BALVE

Wie das Verkehrschaos Balves Fachhandel trifft

Die B-229-Baustelle in Langenholthausen, im Mai aufgenommen

Die B-229-Baustelle in Langenholthausen, im Mai aufgenommen

Foto: Sven Paul / WP

Balve/Langenholthausen.  Wer nach Balve will, gerät derzeit in eine Stau-Falle. Nichts geht mehr. Jetzt kommt noch eine Baustelle an der B 236 in Teindeln dazu.

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Zwei Baustellen belasten Balve: seit längerem an der B 229 in Langenholthausen, seit kurzem an der Hönnetalstraße. Jetzt kommt noch eine dritte Baumaßnahme hinzu. Von Montag an wird die B 236 in Teindeln bei Plettenberg gesperrt. Das scheint weit weg von Balve zu sein. Doch eine Umleitung führt über Langenholthausen. Die Internet-Gemeinde reagierte prompt. Die Stimmung ist vorwiegend genervt.

Kreis-Sprecher Hendrik Klein teilte die Sperrung in Teindeln am Freitagmorgen mit. Zwischen Abzweig In der Lothmecke und Möbelhaus Roller ist die Fahrbahn demnach komplett gesperrt. Von Plettenberg sei das Möbelhaus weiterhin erreichbar, hieß es. Die Baumaßnahme soll bis November dauern. Verantwortlich zeichnet Innogy-Tochter Westnetz.

Für Verkehrsteilnehmer seien Umleitungen ausgeschildert, fügte Klein hinzu. Sie führen von Werdohl über Neuenrade, Küntrop, Langenholthausen, Amecke, Allendorf und Hüttebrüchen nach Plettenberg.

Hintergrund der Bauarbeiten: Verteilnetzbetreiber Westnetz stellt sein Erdgasnetz in Südwestfalen um. Energieversorger sind seit geraumer Zeit dabei, Kunden mit H-Gas statt, wie bisher, mit L-Gas zu versorgen. H-Gas hat einen höheren Methan-Gehalt als L-Gas. Die L-Gasvorkommen in Deutschland und den Niederlanden schwinden. H-Gas indes ist immer noch reichlich vorhanden.

„Die Vollsperrung ist für die Realisierung dieses Projektes leider unumgänglich“, wird Westnetz-Projektleiter Norman Halft zitiert. Alternativen seien technisch nicht umsetzbar.

So dürfte denn ab kommender Woche zusätzlicher Durchgangsverkehr durch Langenholthausen rollen, vor allem über Bauernautobahn und Sunderner Straße.

Autohaus Bichmann und die angrenzende Aral-Tankstelle dürfen kaum davon profitieren. Sie sind wegen der B-229-Baustelle vom Kunden-Verkehr so gut wie abgeklemmt. Die Rede ist von Umsatz-Rückgängen im mittleren zweistelligen Bereich.

Minus locker getoppt

Weiter unten, in Balve, hat der Fachhandel ebenfalls Grund zur Klage. Im vorigen Jahr führte die Baustelle Kormke-Kreisel zu Umsatz-Dellen. Das Minus wird aber seit kurzem locker getoppt. Ausgerechnet die Arbeiten für die Abbiege-Spur zum neuen Netto-Markt vertreiben Kunden aus der Stadt. Im Netz kursieren Fotos von leeren Läden. Beim Fachhandel werden die Gesichter der Inhaber immer länger.

„Im Logopädie-Studio meiner Frau häufen sich die Absagen“, klagt Fachhandelschef Daniel Pütz im WP-Gespräch, „keiner will im Stau stehen.“ Auch die Goldbäckerei Grote spürt, dass die Kundschaft die Innenstadt meidet.

Mehr noch: „Unsere Mitglieder beklagen darüber hinaus auch massive Verspätungen der Mitarbeiter, Taxifahrer erklären, bis zu 25 Minuten von der Ortsmitte bis zum Supermarkt zu benötigen, was den Fahrgästen finanziell nicht zumutbar ist und damit zu Einbußen bei den Taxiunternehmen führt und die Märkte ebenfalls Kundschaft kostet“, fasst Pütz zusammen.

Dazu kommt: „Die Leute sind genervt.“ Fakt ist: Autofahrer sitzen, aus welcher Richtung sie auch kommen, in Balve in der Falle. Der Rückstau nach Garbeck reicht bis Team Portal – wenn es gut läuft. „In Spitzenzeiten standen Autos bis zum Kreisel in Garbeck“, weiß Pütz. Auch aus dem Hönnetal kommen Fahrzeuge kaum vom Fleck. Wer glaubt, die Garbecker Straße sei eine Abkürzung, irrt. In Stoßzeiten heißt: Nichts geht mehr.

Auch wenn sich Kreis und Baufirma in Schadensbegrenzung üben – viel erreicht haben sie nicht. Vor allem die Terminsetzung irritiert allenthalben. Immer wieder taucht die Frage auf: Warum wurden die Bauarbeiten nicht die Ferien verlegt, in die Zeit nach dem „Happy Einkaufstag“ und dem Balver Schützenfest?

Kurzum: Der „Happy Einkaufstag“ am kommenden Freitag wird wohl eine traurige Veranstaltung.

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