GESUNDHEITSWESEN

Hebamme Lisa aus Mellen: Baby-Boom hält im Corona-Jahr an

Lisa Schäfer, Hebamme aus Mellen, hat im Corona-Jahr 2020 viel zu tun.

Lisa Schäfer, Hebamme aus Mellen, hat im Corona-Jahr 2020 viel zu tun.

Foto: Lisa Schäfer / WP

Mellen.  Der Baby-Boom hält im Corona-Jahr an. Hebamme Lisa Schäfer hat viel zu tun, weil junge Eltern ihr vertrauen. Dafür gibt es gute Gründe.

Im Corona-Jahr 2020 hält der kleine Baby-Boom im Hönnetal an. Allerdings hat der Trend zum Home-Office im Balver Stadtgebiet nicht, wie andernorts, zu einem weiteren Schub geführt. Dennoch kann sich die Mellener Hebamme Lisa Schäfer über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen.

Denn: corona-bedingte Einschränkungen bei Frauenärztinnen und -Ärzten und im Krankenhaus erhöht Hebammen-Nachfrage. Lisa Schäfer aus Mellen wird immer öfter von Familien ins Vertrauen gezogen. Sie spricht keineswegs nur mit Müttern; vielmehr zeigen immer mehr werdende Väter Interesse. Ob zur Vor- oder zur Nachsorge – viele Paare wollen die Termine gemeinsam wahrnehmen. Durch Corona allerdings wächst die Angst bei Familien, die Angst vor einem Ausschluss der Väter bei Beratungsgesprächen.

Abläufe in Arztpraxen verändert

Die Abläufe im Krankenhaus und beim Frauenarzt haben sich verändert, wie Lisa Schäfer beobachtet hat. Die Verantwortlichen wollen demnach vermeiden, dass sich mehr Leute als nötig in den Wartezimmern und Gängen versammeln. Die Ansteckungsgefahr sei einfach zu hoch, heißt es.

Doch gerade Väter haben immer häufiger großes Interesse daran, die Schwangerschaft ihrer Partnerinnen mitzuverfolgen: die ersten Ultraschallbilder und die ersten Hinweise auf den Nachwuchs. „Das Hören der Herztöne berührt und interessiert gerade die Väter sehr.“, betont Lisa Schäfer.

Immer mehr junge Familien wenden sich an die Hebamme. Sie vertrauen darauf, professionell begleitet zu werden und die Informationen, die Ermunterung und manchmal auch den Trost in schwierigen, belastenden Situationen innerhalb der Familie teilen zu können.

Ein weiterer Grund für die erhöhte Nachfrage nach den Dienstleistungen einer Hebamme sei die Möglichkeit von Hausbesuchen, weiß Lisa Schäfer. Statt sich in der Arztpraxis oder im Krankenhaus der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auszusetzen, ziehen werdende Mütter und Väter das eigene Zuhause für die professionelle Begleitung der Schwangerschaft vor. Auch jenseits von Corona geben Schwangerschaftsvorbereitungen den Familien die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das nehme ihnen auch ein kleines Stück Unsicherheit, hat Lisa Schäfer erfahren. „Geburten sind besonders intim und privat“, erklärt die Mellenerin.

Wie geht sie darauf ein? Die Fachfrau versucht sich immer auf die verschiedenen Elternpaare einzustellen, und bespricht alles im vertrauten Umfeld. Die erfahrene Hebamme empfiehlt den werdenden Eltern, sich möglichst früh zu entscheiden, inwiefern sie betreut werden möchten. „Ich habe tatsächlich auch schon Anmeldungen für Mai. Die Mütter befinden sich derzeit in der achten Schwangerschaftswoche. Das ist natürlich sehr früh, aber keinesfalls etwas Schlechtes.“

Mehr Wertschätzung für die Arbeit

Mit dem steigenden Interesse an Begleitung und Beratung sei die Anerkennung für ihren Beruf gewachsen, hat Lisa Schäfer erfreut registriert. Das Ansehen des Berufes habe sich in den vergangenen Jahren zum Positiven verändert. Dabei sei es gleichgültig, ob Hebammen freiberuflich oder im Angestelltenverhältnis im Einsatz sind. Lisa Schäfer: „Im Grunde genommen bin ich sehr zufrieden. Paare schätzen meine Arbeit sehr. Das ist ein schönes Gefühl. Nur vom Gesundheitssystem könnte ein wenig mehr Anerkennung erfolgen.“

Immerhin zählt eine Hebamme wie Lisa Schäfer, genau wie Pflegekräfte und Krankenschwestern, Supermarkt-Mitarbeiter und Fernfahrern zu den stillen Helden, die selbst auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Krise gewissenhaft ihre Arbeit gemacht haben – zum Wohl der ganzen Gesellschaft.

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