Theater

Festspielverein spielt in St. Blasius: „Jedermann“ ist Frau

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Festspielverein Balver Höhle inszeniert "Jedermann": Die Hauptrolle spielt diesmal eine Frau - Michaela Butterweck (Mitte links). Regie führt Marie Neuhaus-Schwermann (rechts). Das vermutlich dreistündige Stück verwandelt die St.-Blasius-Kirche in ein Theater.

Festspielverein Balver Höhle inszeniert "Jedermann": Die Hauptrolle spielt diesmal eine Frau - Michaela Butterweck (Mitte links). Regie führt Marie Neuhaus-Schwermann (rechts). Das vermutlich dreistündige Stück verwandelt die St.-Blasius-Kirche in ein Theater.

Foto: jürgen overkott / WP

Balve.  Balves Festspielverein modernisiert den „Jedermann“. Die Hauptrolle spielt eine Frau. Was steckt dahinter?

Der „Jedermann“ ist Kult. Theater-Fans kennen es aus Salzburg. Vor zwei Jahren feierte dort das vom Lebensgefühl des Barock inspirierte Mysterienspiel des österreichischen Autors Hugo von Hofmannsthal sein 100-Jähriges. Dieses stolze Jubiläum feiert auch der Festspielverein Balver Höhle. Aus diesem Anlass besinnt sich das Theater-Ensemble seiner Tradition. Es spielt erneut den „Jedermann“ – wie bereits vor 17 Jahren in der Pfarrkirche St. Blasius. Jubiläum hin, Tradition her – wie aktuell ist das Stück?

Mittwochabend, 19 Uhr. St. Blasius wird in der Dämmerung zum Schattenriss. Die Theater-Truppe rollt in voller Barock-Montur vor. „Wir kommen gerade aus der Gransau“, erzählt Vereinssprecher Thomas Münch gut gelaunt. Fotos in Kostümen sollen Lust auf die Vorstellungen machen – so wie Fernsehsender vor großen Produktionen zum Settermin bitten. Die Mimen-Schar um Regisseurin Marie Neuhaus-Schwermann posiert vor dem Hönne-Dom, später stellen sie sich dort auf, wo sie im November spielen: zwischen Kirchenbänken und Altarraum. Es wird gescherzt und geplaudert. Kirchenvorstand Ludger Terbrüggen, gemeinsam mit Kirchenvorstandschef Thomas Gemke und Küster Ralf Schlotmann vor Ort, ist die Stimmung ein bisschen zu munter. Doch keine Sorge: Der „Jedermann“ ist ein ernstes Stück. Worum geht es?

Lebensgefühl des Barock

Hugo von Hofmannsthal besann im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf das Lebensgefühl des Barock. Die kleine Eiszeit sorgte damals, im ausgehenden Mittelalter, für Not und Tod. Europas Völker waren sich ihrer Vergänglichkeit so bewusst wie selten. Hans Sachs verdichtete die Stimmung der Epoche zu einem Bühnenstück: „Von dem sterbenden reichen Menschen, Hekastus genannt“. Es geht um die großen Fragen der Menschheit: „Jedermann“ ist reich an Vermögen und arm an Mitgefühl. Für ihn überraschend will ihn der personifizierte Tod vor seinen Schöpfer führen. Plötzlich steht „Jedermann“ allein da, unrettbar, wie es sich scheint. Sein Bühnenschicksal nimmt aber ein gutes Ende. Der reuige Sünder lässt sich zum Christentum bekehren. Feiert das Stück lediglich ein Stück Kulturgeschichte?

„Das Stück ist hochaktuell“, entgegnet Marie Neuhaus-Schwermann, „es nimmt die brennenden Themen unserer Zeit auf. Es fokussiert sie. Die Leute müssen sich mit Tod, Leben, Hochmut und Läuterung beschäftigen.“

Die Regisseurin hält sich weitestgehend an die Textvorlage mit ihren historisch anmutenden Reimen. Bei der Besetzung der Hauptfigur indes verschiebt sie entscheidende Akzente: „Jedermann“ ist eine Frau. „Damit will ich das Stück auf allgemeine Menschlichkeit herunterbrechen“, erläutert Marie Neuhaus-Schwermann. War es schwer, die Rolle zu besetzen?

„Nein, überhaupt nicht“, entgegnet sie lachend. „Ich wusste direkt, wen ich haben möchte.“ Die Hauptrolle übernimmt Michaela Butterweck: begeistert. „Ich glaube, das ist das, was jeder gerne mal spielen möchte, jeder Mann. Als Marie mir das angeboten hat, gab es für mich überhaupt keine Überlegung.“ Nach einer Kunstpause ergänzt sie: „Obwohl ich mich schon oft gefragt habe, was ich mir damit angetan habe.“ Vor dem Spiel steht nämlich eine Menge Arbeit.

TICKETS UND TERMINE

„Jedermann“ ist an drei Wochenenden im November zu sehen: am 4./5. November sowie am 11./12. November und am 18./19. November. Die Vorstellungen in der Pfarrkirche St. Blasius beginnen jeweils um 20 Uhr. Die Vorstellungen sollen nach jüngstem Stand vermutlich drei Stunden ohne Pause dauern. Regisseurin Marie Neuhaus-Schwermann behielt sich Änderungen vor: „Wir haben keine Durchlaufprobe gemacht.“ Der Vorsitzende des Festspielvereins, Lukas Koch, sagte, im Hauptschiff der Kirche gebe es 200 Plätze: „Wir kalkulieren aber wegen Corona vorsichtig mit 100.“

Es gelte freie Platzwahl. Tickets kosten 22 Euro regulär und 20 Euro ermäßigt. Kinder bis 14 Jahre zahlen 15 Euro. Netz: https://www.festspiele-balver-hoehle.de/event/jedermann. Telefon 02375-1030.

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