LIEBLINGSGERICHT

Futtern wie bei Muttern: Warum Ina Grünkohl liebt

Futtern wie bei Muttern: Ina Friedriszik (rechts, mit Köchin Eve Mertens) mag es so – und ihre Gäste auch.

Futtern wie bei Muttern: Ina Friedriszik (rechts, mit Köchin Eve Mertens) mag es so – und ihre Gäste auch.

Foto: Solveig Flörke

Balve.   Mettwürsten, Zwiebeln, Grünkohl: Ina Fiedriszik liebt den Duft und den Geschmack. Saisonal und regional und dann die Erinnerung an Mutters Küche.

Es dampft aus dem großen silberfarbenen Kessel, dazu streichelt ein pikanter Duft von Mettwürstchen die Nase. Mmmmh, der Mix aus gedünsteten Zwiebeln und blanchiertem Grünkohl erinnert an Muttis Küche und wie es nur bei ihr schmeckt. „Und genau deshalb ist Grünkohl mein Lieblingsgericht“, sagt Ina Friedriszik, hebt den großen Deckel hoch und fischt eine Kelle vom dampfenden, dunkelgrünen Kohl aus dem Topf. „Gut ist es nämlich dann, wenn es schmeckt ‚wie bei Mama‘.“

Hausmannskost, frisch und saisonal. Dafür kommen ihre Gäste ins Haus Drei Könige nach Balve, und das wissen alle, die dort als Team in der Küche stehen und kochen. Ina Friedriszik, die Betreiberin, springt immer dann ein, wenn sie gebraucht wird. Heute an der Seite von Eve Mertens.

„Mein Personal ist das Wichtigste, damit es funktioniert“, sagt die gelernte Hotelfachfrau. „Wir sind ein Team, und ohne meine Leute bin ich nichts. Ein Restaurant ohne Teller, weil die Spülkraft fehlt, kann einpacken.“ Derzeit arbeiten in allen Betrieben der Friedrisziks etwas mehr als 20 Angestellte und Aushilfen.

Dass ihre Idee von einem Hotel mit Restaurant in den historischen Räumen des Haus Drei Könige so gut funktionieren würde, damit hätten viele nicht gerechnet. Entsprechend oft wurde Ina Friedriszik für „verrückt“ erklärt, als sie ordentlich investierte in das denkmalgeschützte, aber heruntergekommene Gebäude an der Balver Hauptstraße.

„Aber ich hatte ja im Kohl in Neuenrade schon gesehen, dass das Konzept läuft“, erinnert sich die 41-Jährige. Vor elf Jahren machte sie sich in der Balver Nachbarstadt selbstständig und übertrug ihre Erfahrungen und die Ideen aus dem ersten Betrieb später auf das „H3K“, wie ihr Hotelrestaurant mittlerweile gerne genannt wird.

Besonders wichtig ist dafür auch das Internet. „Über die verschiedenen Buchungsportale erreiche ich beispielsweise auch Gäste, die in Köln auf die Messe gehen und lieber ins Sauerland fahren, als in Köln das Dreifache für ein mittelmäßiges Zimmer zu bezahlen.“

Außerdem fasziniert die Gäste die besondere Geschichte des Haus Drei Könige: Schließlich kommt der Name nicht von ungefähr. Es soll 1803 der Reliquienschrein mit den Gebeinen der Heiligen selbst gewesen sein, der in der damaligen Gastwirtschaft „zwischengelagert“ wurde. Auf seiner Reise von Arnsberg zurück nach Köln machte das Pferdegespann in Balve nämlich zum ersten Mal Halt. Das heutige Hotel war vor 115 Jahren das Gasthaus des Bürgermeisters Johannes Heinrich Glasmacher, und der erlebte, der Legende nach, wie sofort die Kirchenglocken „von selbst“ anfingen zu läuten. So viel Wundersames lockte natürlich gleich viele Balver ins Haus, die vor den Reliquien der Heiligen Drei Könige zu beten begannen. Von dem Tage an nannte Glasmacher seine Wirtschaft „Haus Drei Könige“.

Und auch Inas Leben wäre ohne das Haus wohl ganz anders verlaufen. „Ich habe hier mit 16 tatsächlich mein erstes Geld verdient“, sagt die Balverin. „Mit Kellnern.“ Sie bediente damals auf der Kegelbahn, wovon es auch heute noch eine gibt. Immer im Hinterkopf: ihr großer Traum von eigenen Motorrad. Nach getaner Arbeit ging sie dann eines Abends noch in der Kultdisco „Tenne“ vorbei, und da stand ihr heutiger Mann, Heinz. Er hatte das Haus Drei Könige 1981 gekauft und schaute hin und wieder mal vorbei. „Erst waren wir uns aber gar nicht grün, und es dauerte noch eine ganze Zeit, bis aus uns ein Paar wurde.“

Danach ging es umso schneller: Sie heirateten und bekamen Sohn Filipp, der mittlerweile acht Jahre alt ist. In den Ferien fährt die Familie gerne mit ihrem Wohnmobil los „oder geht Zelten“. Hauptsache ,keine Hotels!

„Dabei können wir nicht abschalten. Man guckt ja dann doch immer: Wie machen die das? Wie ist der Service?“, sagt Ina. „Dafür bin ich einfach zu pingelig.“

„Wir würden gerne zahlen“, hört man aus dem hinteren Teil des Restaurants. Eine Runde alter Balver Freunde hatte sich hier zum Frühstücken getroffen. „Bin gleich wieder da.“

Danach geht es kurz raus, zum eigenen Kräutergarten der Friedrisziks. Der befindet sich über den Dächern von Balve. Auf dem Balkon wachsen in Blumenkästen die unterschiedlichsten Pflanzen: Petersilie, Schnittlauch, Pfefferminze, Thymian und eben alles andere, womit man die Gerichte frisch und spritzmittelfrei anrichten kann. Hier oben hat Ina auch ein kleines, eigenes Schlafzimmer, wenn es mal wieder spät wird nachts. Und das wird es bald wieder öfter. Also einmal tief durchatmen, denn die stressigste Zeit im ganzen Jahr liegt schon vor ihr: Weihnachten und Silvester. Dann will das H3K wieder halten, was es verspricht: Essen. Tanzen. Übernachten.

>> DAS REZEPT

Der Grünkohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Er ist ein typisches Wintergemüse und eine Zuchtform des Gemüsekohls. Grünkohl ist weltweit verbreitet. Während industriell verarbeiteter Grünkohl schon ab September geerntet wird, wartet man bei der eigenen Anzucht bis zum ersten Frost. Grünkohl kann den ganzen Winter über geerntet werden – nur nicht bei Frost ab minus 10 Grad.

Zutaten: 750 g geputzter Grünkohl

2 Zwiebeln

100 g Schweineschmalz

3/8 L Wasser

Salz

250 g Kasseler

1 Kohlwurst

4 Rauchenden

2 EL Haferflocken

Zubereitung: Grünkohl fein schneiden, zerkleinerte Zwiebeln, Schmalz hinzugeben, erhitzen.

Dann Wasser, Salz, Haferflocken und das Fleisch hinzugeben und bei schwacher Hitze köcheln

Ina Friedriszik: „Wir reichen dann gerne Salzkartoffeln dazu.“

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