hier langsam bekannt, als der Typ, der aus dem unbekannten Land kommt, aber Klaviere reparieren kann“, erzählt der Musiker. „Das waren gleich positive Emotionen hier.“

Schnell integriert

Doch die neue Sprache bereitete zunächst Probleme. „Ich habe es sehr ernst genommen, und es hat mir Spaß gemacht. Ich wollte unbedingt schnell Deutsch lernen“, erzählt der Spätaussiedler. Ein Jahres-Sprachkurs beim Goethe-Institut und unzählige kleine gelbe Zettel mit deutschen und polnischen Worten an Wänden und Schränken halfen dabei – und viele Balver Bürger. „Der Kontakt zu den Leuten ist viel besser, um Deutsch zu lernen“, erklärt Badura. „Ich habe mich ziemlich schnell integriert hier in Balve.“

In seiner polnischen Heimat hatte Elo Badura einen guten Job – und zusätzlich zur Arbeit bei Fiat noch ein Engagement an der lokalen Musikschule. Doch die Zeiten waren hart. Manchmal habe man keine Schuhe und kein Hemd kaufen können. Die Geschäfte waren leer. Und der junge Musiker träumte von einer edlen Gibson-Gitarre, am besten dazu noch einen Marshall-Verstärker. Doch es sollte noch etwas dauern, bis er seine Träume verwirklichen konnte.

Sein Schatz ist eine Gitarre aus Paris

Während einer Konzertreise mit seiner Jazzband nach Paris hatte es in den 80er-Jahren immerhin für die Japan-Kopie einer Gibson gereicht. „Am Pigalle-Platz habe ich meine erste Gitarre gekauft. Dort habe ich eines Abends im Schaufenster eines Musikgeschäfts eine wunderschöne Gitarre gesehen und mich sofort verliebt“, erinnert sich Elo Badura.

Der leidenschaftliche Musiker fügt hinzu: „Am nächsten Tag habe ich sie mir gekauft. Damit war alles Geld weg. Ich hatte mein ganzes Leben für diese Gitarre gespart, und dann war ich pleite.“ Die Gitarre aus Paris hat er heute noch – und bewahrt sie auf wie einen Schatz. „Das ist meine Kult-Gitarre, die ist so schön, wow. Im polnischen Fernsehen hat mich sogar ein Kameramann auf diese Gitarre angesprochen.“

Jener Spontankauf in Paris gab den letzten Ausschlag für die Aussiedlung nach Deutschland. Noch einmal Elo Badura: „Denn dann wollte ich unbedingt auch einen Verstärker haben, aber alles Geld war alle. Und dann habe ich gesagt, jetzt starten wir ins Abenteuer und gehen nach Deutschland. Vielleicht geht es uns da ja besser.“

Kein Deutsch, aber viel Musik

Mehr als 30 Jahre ist das nun her. Längst fühlt sich Elo Badura wie ein echter Balver. „Wir sind hier sehr zufrieden. Das ist wirklich die Wahrheit. Ich habe keinerlei schlechte Erfahrungen hier mit den Menschen gemacht. Obwohl die Balver bestimmt überrascht waren, als ich hier ankam. Was ist das für ein Typ? Der kann kein Deutsch sprechen, aber er kann Musik machen.“

Der Kontakt zur alten Heimat hat über die Jahre abgenommen. Seine Mutter und sein Bruder leben noch dort, und hin und wieder fliegt Elo Badura noch nach Polen. Viel lieber lässt er sich aber von Verwandten in seiner neuen Heimat besuchen.

Ein Naturtyp

„Balve ist wunderbar, die Wälder und die Berge – das ist so eine idyllische Atmosphäre. Ich bin ein Naturtyp. Hier habe ich alles, was ich brauche zum Leben. Wenn man von Menden nach Balve durchs Hönnetal fährt, ist das einfach wunderschön“, schwärmt der Musiker – und berichtet, dass er mit seiner Einschätzung nicht alleine ist. „Wenn mein Bruder mich besucht, sagt er oft, wow, das ist ja wie im Paradies hier.“

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