Partnerstadt

Freunde aus Roussay bauen in Beckum französischen Lehmofen

Gruppenbild aller Beteiligten vor dem Lehmofen, Ofenbauer Michel Mouillé in der Mitte.

Gruppenbild aller Beteiligten vor dem Lehmofen, Ofenbauer Michel Mouillé in der Mitte.

Foto: Alexander Lück

Beckum.   Das Geschenk aus Beckums französischer Partnerstadt Roussay hat Form angenommen. An der Grundschule entsteht ein original französischer Lehmofen.

Diese Freundschaft geht auch durch den Magen. Das Geschenk aus Beckums französischer Partnerstadt Roussay hat am Freitag Form angenommen: ein original französischer Lehmofen. Bis er endlich die verschiedensten Leckereien hervorbringen kann, ist erstmal eine Zutat gefragt: Geduld.

Denn der Ofen, der auf dem Gelände der Beckumer Grundschule, direkt an der Nikolausstraße steht, muss zunächst gut sechs Wochen trocknen. Das Lehm-Wasser-Stroh-Gemisch, um genau zu sein. Denn daraus besteht der Korpus des Ofens. Um diesen zunächst sicher in Form zu halten, ruht das ganze auf einem sorgfältig geformten Körper aus nassem Sand. Nach ungefähr sechs Wochen kann dieser entfernt werden. Dann ist noch einmal gut zwei Wochen Trocknungsphase, dann könnte der Ofen theoretisch in Betrieb gehen. Mitte August wäre es dann.

Schützendes Holzdach

Der Lehmofen direkt neben dem Schulgelände steht unter einem schützenden Holzdach, welches die Beckumer Mitglieder des Partnerschaftskomitees innerhalb einiger Wochen gebaut haben. Denn Wasser sollte er beim Trocknen nicht abbekommen. Ebenso streng verboten während der ersten zwei Monate: Frost. Deshalb musste der Bau zwangsläufig am Beginn des Sommers stattfinden. Was auch die anfängliche Idee beider Orte zunichte machte, den Bau während des Besuchs der Kinder und Eltern der französischen Partnerstadt zum Schüleraustausch im Oktober vergangenen Jahres durchzuführen. Stattdessen wurde nun am Freitag gewerkelt.

Bereits am Donnerstagabend waren aus Roussay angekommen: fünf Mitglieder des Partnerschaftskomitees aus dem Ort im Westen Frankreichs. Darunter Michel Mouillé, von Beruf Ofenbauer. Besonders auf die traditionelle französische Form der Lehmöfen versteht sich der Handwerker. So entstand in Roussay die Idee, dem befreundeten Ort im Sauerland solch einen Lehmofen zu schenken. Selbst gebaut natürlich. Und er steckt noch mehr voller Symbolik: den Lehm brachten die französischen Freunde aus ihrer Heimat mit. Der Sand stammt aus dem Sauerland (das Wasser zum vermischen selbstverständlich auch). Hier fand beides zusammen.

In Frankreich sind diese Öfen wesentlich verbreiteter als in unseren Landen. Aber was darin entstehen kann, bei durchaus gut 1100 Grad Celsius Hitze, das ist auch grenzüberschreitend und völkerverbindend, vor allem aber lecker, wenn man es gekonnt angeht: Pizza, Flammkuchen, deutsches Brot in all seiner Vielfalt oder Fouée, eine westfranzösische Spezialität, die ein wenig dem Pitabrot ähnelt. Für all das (und vielleicht noch viel mehr Leckereien) wurde den Freitag über fleißig und hart gearbeitet.

Michel Mouillé, der Ofenbauer, hatte seine Augen und Hände überall. Kontrollierte die richtige Konsistenz des Lehm-Stroh-Wasser-Gemischs, welches mit blanken Füßen in mehreren Wannen kräftig durchgeknetet wurde. Frank Busche kommentierte grinsend: „Das hätten wir auch mit der Maschine mischen können.“ Zweifellos war so aber der Spaßfaktor höher, und auch ein paar jüngere Besucher konnten mithelfen. Beckumer Grundschüler hatten die Arbeiten am Vormittag auch schon interessiert verfolgt.

Ofen wiegt 600 Kilogramm

Auf die Halbkugel aus Sand kam dann die ungefähr zwölf bis 15 Zentimeter dicke Lehmschicht, fachmännisch geschichtet von Michel Mouillé, am Ende sauber und glatt verputzt. Die Platte des Ofens, worauf später all die Köstlichkeiten vor sich hin backen, besteht aus Ziegelsteinen. 600 Kilo wiegt der Ofen komplett ungefähr. Den Betonsockel, auf dem der Ofen ruht, hat Markus Klapp gebaut.

Unzählige ehrenamtliche Stunden stecken in dem ganzen Projekt. Beiderseits der Grenzen, versteht sich. Michel Mouillé wird auch noch einmal nach Beckum kommen, um die richtige Benutzung zu demonstrieren. Das direkte Umfeld des Ofens wird das Partnerschaftskomitee auch noch etwas aufhübschen, mit Wegen aus Hackschnitzeln etwa.

Einweihung des Ofens: Termin steht noch nicht fest

Wie genau der Ofen feierlich eingeweiht wird, mit Grundschule und Kita-Integrationszentrum (deshalb eher nach den Sommerferien), steht noch nicht fest. Beide Einrichtungen werden ihn aber sicher regelmäßig nutzen. Die französischen Gäste reisen erst heute Morgen aus Beckum wieder ab, haben nach der schweißtreibenden Arbeit bei sommerlichen Temperaturen noch ein nettes Wochenende in ihren Gast­familien verbracht. Selbstge­backenes aus dem Lehmofen gibt es dann aber erst beim nächsten Besuch.

Andrea Busche, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees, ist begeistert: „Was für ein tolles Zeichen der Verbundenheit zwischen Beckum und Roussay.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben