MELLEN

Gülle: Großes Interesse am ersten Talk in Mellen

Talk im Landmarkt, der erste. Das Interesse war groß.

Talk im Landmarkt, der erste. Das Interesse war groß.

Foto: Peter Müller

Mellen.   Eine Dorf-Umfrage in Mellen hatte ergeben: Bürgern stinkt Gülle. Genau um dieses Thema ging es bei der Premiere von „Talk im Landmarkt“.

Am Dienstagabend wehten keine Gülleschwaden durch Mellen. Eher gab es frischen, stürmischen Wind. Allerdings nicht nur in Wald und Flur, sondern auch beim ersten Talk im Landmarkt. Das neue Gesprächsformat stieß auf großes Interesse. Nicht nur die Altvorderen, sondern auch viele junge Leute waren gekommen, um sich den Vortrag der heimischen Jungbauern Johannes Vedder-Stute und Moritz Hennecke zum Thema „Landwirtschaft in Mellen“ anzuhören. Eine Präsentation machte die Sachverhalte anschaulich.

Die jungen Bauern

Ebenfalls frischen Wind haben die zwei Milcherzeuger in die Betriebe der Eltern gebracht. Sie betreiben nun die „Sorpemilch GbR“ gemeinsam. „Wir lagen schon im Krankenhaus nebeneinander“, erzählt Johannes Vedder-Stute. Nur zwei Tage ist Moritz Hennecke älter. Beide sind 29 Jahre alt.

Viel haben die jungen Landwirte schon auf die Beine gestellt: Es entstanden ein neues Melkgebäude, ein neuer Stall und eine Biogasanlage, mit der Strom aus Gülle erzeugt wird. Beide haben allerdings auch mit dem schlechten Image der Landwirtschaft zu kämpfen. Sie nennen Schlagworte: „Gülletourismus, Glyphosat, Grund- und Trinkwasserbelastung, Insektensterben, Massentierhaltung.“

Die Regeln für Gülle

Eine Dorfumfrage hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass einige Mellener die Ausbringung von Gülle durchaus kritisch sehen. Johannes Vedder-Stute warb nun um Verständnis. „Wir füttern unsere Tiere mit Heu, Silage, Getreide und einigen zugekauften Futtermitteln, aber es wird bei uns nicht mehr zugeführt als herausgenommen wird“, verdeutlichte der Landwirt. „Hier in Mellen betreibt auch niemand eine Schweinemast ohne die dazu notwendigen Flächen.“ Er bekräftigte mit Nachdruck: „Hier gibt es keinen Gülletourismus. Wir bringen nur da Gülle aus, wo wir Futter beziehen. Wir nehmen auch keine fremde Gülle auf.“ Strenge Kontrollen und Regeln gebe es inzwischen. Die Sperrfristenregelung verbiete die Ausbringung der Fäkalien zwischen dem 1. November und dem 31. Januar. „Im Winter haben die Pflanzen keinen Nährstoffbedarf“, betonte Vedder-Stute.

Die Wasserqualität

„Die Wasserqualität ist hier gut, trotz Gülle“, sagt der Landwirt. Obwohl die Quellen im Einzugsgebiet der landwirtschaftlichen Flächen lägen, gebe es keine Beeinträchtigungen. Auch Heinz Drees, Vorsitzender des örtlichen Wasserbeschaffungsverbandes, konnte Entwarnung geben: „Wir mischen das Wasser verschiedener Quellen und haben die Grenzwerte noch nie erreicht. Manches Mineralwasser enthält mehr Nitrat.“

Die Lage andernorts

Otmar Hermanns verdeutlichte die Gülleprobleme im Emsland und im Münsterland und warnte: „Dort wurden Quellen zugemacht. Das Trinkwasser muss man da inzwischen aus 80 Metern Tiefe gewinnen.“

Der Gestank

Zur Geruchsbelästigung konnte Vedder-Stute nur ehrlich bekennen: „Natürlich stinkt es. Auch die Gülle aus der Biogasanlage stinkt.“ Man arbeite an anderen Techniken, zum Beispiel der bodennahen Ausbringung. „Das ist hier in unseren Hanglagen aber nicht ganz einfach.“

Die Insekten

Imkerin Katrin Nitsche erinnerte an das Arten- und Insektensterben: „Es fehlen Blühpflanzen. Manche Insekten sind an eine einzige Pflanzenart gebunden. Wenn sie verschwindet, bedeutet das auch das Aus für das Tier.“

Die Feldraine

Landwirte könnten zur Verbesserung der Lage etwas beitragen, indem sie die Feldraine schonen, meinte Vedder-Stute. Doch bekannte er auch: „Zurzeit ist jeder Landwirt noch bemüht, am Rande alles abzuhacken. Es ist uns bewusst, dass wir ein schlechtes Image haben.“ An der Verbesserung wollen die beiden Landwirte arbeiten: „Bei uns kann jeder reinschauen. Wir haben jeden Tag den ‚Tag der offenen Tür‘. Das ist für uns die beste Imagewerbung.“

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