BAHNHOF BINOLEN

Hönnetal-Bahn im Bonsai-Format: Zeitreise mit Wolfgang Ebe

Friedbert Haringhaus, Wolfgang Ebe, Alfons Blumenkamp (von links) laden ein zu einer Zeitreise in die 60er: Die Hönnetalbahn im Bonsai-Format ist nostalgisch inszeniert.

Friedbert Haringhaus, Wolfgang Ebe, Alfons Blumenkamp (von links) laden ein zu einer Zeitreise in die 60er: Die Hönnetalbahn im Bonsai-Format ist nostalgisch inszeniert.

Foto: Jürgen Overkott / WP

Binolen/Deilinghofen.  Faszination Bonsai-Bahn: Wolfgang Ebe und drei Mitstreiter haben die Hönnetalbahn geschrumpft. Sonntag ist sie in Binolen zu sehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Er hat Hände wie Bratpfannen. Dennoch ist er Spezialist für filigrane Figuren. Wolfgang Ebe (60) steht in der Güterhalle des Bahnhofs Binolen und betrachtet sein Werk: den Uhu-Tunnel im Miniatur-Format. Allein hat es der ehemalige Maschinenschlosser aus Deilinghofen nicht gemacht. Die mehr als vier Meter lange große, kleine Wunderwelt heimischer Eisenbahn-Nostalgie ist das Ergebnis von Team-Arbeit. Ebes Bruder Karl (63) mischte mit, dazu Ralf Alfsmann (55) und der 81-jährig verstorbene Hans-Georg Vogel, besser bekannt als „Bubi“. Die fantastischen Vier haben das Kernstück der Hönnetalbahn mit seinem legendären Felspanoramen im Maßstab 1:87 nachgebaut. Die Modellbahn wird am morgigen Sonntag erstmalig im Bahnhof Binolen präsentiert.

Aus gutem Grund: Am Sonntag feiert der Förderverein Kulturbahnhof Binolen Jubiläum. Der Verein wird 25. Von 12.30 bis 17.30 Uhr lädt der Gastgeber die Öffentlichkeit zu einem Tag der offenen Tür. Der Uhu-Tunnel nebst dazugehörigen Viakuten wird ergänzt durch Modelle der Eisenbahnfreunde Hönnetal, die ebenfalls das heimische Schienenzeitalter feiern.

Die Eisenbahnstrecke Menden–Neuenrade wurde am 1. April 1912 eröffnet. Die Bauarbeiten im Hönnetal hatten im Jahr 1909 begonnen.

Die Eisenbahn markierte vor mehr als 100 Jahren den Beginn des mobilen Zeitalters. Sie sorgte für eine deutliche Beschleunigung des gesellschaftlichen Lebens.

Etwa zeitgleich feierte die Postkarte Premiere. Sie beschleunigte die Kommunikation vor allem von Privatpersonen enorm. Die für damalige Verhältnisse knappen Botschaften waren die SMS des analogen Zeitalters. Oft dokumentierten sie Reisen – etwa ins Hönnetal.

Wolfgang Ebe sammelt die vergilbten Karton-Mitteilungen mit Fotos von nahezu allen bedeutsamen Gebäuden und Landschaftsszenen der Region. Er ist nicht nur Modellbauer, sondern auch Heimatforscher.

Beide Leidenschaften halfen ihm beim maßstabsgerechten Schrumpfen der Hönnetalbahn. Gebäude wie das längst abgerissene Platthaus sind so auf seiner kleinen Gleisbett-Welt auferstanden. „Unsere Modelleisenbahn zeigt das Hönnetal im Jahr 1960“, erzählt der Baumeister mit begeistert leuchtenden Augen.

Ob Gasthof oder Fabrik, Bauernhaus oder Schuppen: Die Vorlagen gibt es nicht im Bastelkarton. Alle Gebäude, alle Verkehrswege, alle Felswände sind Einzelanfertigungen. Für Wolfgang Ebe lösbare Aufgaben: „Als Maschinenschlosser kann ich Pläne lesen – und Pläne erstellen.“ Der Bastler hat so viel Erfahrungen, dass er für neue Bauwerke kaum mehr als Skizzen braucht.

Der Charme des Stilllebens

Wolfgang Ebe will aber keineswegs entvölkerte Landschaften zeigen. Vielmehr liegt ihm an Stillleben.

Und da liegt der Reiz im Detail. In seiner Retro-Version des Hönnetals ist manches erlaubt, was inzwischen längst verboten ist. So hangeln sich etwa Kletterer die steilen Kalkfelsen oberhalb des Uhu-Tunnels hoch. Anderes war früher kaum anders als heute. Der Fahrer eines VW Käfers, beispielsweise, hat Pech gehabt. Er durchbrach in einer Kurve eine Leitplanke, stürzte mit seinem feuerroten Spielmobil in die Hönne: Pech.

Glückliche Momente indes erleben Kinder an einem handbetriebenen Karussell auf einer Gasthof-Wiese. Die große Zahl der Kurzen lässt erahnen: Wolfgang Ebe zeigt die Jahre der Babyboomer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben