NATURSCHUTZ

Heinrich Stüeken besorgt über zunehmenden Landverbrauch

Landschaftswächter Heinrich Stüeken wirbt für den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Natur.

Landschaftswächter Heinrich Stüeken wirbt für den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Natur.

Foto: Marcus Bottin

Garbeck.   Der UWG-Ratsherr und Naturschützer schlägt Alarm. Immer mehr weiche Natur für Straßen und Gebäude. Das, meint er, müsse sich ändern.

Die Zahlen sind besorgniserregend. „In Nordrhein-Westfalen gehen jeden Tag 24 Hektar an landwirtschaftlicher Fläche verloren. Das muss man sich mal vorstellen“, sagt der Balver Heinrich Stüeken. Als ehrenamtlicher Landschaftswächter, Nebenerwerbslandwirt und Kommunalpolitiker weiß er: „Das ist ein riesiges Problem für die Landwirtschaft und auf Dauer nicht tragbar.“

Schuld am anhaltend hohen Landverbrauch ist der Bau von Straßen und Wohnungen, von Industrie- und Gewerbeflächen. Dabei schneidet der ländliche Raum sogar besonders schlecht ab. Städte haben, was den Flächenverbrauch anbelangt, einen großen Vorteil: Mit vergleichsweise wenig Infrastruktur erreichen sie sehr viele Menschen. Zum Baumarkt beispielsweise, zum Möbelhaus oder ins Krankenhaus kommen täglich Zehntausende – und alle auf denselben Straßen.

Anders auf dem Land: Der Weg zum Arzt oder Einkaufen ist weiter, die Straße dorthin wird nur von vergleichsweise wenigen genutzt. Die Folge ist: Pro Kopf verbrauchen Landbewohner deutlich mehr Fläche. Ein ähnliches Bild beim Wohnen: Während in der Stadt Wohnblock- oder sogar Hochhausbebauung auf engem Raum üblich sind, weisen Gemeinden im Umland großflächigen Baugrund für Einfamilienhäuser aus, in denen oft nur wenige Menschen leben. Das macht Heinrich Stüeken nachdenklich.

Für Landwirtschaft wird zu wenig getan

Er sitzt für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Balver Stadtrat. Seine Fraktion macht sich dafür stark, mehr Gewerbeflächen auszuweisen. Denn Balve benötigt zusätzliche Einnahmequellen. Doch das Dilemma wird so nur größer. Zwar gebe es reichlich Regelungen: vom Flächennutzungsplan über den Regionalplan bis zum Landesentwicklungsplan – sie alle regeln die Nutzung der Fläche. Aber, so Heinrich Stüeken: Für die Landschaft werde zu wenig gemacht. Dabei hätte sie es bitter nötig.

„Denn Fläche ist nicht vermehrbar“, sagt der Balver. „Die vorhandene Fläche muss unter den verschiedenen Interessenten irgendwie verteilt werden. Und dabei kommt die Landwirtschaft oft zu kurz. Denn die Landwirtschaft hat keinen Schutzstatus. Landwirtschaftliche Nutzflächen sind oft nur Verfügungsflächen für viele andere Planungen.“

Besonders ärgerlich: Die Landwirtschaft werde bei diesem Prozess gleich doppelt gebeutelt, argumentiert Stüeken. Denn sie müsse nicht nur Fläche für welche neue Nutzung auch immer abgeben, zugleich müssten auch Ausgleichsflächen geschaffen werden, die in der Regel weitere landwirtschaftlich genutzte Flächen kosten.

Auf Ausgleichsflächen wächst Wald

Denn auf diesen Ausgleichsflächen werde häufig Wald angebaut, oder sie dürfen nur noch sehr extensiv beackert werden. Also: nicht düngen und nicht spritzen. Die Nutzung wird dadurch stark eingeschränkt.

Ohne intensive Landwirtschaft gehe es aber heutzutage nicht mehr, ist sich der bekennende Natur- und Umweltschützer Heinrich Stüeken sicher. „Viele Leute machen sich ein falsches Bild von der Landwirtschaft. Fläche ist die Arbeitsgrundlage der Landwirte.“ Weil aber immer weniger Fläche für Ackerbau und Viehzucht zur Verfügung stehen, werde intensive Landwirtschaft immer mehr zum Muss. Das finden Naturschützer naturgemäß nicht gut, aber der Balver Experte weiß auch: „Aus der intensiven Landwirtschaft kommen wir nicht mehr raus.“

Immerhin stellt Stüeken ein gestiegenes Umweltbewusstsein fest: „Die Menschen sind ökologischer geworden.“

Saumbiotope an Feldrändern

Deshalb stellen sich immer mehr die Frage, wie man trotzdem mehr Natur wagen kann. Der Balver Landschaftswächter wünscht sich, überall wo Natur möglich sei, auch Natur zuzulassen. Das gehe sogar mit verhältnismäßig wenig Aufwand – zum Beispiel mit Saumbiotopen an Feldrändern. Eine weitere Idee: eine naturbelassene Zwischennutzung für Flächen in Industriegebieten, die erst später bebaut werden sollen, oder auch rund um Fabrikhallen. „Allerdings“, so Stüeken, „muss es den Fabrikbesitzern erlaubt sein, bei Bedarf das Gelände auch zu bebauen. Man muss aus starren Konzepten rauskommen. Das würde auch die Landwirte entlassen.“

Mehr Miteinander als Gegeneinander wäre ein guter Anfang. Zum Beispiel durch eine stärkere Verschränkung von Natur und Kultur. Die erfordert Rücksicht von beiden Seiten -- auch von den Naturschützern. „Es geht nicht darum: hier Industrie und da Natur. Wir sollten nicht so einseitig denken“, fordert Heinrich Stüeken. „Wir brauchen Natur in der Fläche. Da schlummert noch Potenzial, auch in von Menschen bereits genutzten Flächen.“

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