STADT-HISTORIE

Halb Balve versumpfte bei Bathe

Balves Innenstadt beherbergte mit Haus Bathe ein beliebtes Feuchtgebiet, in dem Bürger immer wieder gern versumpften. 

Balves Innenstadt beherbergte mit Haus Bathe ein beliebtes Feuchtgebiet, in dem Bürger immer wieder gern versumpften. 

Foto: Marianne fürch / pfarrarchiv st: blasius

Balve.  Rudolf Rath geht gern auf Zeitreisen. Diesmal geht’s in die 50er Jahre. Wo, bitte, war Balves berühmtestes Feuchtgebiet?

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Der Stammtisch wollte es doch mal genauer wissen: Wann eigentlich wurde der „Sumpf“ abgerissen? Oder sollte man lieber sagen „trockengelegt“? Dort, in der Gartenwirtschaft, habe man sich doch früher regelmäßig und zuverlässig zum Schützenfest getroffen. Diese Anfrage ließ den Pfarrarchivpfleger von St. Blasius aufhorchen.

Der „Sumpf“ – das war doch im „Haus Bathe“ die beliebte Gaststätte, verbunden mit Konditorei und Gartenwirtschaft an der Balver Hauptstraße, gegenüber der Einfahrt in die Bogenstraße.

Weltlicher „Vatikan“

Die Erkundigungen des Pfarrarchivars führten weit zurück – in unser Balve vor 50 Jahren. Im Sommer duftete es da bei strahlender Sonne im Außenbereich, nebenan der „Vatikan“, ein Gasthof, in dem die Geschwister Scheele bewirteten, unter dichten Baumkronen nach Kaffee und Kuchen. Im „Sumpf“ jedenfalls, zuletzt emsig geführt von der Familie Amedieck, ging es dagegen schon mal lebhafter zu. An der „Klappe“, einer Öffnung im Flur zwischen dem Bäckerladen und der Kneipe, wurden darüber hinaus auch noch durstige Kunden „ambulant“ bedient: wichtige Quelle, wenn Durstattacken zu Hause bekämpft werden mussten.

In diesem „Sumpf“ aber versanken nicht nur Gäste, die sich nicht rechtzeitig von der Theke lösen oder ihren Stammtisch verlassen konnten. Hochwasser, das immer mal wieder von den Höhen herunter strömte, setzte nämlich Häuser in der Innenstadt, besonders am früheren Hönneverlauf, unter Wasser. Dann versanken auch Bäckerladen, Gaststätte und Gartenwirtschaft in den Fluten – ein wahrer Sumpf!

Nicht besser erging es den Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden in der Nachbarschaft auch noch weitere Jahrzehnte später, ehe dann größer dimensionierte Kanäle weitere Überflutungen weitgehend verhindern konnten.

Unser Stammtisch aber wollte es ja genauer wissen. Diese Schützenbrüder, das ergaben die Recherchen, hatten im Jahr 1970 ihre alljährliche gastliche Stätte verlassen müssen. Man fand an der Hofstraße im privaten Refugium eine neue Bleibe. Schon ein Jahr zuvor nämlich war Haus Bathe, also vor nun 50 Jahren, verkauft worden. Es wurde abgerissen.

Welches Gebäude Haus Bathe folgte

Damit verschwand in unserer Innenstadt ein beliebter Treffpunkt, nicht nur für diesen Stammtisch. An seiner Stelle entstand das Geschäftshaus Staffel mit einer Apotheke und Arztpraxis. Und wer heute ein Plätzchen zum schmackhaften Rasten sucht und dabei das lebhafte Treiben auf der Hauptstraße nicht scheut oder gar liebt, dessen Wünsche können auf der gegenüberliegenden Seite erfüllt werden.Stammtische gibt es dort, im Café, zwar auch, aber „unser Stammtisch“, der sich seit nun 50 Jahren alljährlich zu Schützenfest vereint, ist sich sicher: An unserem angestammten Platz an der Hofstraße halten wir natürlich auch weiterhin fest!

Rudolf Rath ist ehrenamtlicher Pfarrarchivar der katholischen Gemeinde St. Blasius, Balve. Der 76-Jährige ist am besten per Mail erreichbar: archiv-st.blasius@pv-balve-hoennetal.de. Er freut sich über neue historische Dokumente, gern auch aus Familienbesitz.

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